Vandalismus

Kopf von „Negerin“-Skulptur in Zehlendorf abgeschlagen

Vermummte haben der Büste „Negerin“ den Kopf mit Baseball-Schlägern abgeschlagen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

An der Stelle, an der der Kopf fehlt, ist der Sandstein noch ganz weiß.

An der Stelle, an der der Kopf fehlt, ist der Sandstein noch ganz weiß.

Foto: Katrin Lange

Im Fall der zerstörten Skulptur mit dem Werktitel „Negerin“ in der Zehlendorfer Leuchtenburgstraße hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Das bestätigte ein Polizeisprecher am Freitagnachmittag auf Anfrage der Morgenpost. Zunächst habe der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt, da ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden konnte, sagte der Sprecher. Zur weiteren Entscheidung liege der Fall aber jetzt bei der Staatsanwaltschaft.

In der Nacht zu Mittwoch wurde der Skulptur, die ein afrikanische Frau darstellt, der Kopf abgeschlagen. Eine Anwohnerin berichtete, dass sie zwei vermummte Täter mit Baseballschlägern beobachtet habe. Die Sandstein-Skulptur und der Sockel wurden außerdem mit blauer Farbe beschmiert. Die Skulptur steht auf dem Grünstreifen vor dem Haus Nummer 35. Auf dem Sockel sind der Name des Bildhauers Arminius Hasemann (1888 bis 1979) und der Titel „Negerin“ eingemeißelt. Etwa 1920 soll die Arbeit entstanden sein.

Zerstörte Skulptur in Zehlendorf: Bildhauer wohnte in der Leuchtenburgstraße

Am nächsten Morgen lag der Kopf neben dem Torso. Im Laufe des Tages war er jedoch verschwunden. Wo der Kopf sein könnte und wer ihn mitgenommen hat, ist derzeit noch unklar. Die Skulptur stand bis zu Hasemanns Tod und noch einige Jahre danach auf seinem Grundstück in der Leuchtenburgstraße 18. Seit 1985 ist sie am jetzigen Ort zu sehen. In den vergangenen Jahren verkam das Haus des Bildhauers zusehends. Es wurde geplündert und schließlich abgerissen. Das Grab des Bildhauers auf dem Friedhof Zehlendorf ist eingeebnet.

Bezirk hatte beschlossen, das Kunstwerk zu entfernen

Die Bezirksverordnetenversammlung von Steglitz-Zehlendorf hatte im Januar 2020 auf Antrag der Grünen beschlossen, die „rassistische Figur ‘Negerin’ aus dem Straßenland zu entfernen“. Carsten Berger, kulturpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, sagte zu der Figur, sie sei „stark geeignet, rassistische Stereotypen zu transportieren“.

Die schwarze Frau sei „nackt, affenartig und einfältig“ dargestellt. Der Bildhauer Arminius Hasemann sei zudem ab 1932 als „Kulturwart“ der NSDAP für die Zehlendorfer Künstler zuständig gewesen und habe direkt nach dem Krieg Anklang und bezahlte Beschäftigung beim DDR-Regime gefunden.

Weder Skulptur noch die künstlerische Vita seien derart herausragend, dass sie eine Ausstellung und Würdigung in dieser Weise rechtfertigen würden, begründeten die Grünen ihren Antrag.

Torso soll nach Spandau gebracht werden

Bis heute wurde der Beschluss vom Januar, die Skulptur zu entfernen, nicht umgesetzt. Auf Anfrage bei dem zuständigen Bezirksstadtrat Frank Mückisch (CDU) heißt es, dass die Transportfrage noch geklärt werden müsse. „Die Skulptur beziehungsweise nun der Torso wird auf die Zitadelle Spandau gebracht“, sagte Mückisch. Dort werde das Werk in der Ausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ zu sehen sein. Zur Not auch ohne Kopf. Denn dem Fachbereich Kultur ist der Verbleib des Kopfes auch nicht bekannt.

Anwohner haben nichts gegen die Skulptur

Ist es Kunst? Rassismus? Muss jetzt jede Büste überprüft werden? So kontrovers wurde das Thema am nächsten Tag in den sozialen Medien diskutiert. „Diesen ikonoklastisch-vandalistischen Akt kann ich nur verurteilen, unabhängig von der ästhetischen Rezeption dieser Skulptur“, schrieb ein Leser der Berliner Morgenpost. Anwohner sagten für Ort wiederholt, dass sie nichts gegen das Kunstwerk einzuwenden hätten. Schließlich habe der Bildhauer einmal in der Straße gelebt, so die häufigste Argumentation. Doch der Möglichkeit, dass die Skulptur doch noch in der Leuchtenburgstraße stehen bleiben könnte, erteilte der Stadtrat eine Absage. „Die Überführung nach Spandau steht fest“, erklärte Frank Mükisch.