Notsicherung

Schulpavillons bekommen wegen Einsturzgefahr Stützen

Die wegen Statikproblemen gesperrten Schulpavillons an drei Grundschulen in Steglitz und Zehlendorf sollen mit speziellen Pfeilern abgestützt werden. Sie könnten kommende Woche wieder genutzt werden.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Die wegen Einsturzgefahr gesperrten Schulpavillons in Steglitz und Zehlendorf können bald wieder genutzt werden. Vielleicht sogar schon in der kommenden Woche. Um die betroffenen drei Grundschulen zu entlasten, die unter akuter Platznot leiden, sollen die Decken der mobilen Unterrichtsräume (MUR) möglichst schnell mit Notabsteifungen gestützt werden, damit die Kinder dort weiter unterrichtet werden können. „Diese Möglichkeit haben die Untersuchungen der Statiker im Bezirk ergeben“, sagt der für Immobilien zuständige Stadtrat Michael Karnetzki (SPD). Nun liefen die Berechnungen. Das sei dann allerdings nur eine provisorische Lösung, die nicht zum Dauerzustand werden dürfe, sagt Karnetzki. Schon die Pavillons seien ja ursprünglich als provisorische Unterrichtsräume konzipiert gewesen.

Bildungsstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) zeigt sich erleichtert. Sie geht davon aus, dass damit bis zu den Sommerferien der Schulbetrieb gesichert ist. Solange könne parallel von Architekten geprüft werden, ob sich eine Sanierung der drei mobilen Unterrichtsräume noch lohne oder ob ein Abriss zu empfehlen sei. Denn nicht nur die Statik sei ein Problem, auch Fenster und Heizungen in den Pavillons seien marode.

Statikproblem nur einem bestimmten Schulpavillontyp

Wie berichtet mussten die Schüler der Mühlenau-, der Sachsenwald- und der Kronach-Grundschule, deren Klassen in den Pavillons liegen, nach den Osterferien kurzfristig in den Hauptgebäuden ihrer Schulen Platz finden, weil die Pavillons sich überraschend als einsturzgefährdet herausstellten und gesperrt werden mussten. Das war eher durch einen Zufall entdeckt worden. Die Schüler mussten zusammenrücken und damit auf ihre Musik-, Bibliotheks- und Betreuungsräume verzichten.

Das Statikproblem betrifft einen ganz bestimmten Typ der Schulpavillons, die es in rund 20 Varianten gibt. Nur in den zweigeschossigen Bauten mit acht Klassenräumen des Herstellers Kesting, der Ende der 90er-Jahre in Insolvenz ging, bereite die Deckenlast Probleme, sagt Karnetzki. Nach Aussagen von Baufachleuten liegt hier ein Konstruktionsfehler vor. Weil die Statiker in Steglitz-Zehlendorf diese Schwachstelle schnell identifiziert hatten, konnten sie den Hochbauämtern in den anderen Bezirken entsprechende Hinweise für eine relativ einfache Untersuchung geben.

In ganz Berlin werden Schulpavillions untersucht

Deren Fachleute untersuchen nun seit Donnerstag berlinweit ihre Schulpavillons. Bis Ende kommender Woche sollen die Ergebnisse vorliegen. Sie beschränken sich dabei nicht auf das beanstandete Modell, sondern lassen die Statiker auch ähnliche Konstruktionen sowie die eingeschossigen Pavillons begutachten. „Wir gehen lieber auf Nummer sicher“, sagt der Leiter des Neuköllner Facility-Managements, Kristian Schiemann. In Neukölln werden insgesamt 32 Standorte begutachtet. Drei seien am Freitag bereits ohne Beanstandung vom Statiker durchgekommen.

In Reinickendorf werden laut Bildungsstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) acht Standorte untersucht. Auch hier begutachte man vorsichtshalber alle Pavillons ähnlicher Bauart. In Charlottenburg-Wilmersdorf, wo meist nur eingeschossige Varianten stehen, soll die Untersuchung der Pavillons voraussichtlich bis Donnerstag abgeschlossen sein, heißt es aus dem Büro der zuständigen Stadträtin Dagmar König (CDU).

Der Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg, Daniel Krüger (CDU), konnte bereits Entwarnung gegeben: „Wir haben am Donnerstag sieben Standorte identifiziert, an denen ähnliche Bautypen stehen und sie inzwischen alle vom Statiker überprüfen lassen. Es wurden keine Mängel festgestellt.“

Die mobilen Unterrichtsräume waren den Bezirken vor 25 Jahren vom Land Berlin zur Verfügung gestellt worden. Ursprünglich waren sie einmal als Ausweichquartiere für Sanierungszeiträume geplant, heißt es aus der Senatsbauverwaltung, die nach Aussage eines Sprechers keinen Überblick darüber hat, wie viele dieser Modelle an die Bezirke gingen. Die Haltbarkeit solcher Modulbauten ließe sich nicht vorhersagen, darum müsse die Baugenehmigung regelmäßig verlängert werden.