Das Schadow-Gymnasium an der Zehlendorfer Beuckestraße muss für mehr als 20 Millionen Euro saniert werden. Es gehört damit zu den marodesten Schulen in Berlin. Dennoch soll das Gebäude nicht vor 2022 instand gesetzt werden. Eltern und Schüler befürchten, dass das Gebäude bis dahin nicht mehr voll funktionstüchtig sein wird. Die Gesamtelternvertreter-Konferenz (GEV) hat jetzt beschlossen, zu handeln und sich mit einem Brief an die zuständigen Stellen in der Senats- und Bezirksverwaltung gewandt. Darin fordern sie zumindest ein mittelfristiges „Konzept zum Funktionserhalt“ der Schule – wenn schon kein Gesamtsanierungskonzept erarbeitet werden könne.

Putz fällt von den Wänden, Elektrik funktioniert nicht

Eine Antwort habe man bislang noch nicht erhalten, sagt Katharina Spieß, Mitglied der GEV und Mutter von zwei Kindern, die an der Schule lernen. Sie bezeichnet die Situation im Gebäude als „hanebüchen“. Der hygienische Zustand der Toiletten sei eine Katastrophe, die Elektrik funktioniere teilweise nicht mehr und in manchen Räumen komme der Putz von den Wänden. Aus diesem Grund erwarte man, dass innerhalb der kommenden zehn Wochen – also bis zum 24. August – die dringlichsten Interimsmaßnahmen zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs in Abstimmung mit der Schulleitung durchgeführt werden.

Konkret wollen die Eltern in ihrem Schreiben wissen, wann die Mängel beim Brand- und Arbeitsschutz behoben werden und was für den Zwischenzeitraum vorgesehen ist. Zudem fordern sie Auskunft darüber, auf welcher Planungsgrundlage und in welcher Höhe Mittel für die Schulgebäude in den nächsten fünf Jahre bereitgestellt werden. „Es geht nicht, dass andere Schulen an uns vorbeiziehen und eher saniert werden“, sagt Katharina Spieß. Offenbar ist die Sanierung von Schulen jetzt eine politische Frage und wer am lautesten Krach mache, komme zuerst dran.

Der Sanierungsbedarf der Schule von 20 Millionen wurde in einem berlinweit einheitlichem Gebäudescan festgestellt. Sanierungen von mehr als zehn Millionen Euro sollen nicht vom Bezirk, sondern in diesem Fall von der Wohnungsbaugesellschaft Howoge durchgeführt werden, sagt Maren Schellenberg (Grüne), Bezirksstadträtin für Immobilien in Steglitz-Zehlendorf. Am Montag, 25. Juni, wird sie sich mit Vertretern der Howoge zu einer Begehung der Schule treffen. Dort sollen Absprachen getroffen werden, auch zum Baubeginn. Doch bis zur Grundsanierung, so vermutet auch die Stadträtin, könnten noch ein paar Jahre vergehen.

Rundgang in letzter Sekunde abgesagt

Das Land ist Eigentümer des Schulgebäudes, es liegt aber in bezirklicher Zuständigkeit. „Deshalb fühlen wir uns verantwortlich bis die Sanierung beginnt“, sagt Schellenberg. So sollen einige Arbeiten noch dieses Jahr erfolgen. In einem ersten Schritt werde der Bezirk das Brandschutzkonzept überprüfen und eine Brandwand und eine Sicherheitsbeleuchtungsanlage einbauen.

Auch dringend notwendige Reparaturen im Elektrobereich sollen erfolgen. „Es hat aber keinen Sinn, vor der Grundsanierung sämtliche Elektroleitungen neu zu machen“, so die Stadträtin. Im kommenden Jahr sei die Sanierung der Sanitäranlagen in der Turnhalle geplant.

Erst am Dienstag hatte sich die Carlo-Schmid-Oberschule in Spandau an die Öffentlichkeit gewandt, um auf den Sanierungsbedarf hinzuweisen. In letzter Sekunde wurde Journalisten verboten, einen Rundgang und Fotos von den kaputten Rohren, Rissen im Beton und undichten Fenstern zu machen.

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