Stau in Spandau

So sollen Spandaus Verkehrsprobleme gelöst werden

Spandaus Süden wächst, und auch im Umland wird gebaut. Straßen sind zunehmend überlastet. Eine Initiative will nun selbst Druck machen.

Reinhard Große Sudhoff (v.l.), Thomas Liedtke, Wolfgang Lohrer, Wolf-Dieter Asmus und Dieter Müller-Späth engagieren sich in der Initiative.

Reinhard Große Sudhoff (v.l.), Thomas Liedtke, Wolfgang Lohrer, Wolf-Dieter Asmus und Dieter Müller-Späth engagieren sich in der Initiative.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Spandau. Wolf-Dieter Asmus hat inzwischen eine Taktik entwickelt, wenn er morgens zu Terminen in Richtung Berliner Zentrum muss. „Ich rechne bei der Fahrtzeit immer eine halbe Stunde drauf“, sagt der Gatower. Denn eines hat er mit den Jahren gelernt: Im Berufsverkehr sind Staus auf der Gatower Straße Alltag. Das bestätigt auch Reinhard Große-Sudhoff, der ebenfalls in Gatow lebt und in der Innenstadt arbeitet.

Zwischen sieben und neun Uhr lasse sich nur schwer kalkulieren, wie lange man für den Weg brauche, sagt er. „Dann ist die Gatower Straße voll, und auf die Heerstraße kann man auch nicht abbiegen“, sagt er. „Bis der durchgehende Verkehr die Kreuzung geräumt hat, ist die halbe Ampelphase schon wieder vorbei.“ Die Folge: Der Stau wächst.

„Der Süden ist schon eines unserer Sorgenkinder“, sagt auch Spandaus Verkehrsstadtrat Frank Bewig (CDU). „Wir haben nur zwei Zufahrtswege, und wenn an einer Stelle etwas passiert, haben wir gleich ein Problem.“ Wer aus Gatow, Kladow und den Brandenburger Nachbargemeinden ins Berliner Zentrum fahren will, kann zwei Straßen nutzen: die Potsdamer Chaussee und den Kladower Damm, der im Verlauf zur Gatower Straße wird.

Desaströser Zustand der Straßen im Spandauer Süden

Beide Straßen sind zweispurig, Fahrradwege sind nur zum Teil vorhanden. Den Zustand der großen Straßen im Süden beschreibt Bewig als „desaströs“. Öffentlich angebunden ist der Spandauer Süden nur durch Busse. Doch die Region wächst: In Kladow leben heute mehr als 16.000 Menschen, rund 2000 mehr als noch vor sieben Jahren. Hinzu kommen rund 4000 Gatower. In beiden Spandauer Ortsteilen sind weitere Wohnungsprojekte geplant oder werden bereits umgesetzt. Laut Bezirksamt entstehen insgesamt rund 350 Häuser und Wohnungen.

Entscheidend ist aber vor allem, was außerhalb der Berliner Landesgrenze passiert: Auf einem Kasernengelände im zu Potsdam gehörenden Krampnitz sollen künftig bis zu 10.000 Menschen leben. Kladow und Krampnitz trennen nur gut fünf Kilometer. Und anzunehmen ist, dass nicht alle zukünftigen Einwohner in Potsdam arbeiten werden.

Der Wohnungsbau in Krampnitz könnte für den Verkehr im Spandauer Süden deshalb „hochproblematisch“ werden, meint Bezirksstadtrat Bewig. „Wir sehen, dass der Verkehr massiv steigen wird.“ Stefan Tidow, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Verkehr, erklärte kürzlich auf Anfrage vom Abgeordneten Andreas Otto (Grüne), dass mit bis zu 2200 Fahrzeugen pro Tag zu rechnen sei, die aus Krampnitz in Richtung Berlin fahren.

Viele Ideen für die Lösung der Verkehrsprobleme

Entwickelt wurden daher schon verschiedene Ideen, wie man den Verkehr entspannen kann. Die Spandauer CDU schlug eine neue Brücke über die Havel, auf eigener Trasse fahrende Schnellbusse und eine Verlängerung der U-Bahn­linie 7 in den Süden vor. Die U7-Verlängerung forderte auch die Spandauer SPD, und die FDP-Fraktion brachte zu dem Thema einen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung ein.

In Gatow und Kladow selbst hat sich im vergangenen Jahr die „Initiative Verkehr Spandau-Süd“ gegründet, die sich ebenfalls für eine Verbesserung der Situation auf den Straßen einsetzen will. Zu ihr gehören auch die beiden Gatower Asmus und Große-Sudhoff. Sie können einige Knackpunkte nennen, an denen es sich regelmäßig staut. Und auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Initiative nicht zufrieden.

„Der Bus X34 ist ab sieben Uhr bei mir oft schon so voll, dass es nur noch Stehplätze gibt“, erzählt Große-Sudhoff. „Die Kapazitäten reichen nicht aus.“ Hinzu komme, dass Busse immer wieder ausfallen oder aufgrund von Verspätungen bereits vor der Endhaltestelle wenden. Die BVG nennt als Gründe Baustellen, den Krankenstand der Fahrer und eine nicht ausreichend hohe Reserve bei den Bussen.

Studie soll Kosten und Nutzen von U7-Verlängerung prüfen

Die Senatsverkehrsverwaltung beurteilt die Situation im Spandauer Süden weniger dramatisch und betont, dass es bereits Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr gegeben hat – zuletzt seien im Dezember 2018 die Fahrtzeiten des Expressbusses X34 in den Abend ausgeweitet worden. Im Entwurf des Nahverkehrsplans ist vorgesehen, den Takt von Bussen, die zurzeit alle 20 Minuten fahren, auf einen Zehn-Minuten-Rhythmus zu erhöhen.

„Hiervon sollen mittelfristig auch Kladow und Gatow profitieren“, sagt Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung. Von einer Verlängerung der U-Bahn bis Kladow ist keine Rede.

Zumindest soll aber eine Machbarkeitsstudie Kosten und Nutzen von einer Verlängerung der U7 bis zur Heerstraße aufschlüsseln. „Durch die Verknüpfung mit dem Bus würde sich auch die Fahrtzeit von Kladow und Gatow zum Spandauer Zentrum oder anderen Zielen im weiteren Verlauf der U7 verkürzen“, sagt Thomsen. Allerdings: „Ein Zeithorizont für den Bau der Strecke kann derzeit noch nicht genannt werden.“

Initiative will Druck machen

Um auf den Verkehr, der aus dem Umland kommt, zu reagieren, habe es laut Thomsen Gespräche über Anpassungen an der Potsdamer Chaussee gegeben – und zwar bereits 2017. Auch hier teilt er mit: „Konkrete Zeitpläne für die Realisierungen liegen uns derzeit allerdings nicht vor, da die Voruntersuchungen hierzu noch laufen.“

Die Initiative will in den kommenden Monaten auf verschiedenen Ebenen Druck machen. „Wir wollen im Bezirksamt Gespräche mit verschiedenen Fachbereichen führen“, sagt Wolfgang Lohrer von der Initiative. Außerdem wolle man bei künftigen Planungen für notwendige Bauarbeiten mitreden und Kontakt zur Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Regine Günther (parteilos für Grüne), aufnehmen.

Auch der Bezirk werde sich in die weiteren Planungen auf Landesebene einbringen, kündigt Stadtrat Bewig an. Hoffnung darauf, dass sich im öffentlichen Nahverkehr bald etwas tut, hat er dagegen kaum. Bewig befürchtet: „Den Spandauer Süden hat keiner auf dem Schirm.“

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