Seit dem Zickzack-Radweg haben die Steglitz-Zehlendorfer ihre Radwege fest im Blick. Viele Radspuren werden einer kritischen Prüfung unterzogen. Jetzt haben gleich mehrere Zehlendorfer erneut einen ihrer Meinung nach „vollkommen überflüssigen Radstreifen" entdeckt.
„In der Königstraße in Wannsee wird von der Glienicker Brücke bis Otto-Erich-Straße ein neuer Radstreifen auf die Straße aufgemalt", sagt Rainer Quast. Dort sei aber vor einiger Zeit sehr aufwendig ein neuer zwei Meter breiter Fuß- und Radweg auf beiden Seiten angelegt worden. Am Waldrand wären jedoch so gut wie keine Fußgänger unterwegs, so dass die Radfahrer den Weg für sich allein hätten. Nun gebe es auf der Straße einen neuen Radstreifen mit einer durchgezogenen Linie, Autos könnten dort nicht mehr am Straßenrand parken.
"Unsinnige Maßnahme"
Auch Gottfried Hecht hat den neuen Radweg auf der Königstraße entdeckt. Er spricht von „Geldverschwendung und einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr". "Trotz vorhandener, ausreichend breiter und geteerter Fahrradwege auf dem Seitenstreifen sind nun auf der Fahrbahn zusätzliche Fahrradwege angelegt", beschwert sich Hecht ebenfalls. Er habe bei einer Ausflugsfahrt in Richtung Glienicker Brücke zudem feststellen müssen, das bereits viel Parkplätze an der Ausfallstraße durch den Fahrradstreifen weggenommen worden sind. Wer kommt für diese unsinnige Maßnahme auf, will Hecht wissen.
Bei der Königstraße in Wannsee handelt es sich um eine Bundesstraße, der Abschnitt ist Teil der B1. Deshalb ist nicht der Bezirk Steglitz-Zehlendorf sondern die Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr zuständig. Dorothee Winden, stellvertretende Pressesprecherin in der Senatsverkehrsverwaltung, bestätigt, dass die bislang gemeinsamen Geh- und Radwege an der Königstraße im Bereich des Schäferbergs umgestaltet werden.
Hintergrund sei zum einen das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 28. Juni 2016, das die Radwegbenutzungspflicht für diesen gemeinsamen Geh- und Radweg auf dem Streckenabschnitt der Königstraße zwischen Glienicker Brücke und Friedenstraße aufgehoben hatte. Außerdem sei im Sommer 2018 das Mobilitätsgesetz in Kraft getreten. Danach sollen gemeinsame Geh- und Radwege sowie für den Radverkehr freigegebene Gehwege möglichst vermieden werden.
Gegenseitige Behinderungen vermeiden
"Daher sind jetzt auch für den Bereich von Nikolskoer Weg bis Friedenstraße beziehungsweise in Richtung Berlin bis Otto-Erich-Straße getrennte Radverkehrsanlagen in Form von Radfahrstreifen angeordnet worden", sagt Dorothee Winden. Die Fahrbahn wäre dort breit genug, um neben den beiden breiten Kfz-Fahrstreifen auch zwei breite Radfahrstreifen markieren zu können.
Die Umgestaltung soll nach Auskunft der Senatsverwaltung die Verkehrssicherheit erhöhen. „Durch die Radfahrstreifen können künftig insbesondere in den abschüssigen Bereichen, auf denen der Radverkehr mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist, gegenseitige Gefährdungen und Behinderungen zwischen Rad- und Fußverkehr vermieden werden“, argumentiert die Sprecherin.
Zu den Parkplätze, die nun wegfallen, gibt es von der Verwaltung nur ein kurzes Statement: „Dort parken kaum Fahrzeuge." Zudem seien westlich am Nikolskoer Weg und östlich in der Friedenstraße ausreichend Stellplätze vorhanden.
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