Namensstreit

Die Zitadelle Spandau heißt wieder Zitadelle Spandau

Spandau oder Berlin? Nach einiger Verwirrung soll die Festung doch wieder unter dem Label Zitadelle Spandau laufen.

Um den Namen der Renaissancefestung gab es einige Verwirrung

Um den Namen der Renaissancefestung gab es einige Verwirrung

Foto: dpa Picture-Alliance / Global Travel Images / picture alliance / Global Travel

Berlin. Die "Zitadelle Berlin" soll wieder Zitadelle Spandau heißen. Kai Wegner, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender der CDU Spandau, teilte am Montag mit: "Bezirksstadtrat Gerhard Hanke hat angeordnet, dass die Zitadelle zukünftig wieder unter dem Label Zitadelle Spandau vermarktet wird." Der Kulturstadtrat (CDU), der in Spandau für die Einrichtung zuständig ist, war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Das Intermezzo, während dem die Zitadelle in der Werbung und im Internet mit dem Zusatz Berlin vermarktet wurde, müsse so schnell wie möglich enden, forderte Wegner.

Wie berichtet, hatten Tourismusexperten empfohlen, die Festung der Hochrenaissance wegen der überregionalen Bedeutung mit dem Zusatz Berlin anzupreisen. Das sorgte nicht nur bei den Bezirksverordneten für Unmut, sondern wurde auch in der CDU debattiert. "Spandau ist stolz auf seine Zitadelle. Die leidenschaftliche Diskussion um den Vorschlag der Tourismusexperten zeigt, dass manchmal Expertenvorschläge am Bewusstsein der Spandauerinnen und Spandauer vorbeigehen", betonte Kai Wegner. Er gehe davon aus, dass die Internetseite und alle anderen Werbematerialien der Zitadelle nun schnellstmöglich umgestaltet werden. "Die Zitadelle ist, war und bleibt die Zitadelle Spandau", so Wegner.

Festungsbegriff "Zitadelle Berlin" historisch vorgeprägt

Auch Historiker Prof. Dr. Felix Escher begrüßt die Umkehr des Namenswechsels. Der Begriff sei laut des Wissenschaftlers nationalsozialistisch vorbelastet. Zum Ende des zweiten Weltkrieges sei die gesamte damalige Reichshauptstadt zur Festung erklärt worden, der Kernbereich um die Reichskanzlei zur "Zitadelle Berlin". Der frühere Professor an der Technischen Universität Berlin kritisiert die Umbenennung aus Marketinggründen scharf: "Was weltläufig erscheinen will, ist doch nur geschichtsvergessen."

Rund 60 Millionen Euro haben Berlin und die EU in den vergangenen 30 Jahren in die Restaurierung investiert. Das Bauwerk gilt als eine der besterhaltenen und bedeutendsten Renaissancefestungen Europas.

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