Ehemalige Bahnhöfe, Wasserwerk-Ruinen und verlassene Geistervillen: Die Zahl der Lost Places, die verlorenen und verlassenen Gebäude, für die Berlin seit den Neunzigern so bekannt war, ist stark geschrumpft. Doch es gibt sie noch vereinzelt. Hier erfahren Sie alle wichtigen Fragen und Antworten zu den Lost Places im Ortsteil Zehlendorf:

Was zeichnet die Lost Places in Zehlendorf aus?

Der alte Ortskern von Zehlendorf liegt südlich von Dahlem und grenzt nach Osten an Lichterfelde-West an. Die dörfliche Gemeinde vor den Toren Berlins rückte mit der Eröffnung der Stammbahn – der ersten preußischen Eisenbahn – 1838 ins Bewusstsein der hauptstädtischen Ausflügler und erlebte bis 1872 als Zehlendorf selbstständige Landgemeinde wurde ein stetiges Bevölkerungswachstum. In den grünen Vororten im Südwesten Berlins siedelten sich bevorzugt gutbetuchte Industrielle, Beamte und Künstler an und es entstanden während der Gründerzeit die prunkvollen Villenkolonien, für die der spätere Bezirk Steglitz-Zehlendorf bekannt ist.

Der grüne Vorort Zehlendorf im Südwesten lockte die Hauptstädter stets mit seinen idyllischen Naturlandschaften. Undatierte Postkarte
Der grüne Vorort Zehlendorf im Südwesten lockte die Hauptstädter stets mit seinen idyllischen Naturlandschaften. Undatierte Postkarte© picture alliance / arkivi | - | picture alliance / arkivi | -

1920 wurde die Landgemeinde als Bezirk nach Berlin eingemeindet und war nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit den Bezirken Tempelhof, Schöneberg, Neukölln und Kreuzberg Teil des US-amerikanischen Sektors der geteilten Stadt. Mit dem Abzug der Alliierten in den 1990er-Jahren standen ihre Einrichtungen von einem Tag auf den anderen leer und suchten nach neuen Funktionen. Die Lost Places in Zehlendorf spiegeln die Zäsuren wider, die der Ortsteil im Laufe seiner Geschichte erfuhr. Heute stehen nicht nur einige der Villen des Ortsteils mit ihrer interessanten, langjährigen Geschichte leer, sondern auch Anlage der Industriegeschichte und Einrichtungen, an denen ehemals US-Geheimdienste operierten.

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Ist es erlaubt, Lost Places in Zehlendorf zu besuchen?

Gewöhnlich ist es offiziell nicht erlaubt, einen Lost Place zu besuchen. Obwohl die Orte verlassen aussehen, gibt es im Regelfall dennoch Eigentümer oder Verantwortliche, die alleine schon aus Gründen der Sicherheit nicht wollen, dass jemand diese Orte betritt. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Welche Lost Places gibt es im Ortsteil Zehlendorf?

Das sind die spannendsten Lost Places im Stadtteil Zehlendorf:

Lost Place in Steglitz-Zehlendorf: Die Geistervilla Schmarjestraße

111 Jahre hat das Haus in der Schmarjestraße 14 auf dem Buckel. Viele verschiedene Bewohner beherbergte es in all den Jahren. Doch seit 2012 steht die hübsche Villa – inzwischen auch das Geisterhaus von Zehlendorf genannt – leer. Dabei sollte es nach dem letzten Willen seiner verstorbenen Besitzer einem sozialen Zweck zugeführt werden: Ein Altenheim für Musiker hätte hier entstehen sollen.

Jüngst kam Bewegung in die Sache: Statt Hochbetagten könnten künftig Hochbegabte das Geisterhaus bevölkern. Der Bezirk schloss 2021 einen Nutzungsvertrag mit dem Verein "Initiative für Hochbegabung", die die Sanierung der bisherigen Problemimmobilie in die eigene Hand nahm.

  • Adresse: Schmarjestraße 14, 14169 Berlin-Zehlendorf
  • Geschichte: 1912 durch das Architekturbüro "Bastian und Kabelitz" erbaut; Wohnhaus bis in die 1980er-Jahre; 1989 erbte der Bezirk Steglitz-Zehlendorf das Haus und kündigte 2007 der Kita als letzten Mieter; anschließend Leerstand
  • Führungen: Keine. Es handelt sich um Privatgelände
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09075922
  • Status: Ehemaliger Lost Place. 2021 konnte mit dem Verein "Initiative für Hochbegabung" ein neuer Nutzer gefunden werden

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Lost Places in Zehlendorf: Der legendäre Ex-Jugendclub Pop Inn

Das Pop Inn war eine der ersten Jugenddiscos Berlins, in der Jugendliche bereits mit 14 Jahren Eintritt erhielten. Das Ziel der 1960 gestarteten Disko: Der Senat wollte die Jugend von der Straße und aus den Trinkhallen holen. In dem legendären Club spielten unter anderem Agitation Free und Die Ärzte. 2010 musste die Jugenddisco schließen, nachdem Anwohner gegen den Lärm protestiert hatten. Seitdem steht das Gebäude leer.

Das Logo der Diskothek in der Ahornstraße.
Das Logo der Diskothek in der Ahornstraße.© Unbekannt | Katrin Lange / BM

Eigentlich sollte in das Gebäude, in dem Generationen von Teenagern getanzt und gefeiert haben, eine Kita ziehen. Das Projekt war schon ziemlich konkret: So wurde eine Studie angefertigt, die zu dem Ergebnis kam, dass das Haus für den Umbau zu einer Kita geeignet ist. An dem neuen Standort sollten etwa 80 Plätze geschaffen werden. Doch wegen fehlender Außenflächen musste die Pläne umgeworfen und ein neues Mischkonzept für das Haus mit verkleinerter Kita und Wohnformen entwickelt werden. Wann die Pläne umgesetzt werden können, steht derzeit noch nicht fest.

  • Adresse: Ahornstraße 15A, 12163 Berlin-Zehlendorf
  • Geschichte: 1891 erbaut; während der Weimarer Republik Sitz des SPD- und ReichsbannerLokals "Schellhase"; in der NS-Zeit Sitz einer SS-Motorstaffel; nach dem Zweiten Weltkrieg Unterkunft für sowjetische, dann für amerikanische Soldaten; zwischen 1946 bis 1957 Haus einer Freimaurer-Großloge; ab 1960 Jugendclub "jazz-salon"; 1967 umbenannt in "Pop Inn"; 2010 nach Anwohnerprotesten als letzte Senatsjugenddisko geschlossen; danach Leerstand
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Lost Place. Das Objekt soll saniert und in eine Kita umfunktioniert werden

Lost Places in Zehlendorf: Das alte Wasserwerk Riemeisterfenn

Vom Wasserwerk Riemeisterfenn in der Nähe der Krummen Lanke ist nur noch eine Ruine übrig. Der Nachkriegsbau hatte mit einem Horizontalfilterbrunnen jahrzehntelang das umliegende Villenviertel in Zehlendorf mit Wasser versorgt, bevor das Werk 1995 stillgelegt wurde, weil die Wassernutzung der Berliner zurückgegangen war. 

2018 stand das alte Wasserwerk lichterloh in Flammen - danach hatte es kein Reetdach und keine Zukunft mehr
2018 stand das alte Wasserwerk lichterloh in Flammen - danach hatte es kein Reetdach und keine Zukunft mehr© Morris Pudwell | Unbekannt

Es blieb aber vorerst in einen Zustand erhalten, in dem es notfalls betriebsbereit war. Seit 2007 erfuhr das Haus mit dem Reetdach ein zweites Leben als gastronomischer Geheimtipp. Das Lokal „Waldhaus Ostermann“ des Tresor-Erfinders Dimitri Hegemann zog in den umgebauten Seminarraum des Wasserwerks ein. Im Inneren blieb die Architektur der 1950er-Jahre erhalten. 2012 musste die Gastronomie schließen und das Wasserwerk Riemeisterfenn stand wieder leer – dieses Mal endgültig. Im Jahr 2018 besiegelte ein Großbrand das Schicksal des ikonischen Gebäudes endgültig. Die Berliner Wasserbetriebe planen den Abriss des Gebäudes.

  • Adresse: Onkel-Tom-Straße 200, 14169 Berlin-Zehlendorf
  • Geschichte: 1957 durch die Berliner Wasserwerke errichtet, 1995 stillgelegt. Von 2007 bis 2012 gastronomisch zwischengenutzt, 2018 brannte das Reetdach des Gebäudes ab
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Aktueller Lost Place. Das Wasserwerk soll abgerissen werden

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Lost Places in Zehlendorf: Die aufgegebene BND-Villa

Die Liste der ehemaligen Bewohner der alten Villa an der Sven-Hedin-Straße 11 in Zehlendorf ist lang: Großbürgerliche Unternehmer, Nazi-Verbrecher, ein Außenminister, der US-Geheimdienst und die Schlapphüte des Bundesnachrichtendienstes. Seit 2012 steht das geschichtsträchtige Luxus-Landhaus leer, auf dessen Grundstück einst DDR-Flüchtlinge und sowjetische Deserteure ausgehorcht wurden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als Steglitz-Zehlendorf zum amerikanische Sektor der geteilten Stadt gehörte, wurde in der Villa zuerst ein US-Presseclub eröffnet – und dann ein „Safe House“ für Militärpersonal und US-Geheimdienste. Sogar in einem Ausbildungsfilm für Spione aus dem Jahr 1969 spielte die imposante Villa eine Rolle  – samt Hausnummer (Minute 22:36), Blick auf das Grundstück und Umgebungskarte (25:05).

Nach dem Abzug der Amerikaner in den 1990er-Jahren übernahm der BND das Gebäude als inoffizielle Residenz ihrer Geheimdienstchefs, bis das Haus 2012 renovierungsbedürftig den Ansprüchen der obersten Schlapphüte nicht mehr genügte. Vor einigen Jahren wurde das Grundstück geteilt: Die geschichtsträchtige Ex-BND-Villa befindet sich heute auf dem Grundstück an der Adresse Karl-Hofer-Straße 31.

  • Adresse: Sven-Hedin-Straße 11, Ecke Karl-Hofer-Straße 31, 14163 Berlin-Zehlendorf
  • Geschichte: 1915 als Unternehmer-Landhaus errichtet; ab 1935 Wohnsitz des NS-Kriegsverbrechers Walther Funk (1890–1960), nach dem Krieg Sitz des Amerikanischen Presseclubs und von US-Geheimdiensten; zwischen 1999 und 2012 Dienstvilla des BND-Präsidenten; danach Leerstand
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Lost Place. 2020 wurde die Villa vom Land Berlin gekauft und soll nach Sanierungsarbeiten für soziale Projekte genutzt werden

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Lost Places in Zehlendorf: Der verlassene Bahnhof Zehlendorf Süd

Im Unterholz südlich der JVA Düppel zwischen Bäumen und Geäst schlummern die Überreste des alten Bahnhofs Zehlendorf Süd. Er lag an der ältesten Eisenbahnverbindung Preußens zwischen Potsdam und Berlin, der Stammbahn, und war der einzige Bahnhofsneubau der Deutschen Reichsbahn in West-Berlin nach 1946. Bereits mit Baubeginn 1971 kam es zu Auseinandersetzungen mit dem Senat und der US-Kommandantur. Die Deutsche Reichsbahn verstand die Bahnanlagen als Eigentum der DDR und plante den Haltepunkt nach DDR-Baurecht.

Ein verwittertes und zerbeultes Schild mit der Aufschrift "An der Stammbahn" ist in den Stamm einer Birke eingewachsen.
Ein verwittertes und zerbeultes Schild mit der Aufschrift "An der Stammbahn" ist in den Stamm einer Birke eingewachsen.© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Soeren Stache | picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Soeren Stache

Das wollten sich die Westalliierten nicht bieten lassen. Nachdem der Senat eigene Pläne erstellen ließ, konnten die Bagger 1972 wieder anrollen und der Bahnhof noch im selben Jahr die ersten Reisenden empfangen. Doch nach nur acht Jahren Betriebszeit wurde die Bahnstation bereits wieder aufgelassen. Der erhoffte Erfolg, die Stammbahn mit mehr Fahrgästen rentabel zu machen, hatte sich nicht erfüllt. Seit 1980 fuhren keine Züge mehr an dem Bahnhof. Künftig könnte die Station aber ein Comeback feiern, denn es gibt Pläne die Stammbahn wieder zu reaktivieren.

  • Adresse: Östlich der Clauertstraße, Ecke Robert-von-Ostertag-Straße, 14163 Berlin-Zehlendorf. (Open-Location-Code) für das Objekt lauten C6GR+522 Berlin
  • Geschichte: Beginn der Bauarbeiten für die Station 1970/1971; Eröffnung des Bahnhofs im Dezember 1972; nach dem Reichsbahnerstreik im September 1980 wurde der Zugverkehr an der Station eingestellt
  • Führungen: Nein
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Lost Place

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