Der Verdruss vieler U-Bahn-Fahrgäste hat ein Ende. Nach einer fast eineinhalbjährigen Unterbrechung in Mitte fährt die U-Bahn-Linie 6 wieder durchgängig zwischen Alt-Tegel und Alt-Mariendorf fahren.

Der erste Zug fuhr um 6.55 Uhr an der Station Hallesches Ufer ab und passierte gegen 7 Uhr den neu gebauten Abschnitt zwischen Französischer Straße und Friedrichstraße.

Eine große Premierenfeier hatte die BVG mit Rücksicht auf den Volkstrauertag nicht vorgesehen. Allerdings verteilten Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe am Sonntag und am Montagvormittag als Dank für die lange Geduld kleine Schokoherzen an die Fahrgäste.

„Endlich brauche ich keine 45 Minuten mehr bis zur Uni, sondern nur noch 15“, sagt Sinem Sabanuc, die sich freut, wieder etwas länger schlafen zu können. Auch Eva Maria Bas Sanzho ist heilfroh, dass der Pendelverkehr ein Ende hat: „Das ist die beste Nord-Süd-Verbindung. Viele Freunde wohnen in Wedding, ich in Neukölln – da hat die Baustelle schon sehr genervt.“

Verkehr seit Juni 2012 unterbrochen

Der Zugverkehr auf der von Fahrgästen stark genutzten U6 war seit Ende Juni 2012 in der Innenstadt unterbrochen, weil unter der Kreuzung Friedrichstraße und Unter den Linden ein neuer Umsteigebahnhof mit der verlängerten U5 errichtet wird. Für die Linie wird derzeit eine Tunnelröhre vom Roten Rathaus zum Pariser Platz gebohrt.

Um Platz für die nötige Baugrube unter der Kreuzung zu schaffen, musste der alte U6-Tunnel unter der Friedrichstraße auf 140 Metern Länge zunächst komplett abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. 13.500 Kubikmeter Beton und mehr als 3000 Tonnen Stahl wurden dafür in den vergangenen Monaten verbaut. 1200 Tonnen Schotter mussten in den Schacht befördert werden, um die neuen Gleise zu verlegen.

An den zwischenzeitlichen Endstationen Friedrichstraße und Französische Straße musste die BVG Weichensysteme und Steuerungsanlagen neu bauen, um die Züge wenden zu können. Die gesamte Technik für die Bauphase musste in den vergangenen Wochen entfernt werden, damit der Zugverkehr ab Sonntagmorgen wieder planmäßig rollen konnte.

Der Abbau der Provisorien sorgte in den vergangenen zwei Monaten für zusätzlichen Ärger bei den Fahrgästen. Zwischen den Stationen Hallesches Tor und Französische Straße im Süden sowie zwischen Friedrich- und Schwartzkopffstraße im Norden fuhren seit Mitte September nur noch Pendelzüge.

Vor allem am Bahnhof Hallesches Tor wurde es im morgendlichen Berufsverkehr oft eng auf dem vergleichsweise schmalen Bahnsteig. Die Pendelzüge konnten technisch bedingt nur alle zwölf Minuten fahren, die regulären U-Bahnen waren aber weiter im Sechs-Minuten-Takt unterwegs. Folglich mussten sich regelmäßig die Fahrgäste zweier U-Bahnen in einen Pendelzug quetschen – und waren entsprechend erleichtert, dass Sperrung und Pendelverkehr nun Geschichte sind.

2014 droht der nächste Pendelverkehr

Gebaut wird im Untergrund allerdings weiter. Voraussichtlich im zweiten Quartal kommenden Jahres wird die Zugsicherungsanlage für den künftigen Kreuzungsbahnhof installiert und angeschlossen. Mindestens zwei Wochen lang wird es dann noch einmal Pendelverkehr auf der U6 geben. Der neue Bahnhof Unter den Linden soll bis 2017 im Innern ausgebaut werden und wird auf der U6-Ebene zwei Außenbahnsteige haben. Die beiden Plattformen sollen nach den Planungen der BVG bei laufendem Betrieb gebaut werden.

Bei der in vier Jahren geplanten Eröffnung der neuen Station wird gleichzeitig der nur wenige Meter entfernte Bahnhof Französische Straße geschlossen. Weil er unter Denkmalschutz steht, ist ein Abriss nicht geplant. Diskutiert wird derzeit über eine Nachnutzung, möglicherweise als Ort für Ausstellungen. Laut BVG gab es bereits Anfragen von potentiellen Nutzern.

Jetzt wird die S-Bahn gesperrt

Die pünktliche Wiederaufnahme des Zugverkehrs auf der U6 ist auch deshalb von großer Bedeutung, weil die Deutsche Bahn bereits am 22. November den fast parallel liegenden Nord-Süd-Tunnel für die S-Bahnlinien S1 (Oranienburg-Potsdam), S2 (Bernau-Blankenfelde) und S25 (Hennigsdorf-Teltow Stadt) sperren wird, um Gleise und Weichen zu erneuern.

Voraussichtlich bis zum 8. Dezember werden zwischen Nordbahnhof (Mitte) und Anhalter Bahnhof (Kreuzberg) auf 7,5 Kilometer Länge die Schienen ausgetauscht. Während dieser Zeit ist der Zugverkehr in diesem Bereich unterbrochen. Nach S-Bahn-Angaben betrifft dies etwa 80.000 Fahrgäste am Tag. In Spitzenzeiten könnten es auch deutlich mehr sein.

Während der Sperrung wird die S-Bahn keinen eigenen Ersatzverkehr anbieten. Sie verweist die Fahrgäste stattdessen auf eine zeitraubende Umfahrung über den Ring oder die Nutzung der teilweise parallel verlaufenden U-Bahn-U8 (Umsteigen in Gesundbrunnen mög Linien lich) und U6.