Zehlendorf

Hundeverbot entfacht Schlacht um den Schlachtensee

Am Schlachtensee ist der Kampf zwischen Hundebesitzern und -gegnern voll entbrannt. Grund ist das kürzlich erlassene Hundeverbot. Tausende unterstützen eine Petition.

Foto: Marion Hunger

„Um uns wird es nicht leise bleiben, wenn die Politiker nicht antworten, werden wir auf die Straße gehen“, erklärt Janine Berger. Die Studentin der Veterinärmedizin hat zusammen mit ihrem Bruder Sebastian die Petition „Aufhebung des Hundeverbots am Schlachtensee/Krumme Lanke“ auf der Plattform Avaaz gestartet und hofft das generelle Hundeverbot abzuwenden.

Das Ausführen von Hunden am Schlachtensee und an der Krummen Lanke soll ab Mai 2015 verboten werden. Das wurde vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf auf Anregung der Bezirksstadträtin für Umwelt und Gesundheit, Christa Markl-Vieto (Grüne), beschlossen. Nach dem Willen der Politikerin dürfen Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern dann nur noch an der Nordseite, oberhalb der Seen und nicht mehr am Ufer entlangspazieren. Die neuen Grenzen im Gelände sollen mit Symbolen der Hundeampel gekennzeichnet werden.

Mehr als 2650 Menschen haben bereits bis Mittwochabend für Janine Bergers Petition gestimmt. Unterstützt wird die junge Frau von vielen Hundebesitzern, die Unterschriftenlisten aushängen, Recherchen betreiben und mit dem gemeinsamen Anliegen an die Öffentlichkeit gehen. „Wir wollen See und Natur erhalten“, so Berger. Dass Menschen sich durch die Hunde gestört fühlen, könnte sie einsehen, ein Grund für ein generelles Verbot sei dies jedoch nicht.

SPD-Fraktion gegen Hundeverbot

Norbert Buchta (SPD) versteht die Forderung: „Was soll die alte Frau mit Rollator und Pudel machen oder ein Mensch mit Blindenhund?“, fragt der Fraktionsvorsitzende in der Bezirksverordnetenversammlung. „Die SPD-Fraktion ist gegen ein Hundeverbot am Ufer des Schlachtensees und wünscht sich einen Interessenausgleich zwischen den Parteien und einen Kompromiss“, so Buchta. Er könne sich eine Begrenzung vorstellen: Leinenpflicht im Sommer, freilaufende Hunde im Winter. Oder feste Zeiten für die Leinenpflicht, so wie im New Yorker Central Park. Der See könne außerdem in Schwimmbereiche für Hunde und hundefreie Zonen eingeteilt werden.

Einen Kompromiss wünscht sich auch Janine Berger. „Wir wollen sachlich bleiben und zeigen, dass wir kooperationsbereit sind“, sagt sie. Die Studentin schlägt einen saisonalen Leinenzwang vor, fordert mehr Mülleimer und Kotbeutel. „Der Schmutz, den die Badegäste hinterlassen, ist das eigentliche Problem, das wird durch das Hundeverbot nur verdrängt“, ist sie sicher.

Hunde vertreiben Badende

Für Christa Markl-Vieto ist eine Leinenpflicht keine Alternative. „Die Fäkalien werden trotzdem in den See gespült“, sagt sie. Das Problem der Verschmutzung durch die Menschen sei auch mit mehr Mülleimern nicht zu lösen. „Da brauchen wir ein Umdenken“, fordert Markl-Vieto, „die Leute haben ihr Picknick mitgebracht, dann können sie die Verpackungen auch wieder mitnehmen.“

Die Bezirksstadträtin möchte sich für Familien und Kinder einsetzen, die sich durch Hunde gestört fühlen. „Besonders durch lange Leinen kommt es am Ufer oft zu Konfusionen zwischen anderen Hunden, Joggern und Kindern“, so Markl-Vieto. Dem Schlachtensee und der Krummen Lanke solle es nicht wie dem Grunewaldsee ergehen. Dort hatte laut Bezirk die Zahl der Bakterien durch den Hundekot so stark zugenommen, dass er keine Badestelle mehr sei. „Die Menschen sollen wieder ihr Brötchen auspacken und auf die Decke legen können und nicht von nassen, sich schüttelnden Hunden bespritzt werden.“

Kein radikales Hundeverbot, nur Einschränkung

Die Stadträtin hat selbst einen Hund, mit dem sie gerne spazieren geht. Ob der Spaziergang gleich am Wasser sei oder etwas weiter oben, sei für den Vierbeiner egal, sagt sie. Der neue Beschluss sei auch kein radikales Hundeverbot, sondern nur eine Einschränkung. Das große Hundeauslaufgebiet am See stehe den Tieren weiterhin zur Verfügung. Neben vielen wütenden Anrufen von Gegnern der neuen Regelung erhalte sie auch viele positive Rückmeldungen, erzählt Markl-Vieto. Eine große Anzahl von Menschen würde sich über den Beschluss freuen und plane, im Sommer endlich wieder an den See zu gehen.

Das nächste Ziel der Petitionsstarterin Janine Berger ist eine Diskussionsrunde mit den Grünen. Die Hundebesitzer müssen sich jedoch noch bis Ende März gedulden, dann will Markl-Vieto eine Infoveranstaltung organisieren.