Schulbauoffensive

Diese Berliner Schulen werden im Sommer saniert

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) präsentiert mehr als 270 Bauvorhaben. Investiert werden dafür über 185 Millionen Euro.

Lehranstalt als Baustelle: Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und Architekt Olaf Beutin im Hermann-Hesse-Gymnasium.

Lehranstalt als Baustelle: Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und Architekt Olaf Beutin im Hermann-Hesse-Gymnasium.

Foto: Arne Immanuel Bänsch / ZB

Berlin. Handwerker tragen im Treppenhaus schwungvoll mit der Kelle den Putz auf die nackten grauen Wände, von der Gewölbedecke hängen farbige Kabel. Der Terrazzoboden in den Fluren ist teilweise schon freigelegt, jahrzehntelang war er, wie auch die Granitstufen der Treppe, unter schlichtem Linoleum versteckt. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) machte sich am Montag ein Bild von den Sanierungsarbeiten am Hermann-Hesse-Gymnasium an der Böckhstraße in Kreuzberg – und kündigte für die Sommerferien Bauarbeiten in weiteren 275 Schulen an.

Die rund 600 Schüler der Ganztagsschule im Graefekiez sind seit Februar 2017 komplett ausgelagert. Drei Nachbarschulen haben die Gymnasiasten aufgenommen und ihnen Ausweichräume zur Verfügung gestellt. Das alte Schulgebäude, 1890 und 1891 in nur zwei Jahren gebaut, wird für 2,2 Millionen Euro grundsaniert.

An vielen anderen Schulen läuft der Betrieb aber während der Bauarbeiten weiter. Deshalb wird an einem Drittel der allgemeinbildenden Schule in der unterrichtsfreien Zeit gebaut. „Um die Belastungen für die Schüler und Lehrer möglichst gering zu halten, wird in den Sommerferien an 276 Berliner Schulen richtig geklotzt“, sagte die Senatorin.

Die Bezirke haben für die Sommerferien laut Scheeres 387 Sanierungsmaßnahmen angemeldet. Investiert werden sollen über 185 Millionen Euro. Das Geld stammt unter anderem aus dem Schulsanierungsprogramm, dem Sondervermögen Wachsende Stadt, dem baulichen Unterhalt der Bezirke und aus dem Topf für den Städtischen Denkmalschutz.

In Friedrichshain-Kreuzberg wird in den am Donnerstag beginnenden Sommerferien in 20 Schulen gebaut, wie Bildungsstadtrat Andy Hehmke bestätigte. Allein in Spandau wird in 41 Schulen die unterrichtsfreie Zeit genutzt, in Reinickendorf an 34 Schulen, in Pankow an 32, in Charlottenburg-Wilmersdorf an 29, in Steglitz-Zehlendorf an zwölf Schulen.

Eine detaillierte Liste, die der Berliner Morgenpost vorliegt, zeigt die zahlreichen Vorhaben an jeder einzelnen Schule – von Brandschutzarbeiten, Fenstersanierungen bis hin zur Fassaden- und Dachsanierung. Fest steht: Berlins Schulen sind vielfach in einem schlechten baulichen Zustand. So müssen Schüler und Lehrer auch in den nächsten Jahren mit Lärm und Schmutz klarkommen. Etwa 343 Millionen Euro sind im vergangenen Jahr verbaut worden, in diesem Jahr sollen es rund 557 Millionen Euro sein, wie Scheeres ankündigte.

Berlin will über eine Schulbauoffensive in den nächsten zehn Jahren 5,5 Milliarden Euro in die Sanierung und den Bau von neuen Schulen stecken. Der Senat will 38 Grundschulen bauen, die Wohnungsgesellschaft Howoge soll 30 Oberschulen errichten. Die großen Sanierungsprojekte, die die Bauverwaltung managt, werden allerdings erst 2023 starten, wie eine Sprecherin der Bausenatsverwaltung am Montag bestätigte. Der Senat nimmt den Bezirken auch größere Sanierungsprojekte ab. Sie haben laut Bildungssenatorin für die Sanierung von 54 Schulen bislang um Amtshilfe ersucht. Die Bausenatsverwaltung habe bislang in 22 Fällen zugesagt.

Baufirmen sind derzeit kaum zu finden

Die Bauarbeiten am Hermann-Hesse-Gymnasium werden sich noch hinziehen. Schulleiterin Sylke Roschke hofft, dass die Schüler im Februar 2019 zurückkehren können und die Abiturfeier in der Aula stattfinden kann. Der Architekt Olaf Beutin ist da nicht so zuversichtlich: „Es gibt einen Notfahrplan bis Sommer 2019“, sagt er. Denn es fehlen die Arbeiter. Auf europaweite Ausschreibungen habe sich zuletzt keine einzige Baufirma gemeldet, beklagt der Architekt. Das Problem hat er nicht allein, es könnte die gesamte Schulbauoffensive gefährden.

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+++ Berlin-Podcast +++ Die Bergius-Schule in Friedenau macht es vor: Mit Disziplin wurde aus einer Problemschule ein Vorbild. Aus einem Problem-Bus wurde unterdessen der „Bus der Zukunft“, mit Panorama-Dach, WLAN und USB-Buchsen. Und an der Polizeiakademie gibt es Probleme mit der Rechtschreibung. Das und mehr in der aktuellen Ausgabe „Molle und Korn“.

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