Renaissancefestung

Spandau erobert die Zitadelle zurück

| Lesedauer: 3 Minuten
Helga Labenski
Spandauer Wahrzeichen: Nach Protesten wird die Renaissancefestung Zitadelle nicht mehr unter dem Beinamen Berlin vermarktet

Spandauer Wahrzeichen: Nach Protesten wird die Renaissancefestung Zitadelle nicht mehr unter dem Beinamen Berlin vermarktet

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Schöning / picture alliance / Bildagentur-o

Die Festung wird in Zukunft nicht mehr unter dem Beinamen Berlin vermarktet. Zuvor hatte es einen Sturm der Entrüstung gegeben.

Berlin.  Das Spandauer Selbstbild ist wieder in Ordnung, jedenfalls was die Zitadelle betrifft. Die Renaissancefestung wird in Zukunft nicht mehr unter dem Beinamen Berlin vermarktet. Aus allen offiziellen Dokumenten werde der Beiname Berlin nach und nach wieder entfernt, sagte Spandaus Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) am Dienstag im Kulturausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Auch im Internet sei wieder von der Spandauer Zitadelle die Rede.

Hanke hatte sich von dem Hinweis auf Berlin mehr internationale Strahlkraft für die Zitadelle erhofft, aber einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Aus allen politischen Lagern meldeten sich Kritiker, die verlangten die alte Festung müsse die Zitadelle Spandau bleiben. In sozialen Medien gab es hämische Kommentare. „Ich habe die Dynamik völlig unterschätzt“, räumte Kulturstadrat Hanke ein. Immerhin habe der Namensstreit dem Bauwerk zu internationaler Publicity verholfen. Er sei dazu auch von ausländischen Medien interviewt worden. „Und selbst an meinem Urlaubsort auf Bali hat mich die Nachricht ereilt, dass hier der Bär steppt“, sagte der Stadtrat.

Im Netz wird die Stätte noch länger unter "Zitadelle-Berlin" zu finden sein

Die Mitglieder des Kulturausschusses betrachten den Fall Zitadelle nun als erledigt. „Die Kuh ist vom Eis“, sagte der Bezirksverordnete Daniel Scheytt (CDU). Einen Antrag der SPD, die alte Militäranlage wieder in „Zitadelle Spandau“ rückzubenennen, hatte die Union nochmals zur Besprechung angemeldet. „Das Bezirksamt wird beauftragt, die Zitadelle unverzüglich wieder als Zitadelle Spandau zu vermarkten und alle öffentlichen Informationsmaterialien wieder mit entsprechendem Namen zu versehen“, lautete der Antragstext, den die BVV einstimmig verabschiedet hatte.

Ganz und gar Spandau gehört die Anlage aber nicht mehr. „Zitadelle“ steht nun ohne jede Ortsbezeichnung neben dem Logo. Zitadelle Spandau sei kein offizieller Name, begründete Hanke das. Und die Internetadresse der alten Festung wird wohl noch einige Zeit „zitadelle-berlin“ lauten. Es werde noch „ein Weilchen“ dauern, bis der niederländische Provider die Domain umstellen könne, kündigte Stadtrat Hanke an.

Größeren Kummer als mit der Benennung der Zitadelle hat der Bezirk ohnehin mit dem baulichen Zustand der Festungsinsel. Das Haus 4 ist grundlegend sanierungsbedürftig. Am Haus 3 bröckeln die Fundamente. Und selbst in den mit Millionenaufwand sanierten Italienischen Höfen ist eine Säule um fünf Zentimeter abgesackt. „Die Zitadelle ist eben auf Sand gebaut“, sagte dazu Hausherr Hanke. Auf rund 22 Millionen Euro schätzt seine Verwaltung den aktuellen Sanierungsbedarf. Wie schnell die Schäden beseitigt werden können, hängt dann aber doch wieder davon ab, wann das Land Berlin die entsprechenden Mittel bewilligt.

Jeder sechste Berliner ist von Armut bedroht
Jeder sechste Berliner ist von Armut bedroht

Mehr zum Thema:

Die Zitadelle Spandau heißt wieder Zitadelle Spandau

Warum der Bezirk Spandau ein absolutes Mysterium ist

Zitadelle Spandau heißt jetzt Zitadelle Berlin