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Spandauer Protest gegen marode Schulen im Bezirk

Eltern, Schüler und Lehrer demonstrieren gemeinsam für neue Schulgebäude und mehr Lehrpersonal, um den Schulalltag zu verbessern.

Fiona (v.l.), Kimmy, Sophie und Alexander fordern bessere Schulbedingungen.

Fiona (v.l.), Kimmy, Sophie und Alexander fordern bessere Schulbedingungen.

Foto: J. Hanack

Spandau. Eigentlich beginnt mit dem Tag der Zeugnisausgabe die Zeit, in der die Schule in weite Ferne rückt. Doch in Spandau sind die Sorgen längst nicht ausgeblendet. Eltern, Schüler und Lehrer gingen am Mittwoch gemeinsam auf die Straße, um gegen die Zustände an den Schulen und für den Neubau von Gebäuden zu demonstrieren. Rufe wie „Wir brauchen neue Schulen“ oder „Wir brauchen mehr Lehrer“ waren zu hören, als die Menschen in Richtung Rathaus zogen.

Organisiert wurde die Demonstration vom Bezirkselternausschuss. Dessen Vorsitzender Thorsten Hartje kennt aus Gesprächen die Probleme an den verschiedenen Spandauer Schulen. An einer Schule sei das Wasser blei- und die Fassade asbestbelastet, an einer anderen herrschten in den Klassenräumen im Sommer tropische Temperaturen. „Wir haben ein Riesenproblem, Lehrer zu bekommen“, sagt Hartje. Bei solchen Gebäuden wäre das allerdings kaum verwunderlich.

Bauarbeiten und Gebäudemängel behindern den Unterricht

An 41 Spandauer Schulen wird in den Sommerferien gebaut – das sind berlinweit die meisten. Mal wird die Heizung erneuert, mal geht es um die Sanitäranlagen, mal findet eine Asbestsanierung des Bodens statt. Prominentestes Beispiel unter den mit Mängeln behafteten Gebäuden ist wohl die marode Carlo-Schmid-Oberschule (CSO), die seit Jahren eine Dauerbaustelle ist. Hier startete die Demonstration am Mittwoch.

Deren Lehrer, Schüler und Eltern können viele Geschichten erzählen, wie der Unterricht durch Bauarbeiten und Gebäudemängel behindert wird. Eine Achtklässlerin berichtet, dass ihr einmal beinahe eine Tür auf den Kopf gefallen wäre, als sich diese aus der Halterung löste. Eltern loben zwar den Einsatz der Lehrer, sagen aber auch, dass sie ihre Kinder mit Sorgen in die Schule schicken – weil man nie wissen könne, was als nächstes passiert. Und Lehrer Axel Machner sagte: „Das ist nur Flickenschusterei hier. Ein geregelter Schulablauf ist schwer möglich.“

"Seit 20 Jahren Raumnot"

Aber auch von anderen Spandauer Schulen sind Teilnehmer zu der Demonstration gekommen, an der sich insgesamt rund 100 Menschen beteiligten. Stefan Karsten, Lehrer an der Schule am Gartenfeld, hatte auf sein Plakat groß „Seit 20 Jahren Raumnot“ geschrieben. „Wir hatten schon 2007 kein Lehrerzimmer und keinen Musikraum“, erzählte er. Derzeit ist die Schule wegen baulicher Mängel ausgelagert. Wann es zurückgehe, sei unklar.

Auch Detlef Lange hatte sich dem Protestzug angeschlossen. Er ist Elternvertreter der Linden-Grundschule. Die sei zwar relativ neu, aber: „Wir haben ein ziemliches Problem mit den Fenstern. Die lassen sich zum Teil gar nicht öffnen.“ Zuletzt sei die Schule daher „ein Brutkasten“ gewesen.

Der Bezirkselternausschuss wollte mit der Demonstration ein Zeichen setzen, dass der Neubau von Schulen nicht länger warten kann. Auch, weil die Schülerzahlen laut Prognose steigen und die Plätze längst nicht ausreichen. „Die Kinder haben richtig Lärm gemacht“, sagte Hartje, auch wenn er sich enttäuscht zeigte, dass nicht mehr Menschen gekommen sind. Er kündigte aber bereits an: „Wir werden im September die nächste Aktion starten.“ Im kommenden Schuljahr sollen einige Klassen mit 28 bis 34 Schülern besetzt werden. Das sei Anlass genug weiterzumachen.

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