Feuer im Grunewald

Auf dem Sprengplatz Grunewald lagern tonnenweise Kampfmittel

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Am Donnerstag gab es auf dem Sprengplatz Grunewald mehrere Explosionen. Dort lagert die Polizei tonnenweise Sprengstoff.

Berlin.  Handgranaten, Bomben und haufenweise kaum erkennbare, rostige Überbleibsel todbringender Waffen: Kaum ein Ort in Berlin beweist, wie real die Grauen des Krieges auch hier einmal waren, wie der Sprengplatz der Berliner Polizei im Grunewald. Auch 77 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs müssen die Polizeifeuerwerker des Kampfmittelräumdienstes regelmäßig ausrücken, um Sprengkörper unschädlich zu machen und einzusammeln – rund 900 Mal im Jahr. Auch interessant: Feuer im Grunewald - Bundeswehr hilft mit Panzern im Kampf gegen die Flammen. Alle Infos im Liveblog.

Nachdem die Zünder aus den Granaten und Bomben entfernt werden, können sie zwar von sich aus nicht mehr gefährlich werden. Was jedoch bleibt, ist der Sprengstoff. Er wird regelmäßig auf dem Sprengplatz vernichtet. Auf der acht Hektar großen Polizeiliegenschaft, die versteckt im Wald zwischen Havel und der Avus liegt, steht dafür ein 70 mal 70 Meter großes Feld zur Verfügung, das ein wenig einem Amphitheater ähnelt.

Dort wird die Munition in Reihen aufgeschichtet, mit entsprechenden Zündvorrichtungen versehen und gesprengt. Den Anfang machen die Granaten. „Man fängt immer klein an und sprengt sich in die Erde hinein“, sagte der Leiter der Dienststelle, Dietmar Püpke, im vergangenen Jahr der Berliner Morgenpost. In den dadurch entstehenden Kratern würden dann die schweren Geschütze, also 250 und 500 Kilogramm schwere Fliegerbomben, vernichtet.

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Bomben und Granaten können nur im Frühjahr und Herbst gesprengt werden

Im Winter ist der Boden dafür allerdings zu hart. Im Sommer verbietet die Waldbrandgefahr die Sprengungen. Daher werden sie turnusmäßig im Frühjahr und Herbst durchgeführt. Währenddessen wird der entsprechende Bereich des Grunewalds zum Sperrgebiet erklärt und auch auf der Avus dürfen keine Autos mehr fahren.

Bis zum nächsten Sprengtermin lagert der Sprengstoff auf dem Gelände. Die gefährlicheren Dinge werden entsprechend gesichert, kleinere, wie Granaten, liegt jedoch meist auf großen Haufen im Freien – in Erdkuhlen, teils unter Wellblechdächern. Ob das jetzt zum Verhängnis geworden ist, ist unklar.

Kurz nach den Explosionen am Donnerstag begann die Diskussion darum, ob eine solche Anlage mitten im Wald nicht zu gefährlich ist. Polizeisprecher Thilo Cablitz verwies jedoch darauf, dass es kaum Alternativen gebe. Man habe immer mal nach alternativen Standorten für den 1950 eingerichteten Sprengplatz gesucht. „Es gibt aber keine Fläche, die entsprechend groß und auch genehmigungsfähig ist.“ Das Ausweichen nach Brandenburg würde an den dort fehlenden Platzkapazitäten und den langen Anfahrtswegen scheitern.

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Laut Hochrechnungen noch zwischen 4000 und 4600 unentdeckte Weltkriegsbomben

Wie groß der materielle Schaden auf dem Sprengplatz ist und wann er wieder in Betrieb gehen kann, war am Donnerstag unklar. Klar ist jedoch, dass Berlin eine solche Einrichtung vermutlich noch über Jahrzehnte brauchen wird. Denn von den rund 1,4 Tonnen Sprengmasse, die vor allem amerikanische und britische Fliegerbomben zwischen 1942 und 1945 über der Hauptstadt des Deutschen Reiches abwarfen, explodierten nach Schätzungen 20 Prozent nicht.

Einiges wurde bereits vor oder unmittelbar nach Kriegsende unschädlich gemacht. Viel verschwand jedoch unter den Trümmern und liegt heute acht bis zehn Metern Tiefe in der Erde. Allein bei den großen Fliegerbomben wird in Hochrechnung von 4000 bis 4600 bislang unentdeckten Sprengsätzen ausgegangen. Der Kampfmittelräumdienst der Polizei entschärft davon im Jahr durchschnittlich acht Stück.