Berlin

Nicht alle Schlachtensee-Besucher halten sich ans Hundeverbot

Seit gut einer Woche gilt am Schlachtensee das Hundeverbot. Doch nicht alle Berliner halten sich daran. Viele boykottieren das Gesetz, das auch einige Nicht-Hundebesitzer als zu rigoros empfinden.

Seit gut einer Woche gilt am Ufer des Schlachtensees ein Hundeverbot. Schon im Vorfeld hatte es die Berliner polarisiert. Gegner planen bereits eine Klage gegen das Verbot.

Video: Abendschau, RBB
Beschreibung anzeigen

Seit einer Woche ist an den Berliner Badeseen die Badesaison eröffnet. Und seit diesem Tag gilt auch das Hundeverbot an Schlachtensee und Krummer Lanke. Aber: Der Schlachtensee ist längst noch nicht „hundefrei“.

Evelyn Wilcek spazierte am Freitagvormittag um das Zehlendorfer Gewässer, sie fährt seit 20 Jahren aus Kreuzberg „extra hier her um zu genießen“. Seit fast fünf Jahren ist auch ihre Hündin Alma mit dabei. So auch am Freitag – trotz oder gerade wegen des Verbots. „Ich will einfach mal sehen, wie die Situation am See jetzt ist und was passiert, wenn ich hier weiter mit meinem Hund spazieren gehe. Ich boykottiere das Verbot damit erst einmal.“ Oft ist sie mit Alma schon an den Grunewaldsee gegangen. „Aber da kann ja auch nicht ganz Berlin mit seinem Hund Gassi gehen.“

Hündin Alma ist nicht angeleint, tollt am Ufer herum. Wenn Evelyn Wilcek sie ruft, gehorcht sie sofort. In den See lässt sie Wilcek aber nicht mehr. „Dass es nicht jedem passt, dass Hunde im Schlachtensee schwimmen, kann ich ja noch nachvollziehen.“ Gern hätte sie mit Alma auch an der Demonstration gegen den Beschluss des Bezirksamts teilgenommen. „Ich war allerdings im Urlaub.“

1500 Berliner demonstrieren gegen Hundeverbot am Schlachtensee

Einen Tag bevor das Hundeverbot in Kraft trat, haben rund 1500 Berliner gegen das Verbot demonstriert. Viele kamen mit ihren Hunden. Genützt hat es nichts – das Verbot trat in Kraft. Viele Demonstranten vermissten vor dem Beschluss den Dialog mit allen Beteiligten. Auch für die Bezirksverordneten kam der Entscheid der zuständigen Stadträtin überraschend – hatten sie doch im März 2010 beschlossen, dass geprüft werden müsse, „wie die Badestellen am Schlachtensee und an der Krummen Lanke von Hunden freigehalten werden können“. Beteiligt wurden sie an der Gestaltung einer Lösung aber nicht.

Beschlossen wurde das Verbot im Januar dieses Jahres durch das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf. Durchgesetzt hat den Beschluss Christa Markl-Vieto (Grüne), Bezirksstadträtin für Umwelt und Gesundheit. Ein jahrelanger Konflikt zwischen Hundebesitzern und -gegnern sollte so geschlichtet werden – der Leinenzwang schien das Problem allein nicht mehr lösen zu können. Darüber hinaus wolle man mit dem Verbot die Wasserqualität des Schlachtensees schützen. Für Christa Markl-Vieto ist eine Leinenpflicht deshalb sowieso keine Alternative. „Die Fäkalien werden trotzdem in den See gespült.“

Auch Nicht-Hundebesitzer können Verbot oft schwer nachvollziehen

Alexander Dürr, 17, haben die Hunde am See nie gestört. „Wenn sie angeleint sind, ist ja alles in Ordnung. Schwierig war es natürlich, wenn ein Hundebesitzer keine Kontrolle über seinen Hund hatte. Man hätte es aber auch einfach bei der Leinenpflicht belassen können.“ Er selbst schwimmt am Freitag im Schlachtensee. Kalt ist es. „Normalerweise schwimme ich auch ein Mal durch, dass geht bei den Temperaturen aber noch nicht.“ Als Schwimmer mit den Hunden im Wasser? „Das war für mich eigentlich nie ein Problem“, winkt Dürr ab.

Schlechte Erfahrungen mit Hunden führen aber auch schnell dazu, dass man zum Befürworter des Hundeverbots wird. Tine Nasrun, 37, hat zwei Kinder. Das Kleinste fährt sie in der Babykarre um das Gewässer in Zehlendorf. Ihre ältere Tochter ist nicht dabei. „Die hat allerdings schon Angst vor Hunden. Es kam nicht selten vor, dass hier am Schlachtensee ein Hund einfach unkontrolliert auf sie zugelaufen ist. Da kann sonst etwas passieren, gerade bei Kleinkindern. Die Besitzer haben ihre Hunde oftmals nicht mal zurückgerufen“, erzählt die Mutter: „Die hundefreie Zone genieße ich jetzt so, wie sie ist.“

Hundebesitzer suchen nach Verbot neue Strecke zum Gassi gehen

Viele Hundebesitzer müssen sich nach dem Verbot jetzt eine neue Strecke zum Gassi gehen überlegen: Immer freitags gehen Ursula Drees und Almut Paulsen mit dem Beagle-Weibchen Cyra am Schlachtensee spazieren. „Jetzt müssen wir uns hier eine neue Route suchen. Wir halten uns an das Gebot. Den aufgestellten Wildzaun zwischen Wald und See halte ich aber für übertrieben rigoros – das hat was von einer Zweiklassengesellschaft“, so Drees. Laut Paulsen könne man sich, wenn man denn möchte, an allem stören. „Auch an Radfahrern oder Läufern, die einen hier immer fast über den Haufen rennen.“ Drees geht noch weiter: „Das Verbot ist ein Affront gegen den folgsamen Hundebesitzer. Der Wunsch des Bruchs wird uns hier ja direkt unterstellt.“

Immer neue Petitionen fordern den Dialog zwischen Bezirk und beteiligten Hundebesitzern. Manche von ihnen boykottieren das Verbot, das auch viele Nicht-Hundebesitzer oftmals für zu rigoros empfinden. Auch ein juristisches Vorgehen gegen den Beschluss steht immer wieder im Raum. Kompromisse, wie die Verbannung von Hunden nur zur Badesaison, werden von der SPD-Fraktion und vielen Besuchern des Schlachtensees weiter diskutiert.

Geforderte Kompromisse will Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto vorerst nicht diskutieren. Das Hundeverbot gilt als ein Pilotprojekt und wurde für die Dauer von ein bis zwei Jahren gestartet – so heißt es. Erst danach will man gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung schauen, was das Projekt gebracht hat. Bis dahin wird es erst einmal weiter heißen: Hundeverbot am Schlachtensee.