Der neue Fahrplan für den Bahnverkehr in der Region Berlin/Brandenburung ist noch nicht in Kraft – und stößt schon auf Kritik. Der Berliner Fahrgastverband Igeb fordert Verbesserungen vor allem für die Fahrgäste im Berliner Südwesten.

Hintergrund ist die Einführung einer neuen Linie im Bahn-Regionalverkehr. Unter dem Namen RB19 führt sie vom 15. Dezember 2013 an von Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) über den Flughafen Schönefeld und den Potsdamer Platz zum Berliner Hauptbahnhof und weiter zum Bahnhof Gesundbrunnen.

Zwischen Senftenberg und Schönefeld ersetzt sie die Züge der Linie RB14. Von Gesundbrunnen bis zum Flughafen fährt sie zusätzlich zu den bestehenden Bahnanbindungen.

Halt in Lichterfelde Ost wäre machbar

Der Fahrgastverband begrüßt das neue Angebot zwar grundsätzlich. „Unverständlich ist jedoch, dass die Züge den von zahlreichen Buslinien aus dem Berliner Südwesten angefahrenen Regional- und S-Bahnhof Lichterfelde Ost ohne Halt durchfahren“, sagte Igeb-Chef Christfried Tschepe.

„Damit wird den Bewohnern dieser Region eine schnelle attraktive Direktverbindung zum Flughafen sowie in den Spreewald und die Niederlausitz verwehrt.“

Der Verzicht auf den Halt in Lichterfelde Ost sei auch deshalb nicht nachvollziehbar, weil die Züge der drei „höherklassigen“ Regionalexpress-Linien RE3 (Stralsund/Schwedt–Elsterwerda), RE4 (Rathenow–Jüterbog) und RE5 (Rostock/Stralsund-Wittenberg/Falkenberg) dort halten, die RB19 aber ohne Zwischenstopp durchfahren soll. „Fahrplantechnisch wäre ein Halt in Lichterfelde Ost mit nur unwesentlichen Anpassungen problemlos möglich“, sagte Tschepe.

Der Verkehrsverbund VBB und die Länder Berlin und Brandenburg verweisen hingegen auf die Vorteile des neuen Fahrplans. Berlins Verkehrssenator Michael Müller (SPD) betonte: „Wir haben ab Dezember neue schnelle Verbindungen aus der City, zum Beispiel dem Potsdamer Platz, zum Flughafen Schönefeld ohne dass man umsteigen muss.“ Auch auf zahlreichen anderen Strecken gebe es merkbare Verbesserungen.

RE 6 wird wieder bis Gesundbrunnen verlängert

Die wichtigste Nachricht für Fahrgäste im Berliner Nordwesten lautet: Die Regionalexpress-Linie 6 wird vom Fahrplanwechsel an in den Hauptverkehrszeiten wieder über Jungfernheide bis zum Bahnhof Gesundbrunnen verlängert. Aus dem Havelland und Spandau gibt es damit eine direkte Anbindung an die Ringlinien sowie die Nord-Süd-Linien der Berliner S-Bahn. Vor allem Spandauer Verkehrspolitiker und Fahrgastvereine hatten sich für dieses Angebot stark gemacht.

Aber auch die Pendler aus dem Umland profitieren erheblich. „Wer täglich nach Berlin zur Arbeit fährt, freut sich über jede Erleichterung bei der Anreise“, sagte Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD). „Zwischen Falkensee und Gesundbrunnen gibt es ab Dezember wieder Direktverbindungen und zwischen Nauen und Spandau nahezu einen Halbstunden-Takt.“ Auch für die Bahnlinien an die Ostsee verspricht die Deutsche Bahn ein Ende der jahrelangen Einschränkungen.

Bis zu 33 Minuten schneller nach Rostock

Der Ausbau der Strecke Berlin–Rostock ist weitgehend abgeschlossen. Von Juni 2014 an soll die Trasse nach weiteren Testfahrten für Spitzengeschwindigkeiten bis 160 Kilometer pro Stunde und für schwere Güterzüge zugelassen sein. Bereits zum Fahrplanwechsel in diesem Dezember soll es aber erkennbare Verbesserungen geben. Mit RE-Zügen sind die Reisenden auf der Strecke zwischen Berlin und Rostock etwa fünf Minuten schneller als bisher unterwegs. Im Fernverkehr beträgt der Zeitgewinn bei einer Fahrzeit von dann zwei Stunden und elf Minuten sogar bis zu 33 Minuten.