Ganz so spektakulär wie beim großen Lenin-Kopf aus Friedrichshain werde die Ankunft in diesem Jahr nicht, entschuldigt sich Urte Evert, Leiterin der Zitadelle Spandau. Denn die überlebensgroßen Bronzeskulpturen „Schreitende Pferde“ des NS-Bildhauers Josef Thorak (1889-1952) würden ja auch gut verpackt geliefert, begründet die Historikerin. Aber nun, nach über einem Jahr Verspätung aufgrund bürokratischer und terminlicher Probleme, wisse man immerhin endlich, wann genau: Am 14. Oktober sollen die drei Meter großen und drei Meter langen „Thorak-Pferde“ nach Berlin zurückkehren. Geschaffen worden sind sie in den späten 1930er Jahren von Josef Thorak, einem der meistbeschäftigten Bildhauer des NS-Regimes und einem der Lieblingskünstler Adolf Hitlers.

Damals standen sie noch vor dem Arbeitszimmer des Diktators in der Neuen Reichskanzlei. Nun, knapp 80 Jahre später, wird die Zitadelle zu ihrer neuen Heimat. „Aber historisch eingeordnet und kommentiert im Rahmen unserer erfolgreichen Dauerausstellung“, stellt Evert klar. Bereits seit 2016 zeigt die Ausstellung „Enthüllt“ problematische Denkmäler, die aus dem öffentlichen Raum Berlins entfernt wurden, und beschäftigt sich mit dem Umgang und der Rezeption dieses künstlerischen Erbes verschiedenster Epochen. Hitlers Bronzepferde sollen nun zu einem neuen Highlight der Schau werden.

Hitlers Bronze-Pferde: Ab November in der Zitadelle Spandau

Hierfür wurde extra ein neuer Ausstellungsraum in der Bastion Königin, der vorher als Depot, Werkstatt und Lager für Grabsteine diente, vorbereitet. Was allein schon die schiere Größe der Kunstwerke nötig machte. Allerdings wird dort nur eines der beiden Pferde im Rahmen von Sonderführungen zu sehen sein. Das andere wird in den bereits bestehenden Bereich für NS-Kunst verbracht und somit erstmals seit Jahrzehnten von seinem „Bruder“ getrennt.

Während mit einem offiziellen Festakt zur Rückkehr der Bronzeskulpturen erst im Januar gerechnet wird, ist Evert optimistisch, dass Besucherinnen und Besucher der Zitadelle die „Thorak-Pferde“ bereits ab November dieses Jahres nach den dafür nötigen Aufbauarbeiten erstmals besichtigen können.

„Thorak-Pferde“ waren im Besitz eines Sammlers von Nazi-Kunst

Vorangegangen war ein zäher Rechtsstreit um die Propagandawerke. Nachdem die Pferde nach dem Zweiten Weltkrieg in sowjetischen Besitz gelangt waren, nach der Wiedervereinigung auf einem Parkplatz in Eberswalde auftauchten und danach lange als verschollen galten, waren sie 2015 im Rahmen einer Razzia wegen des Verdachts der Hehlerei in Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) unter rund 100 Tonnen von NS-Kunst wiederentdeckt worden. Vor dem Landgericht Frankenthal einigte sich die Bundesrepublik Deutschland im Juli 2021 außergerichtlich in einem Vergleich mit dem angeklagten Unternehmer, der die gefundenen Werke nach eigenen Aussagen rechtmäßig erworben haben will.

Die Bundesrepublik hatte die Herausgabe der Bronzepferde und weiterer Bronzeskulpturen verlangt und dies damit begründet, dass diese durch den Einigungsvertrag ihr Eigentum geworden seien. Im Vergleich verpflichtete sich der Angeklagte dazu, die „Thorak-Pferde“ an die Bundesrepublik auszuhändigen, während er dafür in Besitz eines Großteils der restlichen Werke bleiben durfte.

Zitadelle Spandau: Weitere umstrittene Werke von Arno Breker und Arminius Hasemann

In Spandau soll das Pferd in der „Schaubastion“ derweil schon bald weitere Gesellschaft bekommen. Nach einer Einigung mit dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf soll es gemeinsam mit den Skulpturen des gefeierten NS-Bildhauers und „Germania“-Mitwirkenden Arno Breker (1900-1991) gezeigt werden, die 2020 bei Bauarbeiten im Garten des Kunsthauses Dahlem entdeckt worden waren. Und einer weiteren umstrittenen Statue: Dem Kopf der als rassistisch kritisierten Skulptur „Hockende Negerin“ des NSDAP-Parteimitglieds Arminius Hasemann (1888-1979). Dieser wurde 2020 mutmaßlich im Rahmen der „Black Lives Matter“-Bewegung von Unbekannten abgeschlagen.