Immer wieder werden bei Bauarbeiten in Berlin Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, die als Blindgänger nie ihre Zerstörungskraft entfaltet haben. Jetzt mal wieder in Spandau, wo am Freitag (19.9.) in der Neuendorfer Straße eine 100-Kilogramm-Fliegerbombe entschärft werden soll. Laut der Berliner Polizei soll zu diesem Zweck ein Sperrkreis von 500 Metern eingerichtet werden. Davon sind mehrere Einrichtungen betroffen.
Der Sprengkörper aus russischer Herstellung wurde am Mittwochmorgen bei Bauarbeiten in Hakenfelde entdeckt. Eine unmittelbare Gefahr gehe nicht von ihm aus. „Der Fundort der Bombe ist derzeit abgesperrt und wird von Einsatzkräften der Polizei rund um die Uhr bewacht“, heißt es in einer Mitteilung der Polizei.
Bombenentschärfung: Wo die Notunterkünfte für die evakuierten Anwohner liegen
Insgesamt seien bis zu 12.400 Menschen von den Evakuierungsmaßnahmen betroffen. Ab 7 Uhr haben sie die Möglichkeit, sich in folgende Notunterkünfte zu begeben:
- Turnhalle Kant-Gymnasium, Bismarckstraße 54, 14199 Berlin
- Bei zusätzlichem Bedarf: Turnhalle Birkengrundschule, Hügelschanze 8, 13585 Berlin
Die Polizei weist darauf hin, dass folgende Rufnummern des Bezirksamts Spandau zur Verfügung stehen, wenn betroffene Anwohnende die Wohnung nicht alleine verlassen oder die Notunterkunft ohne fremde nicht aufsuchen können:
- 030 90279-2891
- 030/90279-2892 oder
- 01520 927 1234 (auch SMS, keine Messenger)
Vivantes-Klinikum Spandau: Rettungsstelle für einige Stunden nicht erreichbar
Im Sperrkreis befindet sich das Vivantes-Klinikum Spandau. Ein Krankenhaus-Sprecher gibt jedoch Entwarnung. „Wir befinden uns zwar im Sperrkreis, sind aber nicht gefährdet, wenn die Bombe im unwahrscheinlichen Fall explodieren sollte“, erklärt Sprecher Christoph Lang. Zwischen dem Klinikum und der Fundstelle befänden sich Gebäude. „Patienten müssen nicht evakuiert werden.“
Allerdings: „Wir sind indirekt betroffen von Straßensperrungen“, so Lang weiter. Das habe zur Folge, dass die zentrale Notaufnahme bei der Leitstelle für ein paar Stunden abgemeldet wird – bis die Polizei Entwarnung gibt. Wie lange genau und wie viele Patienten betroffen sind, lässt sich nicht sagen. Die Rettungsfahrzeuge würden in diesem Zeitraum andere Krankenhäuser anfahren.
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Ambulante Termine müssten verschoben werden. Patientinnen und Patienten, die etwa für ein Vorgespräch für eine Operation oder eine Behandlung in das Klinikum kommen sollten, werden benachrichtigt, so Lang. Zudem: „Patienten werden am Vormittag nicht von ihren Angehörigen Besuch empfangen können“, sagt der Vivantes-Sprecher und spricht insgesamt von „marginalen Einschränkungen“. Man stehe im laufenden Kontakt mit der Polizei.
Bombenentschärfung: Diese weiteren Einrichtungen befinden sich im Sperrkreis
Weiterhin liegt die Pflegeeinrichtung Katharinenhof am Uferpalais im Sperrkreis, deren Betrieb allerdings nicht gefährdet ist, wie die Polizei mitteilt. Während der Entschärfung sei es jedoch untersagt, das Haus zu betreten oder zu verlassen.
Ebenfalls betroffen sind die Lynar-Grundschule, die Kindertagesstätte Oscar e.V., die AWO Kita Wundertüte sowie die Unterkunft für Schutzsuchende in der Kurstraße.
Der Kampfmittelräumdienst muss regelmäßig ausrücken, um sich um die explosiven Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs zu kümmern. Erst im Mai wurde in Teltow eine Bombe entschärft. Von den Evakuierungsmaßnahmen waren damals rund 1850 Anwohnende aus der brandenburgischen Stadt sowie 3800 Personen aus dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf betroffen. Im Berliner Teil waren zahlreiche Pflege- und Seniorenheime betroffen. In den Notunterkünften mussten ältere Personen teils im Krankenbett ärztlich versorgt werden.
Im vergangenen Jahr wurde in der Nähe des Tesla-Werks in Grünheide eine Weltkriegsbombe geborgen. Auswirkungen auf die Produktion habe es laut dem Unternehmen aber nicht gegeben.
Bomben in Berlin: Noch tausende Blindgänger im Berliner Boden
Im Zweiten Weltkrieg wurden laut Experten bis zu zwei Millionen Tonnen Sprengmasse über Berlin abgeworfen. Die Quote an Blindgängern wird zwischen fünf und 20 Prozent geschätzt. Es wird davon ausgegangen, dass in Berlins Boden noch mehr als 4000 Weltkriegsbomben liegen, die nicht gezündet haben.
Die Gründe dafür sehen Experten unter anderem in der Massenproduktion. Je mehr Bomben gebaut, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich darunter nicht funktionale Sprengkörper befinden. Gleichzeitig sollen die Witterungen während der Flüge zwischen Großbritannien und Berlin dafür gesorgt haben, dass Zünder teilweise eingefroren waren.
Die Blindgänger im Berliner Boden werden nach dem Entfernen der Zünder auf den Sprengplatz der Berliner Polizei im Grunewald gebracht. Dort wird der verbliebende Sprengstoff vernichtet. Die Sprengungen finden lediglich im Frühjahr und Herbst statt, da der Boden im Winter zu hart und die Waldbrandgefahr im Sommer zu hoch ist.
Wie hoch, hat der Großbrand auf dem Sprengplatz im Sommer 2022 gezeigt. Am 4. August kam es dort zu unkontrollierten Explosionen, in deren Folge etwa 42 Hektar des umliegenden Grunewalds in Brand gerieten.






