Nach der Sperrung von drei Schulpavillons in Steglitz-Zehlendorf sind nun die Bauämter anderer Bezirke gefragt. Sie untersuchen jetzt, wie viele dieser Pavillons auch in ihren Schulen stehen, und in welchem Zustand sie sich befinden.

Am Mittwochnachmittag haben sich die Hochbauamtsleiter bei ihrem turnusmäßigen Treffen mit ihrem Steglitzer Kollegen ausgetauscht und konnten eine erste Entwarnung geben.

„Die wichtigste Nachricht ist, dass Schüler anderer Schulen, die in mobilen Unterrichtsräumen unterrichtet werden, nicht um Leib und Leben fürchten müssen“, sagte Reinickendorfs Bildungsstadträtin Katrin Schultze–Berndt (CDU) am Mittwoch.

Von 22 Arten dieser Bauten sei nur ein bestimmter Typ betroffen. Die Fachleute seien der Ansicht, dass das Schadensbild keinen Einsturz befürchten lasse. Da die Schwachstellen dieser Pavillons in der Deckenkonstruktion identifiziert wurden, sei es möglich, Bauten gleichen Typs per Sichtprüfung mit einem Statiker zu begutachten. Nun müssten allerdings die Unterlagen durchgeschaut werden, um herauszufinden, an welchen Schulen solche Pavillons stehen. Das könne zwei bis drei Tage dauern.

Baufälligkeit zufällig entdeckt

Wie berichtet, hatte die Bildungsstadträtin von Steglitz-Zehlendorf, Cerstin Richter-Kotowski (CDU), alle Schulämter über die Probleme mit „MUR“-Fertigbauten (mobile Unterrichtsräume) informiert. Ihre Baufälligkeit war eher zufällig zutage getreten, weil die Mühlenau-Schule ihren Pavillon streichen lassen wollte und dieser dann wegen einer abgelaufenen Baugenehmigung erneut überprüft wurde.

Wegen Rissen in der Decke hatte das Bauamt das Gebäude als einsturzgefährdet eingestuft. Der Bezirk hatte dann noch zwei baugleiche Pavillons am Dienstag vorsorglich gesperrt und prüft nun, ob sie saniert werden können.

In den Bezirken hat die Suche nach den Pavillonstandorten begonnen. „Wir wissen noch nicht, wie viele der Pavillons es in unserem Bezirk gibt“, sagte etwa Kristian Schiemann, Leiter des Facility-Managements in Neukölln. Genaueres werde sich erst in den nächsten Tagen sagen lassen.

Schüler in anderen Gebäuden untergekommen

An den drei betroffenen Schulen in Steglitz und Lichterfelde hieß es am Mittwoch zusammenrücken. Die Schüler, die an der Kronach-, der Sachsenwald- und der Mühlenau-Grundschule in den Pavillons unterrichtet wurden, sind erst einmal in den Hauptgebäuden ihrer Einrichtungen untergekommen. Schulleiter Rainer Belusa von der Kronach-Grundschule in Lichterfelde blieb gelassen: „Es ist nun eng im Haupthaus, aber es geht.“ Zwar würden nun Betreuungsräume und die Bücherei wegfallen, aber in ein paar Tagen sei das „zurechtgeruckelt“.

Den Pavillon hätte die Schule seinerzeit nicht wegen Platzmangels beantragt, er sei ihr als zusätzliches Angebot vom Land Berlin zur Verfügung gestellt worden. „Besonders in Ganztagsschulen freut man sich natürlich über jeden zusätzlichen Raum“, sagt Belusa. Er hofft, dass die Pavillons saniert werden können.

Auch Stadträtin Richter-Kotowski will die Bauten noch nicht verloren geben. „Wie schlimm es wirklich ist, wird nun untersucht“, sagte sie und betonte, dass es sich um eine vorsorgliche Sperrung handelt. Es sei kein Kind zu Schaden gekommen.

Sanierungsstau beträgt 400 Millionen Euro

Die Kritikdes Bezirkselternausschusses und auch von Bausenator Andreas Geisel (SPD), dass der Bezirk trotz hoher Rücklagen nicht genug in seine Schulen investiere und einen Sanierungsstau von 400 Millionen Euro vor sich herschiebe, weist die Stadträtin zurück: „Wir investieren genauso in unsere Schulen wie andere Bezirke auch. Doch haben wir 62 öffentliche Schulen und vor allem sehr alte, denkmalgeschützte Bauten.“ Da werde eine Sanierung entsprechend teuer.

Allein 2015 gebe der Bezirk etwa 30 Millionen Euro für Schulsanierungen aus. Berlin hätte zu lange von seiner Substanz gelebt und nun sei es nicht mehr mit kleineren Reparaturen getan. Neue Probleme mit einem Denkmal gibt es schon. Am Lilienthal–Gymnasium in Lichterfelde musste jetzt der Haupteingang gesperrt werden. Einem Lehrer war vor den Ferien aufgefallen, dass die beiden großen Pfeiler über dem Eingangsportal leicht nach vorn kippen. Im Laufe der nächsten zwei Wochen sollen Bau- und Denkmalamt über eine denkmalgerechte Sanierung befinden. Auch das kann teuer werden.