Pavillons gesperrt

An drei Berliner Schulen herrscht Einsturzgefahr

Wegen Statik-Problemen wurden drei Unterrichtspavillons in Steglitz-Zehlendorf gesperrt. Es hat sich bereits ein Sanierungsstau von 400 Millionen Euro angehäuft.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

An der Mühlenau-Grundschule in Dahlem stehen die Schulleitung und das Kollegium vor einer großen Herausforderung. Nach den Osterferien musste dort ein Pavillon gesperrt werden, in dem sich acht Unterrichtsräume befinden. Laut Bauamt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf ist das Gebäude einsturzgefährdet. Die Statik sei nicht mehr gegeben, heißt es. Das Gebäude war ursprünglich für eine Nutzungsdauer von 15 Jahren ausgelegt, wird aber bereits seit fast 30 Jahren genutzt.

Zwei weitere Grundschulen des Bezirks sind ebenfalls betroffen. An der Kronach-Grundschule und der Sachsenwald-Grundschule wurden am Dienstag baugleiche Pavillons gesperrt. Die drei Schulen müssen die Schulklassen, die in diesen Gebäuden unterrichtet worden sind, nun woanders unterbringen. Das ist schwer, weil kaum noch Platz vorhanden ist.

Die Bildungsstadträtin des Bezirks, Cerstin Richter-Kotowski (CDU), sagte der Berliner Morgenpost, dass bei einer Überprüfung des Pavillons der Mühlenau-Grundschule Risse in der Decke entdeckt worden sind. Das Bauamt habe den Pavillon daraufhin vorsorglich gesperrt.

Sanierungsstau von 400 Millionen Euro

Um den Unterricht sicher zu stellen, gehe es nun zunächst darum, die Schüler unterzubringen. Mit etwas gutem Willen sei das in den Hauptgebäuden der Schulen möglich, so Richter-Kotowski. Den Schülern der Sachsenwald-Grundschule, an der es besonders eng sei, könne aber ein ehemaliges Schulgebäude an der Plantagenstraße zur Verfügung gestellt werden.

"Wir prüfen außerdem, ob es sich überhaupt lohnt, die betreffenden Pavillons zu sanieren", sagte Richter-Kotowski. Noch sei nicht klar, welche Kosten entstehen würden und aus welchem Topf eine mögliche Sanierung bezahlt werden könnte. Der Bezirk habe im Schulbereich bereits einen Sanierungsstau von 400 Millionen Euro.

Unterdessen hat der Senat am Dienstag beschlossen, fast 100 Millionen Euro aus dem Sondervermögen wachsende Stadt zugunsten des Erhalts und der Erweiterung von Schulbauten und Schulsporthallen zu investieren und eine entsprechende Maßnahmenliste verabschiedet. Diese beruht auf Vorschlägen und Wünschen der Bezirke. Die drei gesperrten Pavillons stehen nicht auf dieser Liste, da ihre Baufälligkeit eher durch Zufall entdeckt worden ist.

Abgelaufene Baugenehmigung

Laut Richter-Kotowski habe die Mühlenau-Schule ihren Pavillon anstreichen wollen. Dabei sei festgestellt worden, dass die Baugenehmigung für das Gebäude längst abgelaufen war. Eine neue wurde beantragt und der Pavillon daraufhin überprüft. Erst dabei sind die Risse in der Decke aufgefallen. Noch ist offen, ob auch in anderen Bezirken baugleiche Schulpavillons stehen, die gesperrt werden müssten.

"Ende der 80er-Jahre sind an vielen Standorten mobile Unterrichtsräume aufgestellt worden", sagte Cerstin Richter-Kotowski. Sie habe deshalb die Bezirke im Westteil der Stadt informiert und sie gebeten, zu überprüfen, ob die Pavillons an ihren Schulen zur gleichen Zeit und von der selben Firma errichtet worden sind wie die, um die es in Steglitz-Zehlendorf geht.

Richter-Kotowski hofft zudem, auf diese Weise an Bauunterlagen für die betreffenden Pavillons heranzukommen. "Uns fehlen diese Unterlagen", sagte sie der Berliner Morgenpost. Für die Statiker seien die Bauunterlagen aber wichtig. "Aufgrund der damaligen Berechnungen können sie nachvollziehen, ob es überhaupt möglich ist, die Pavillons zu erhalten."

Stadträtin fordert städtebauliche Planung

Kathrin Schultze-Berndt (CDU), Bildungsstadträtin in Reinickendorf, forderte die Errichtung von soliden Schulneubauten. "Wir brauchen dringend eine vernünftige städtebauliche Planung. Das kostet Zeit und auch mehr Geld", sagte sie der Berliner Morgenpost. Auf lange Sicht rechne sich das aber. Der Bürgermeister von Steglitz-zehlendorf, Norbert Kopp (CDU), bestätigte am Dienstag die Sperrung von drei Schul-Pavillons. "Jetzt geht es zunächst darum, den Unterricht sicher zu stellen", sagte er.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.