Renaissancefestung

Zitadelle Spandau heißt jetzt Zitadelle Berlin

Der Bezirk folgt Empfehlungen von Tourismusexperten und benennt sein Wahrzeichen um. Das ärgert viele.

Deutschland, Berlin, Zitadelle Spandau Wassergraben [ Rechtehinweis: picture alliance/Bildagentur-online ]

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Berlin.  Wem gehört die Zitadelle? Über diese Frage ereifern sich Spandauer Lokalpolitiker, nachdem die Renaissancefestung neuerdings als Berliner Sehenswürdigkeit vermarktet wird. Die Internetseite der Zitadelle läuft nun nicht mehr unter zitadelle-spandau, sondern unter zitadelle-berlin. Und auch in offiziellen Publikationen soll der Hinweis auf Berlin der Zitadelle zu mehr Strahlkraft verhelfen.

Rund 6o Millionen Euro haben das Land Berlin und die EU in den letzten 30 Jahren in die Restaurierung der Festung investiert, die als eine der besterhaltenen in Europa gilt. Mit der Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ ist das Publikums­interesse an dem Spandauer Wahrzeichen deutlich gestiegen. Das Citadel Music Festival wird auch dieses Jahr internationale Stars nach Spandau bringen. Spandaus Kultur- und Wirtschaftsstadtrat Gerhard Hanke (CDU) erhofft sich, von der Umbenennung noch mehr Aufmerksamkeit beim internationalen Publikum. Er folgt damit den Empfehlungen von Tourismusexperten, die sich aktuell wieder mit Konzepten befassen, wie der westliche Randbezirk mehr vom Tourismusboom der deutschen Hauptstadt profitieren kann.

Quer durch die politischen Lager melden sich aber Kritiker. Lars Leschewitz (Linke) sah sich während der jüngsten Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zu der Frage veranlasst, ob das Bezirksamt das Spandauer Wahrzeichen an das Land Berlin abgegeben habe. Berlin sei international eben doch etwas bekannter als Spandau, erklärte Stadtrat Hanke und forderte damit die Lokalpatrioten nur noch mehr heraus. Denn bis heute grenzen sich Spandaus Bewohner mit einem „Spandau bei Berlin“ halb ernsthaft, halb im Scherz von der Hauptstadt ab. SPD-Fraktionschef Christian Haß sieht in der Umbenennung denn auch einen „großen Fehler“. Auch der grüne Bezirksverordnete Oliver Gellert kann der Neufirmierung nichts abgewinnen. Zitadelle Spandau sei eine Marke. „Nürnberger Würstchen nennt man ja auch nicht einfach Bayerische Würstchen.“ Und der Liberale Matthias Unger möchte die Bezirksehre wenigstens mit einem „Zitadelle Berlin-Spandau“ retten.

Nach den heftigen Auseinandersetzungen sah sich Zitadellen-Hausherr Hanke am Freitag nochmals zu einer Presseerklärung genötigt. „Das Spandauer Wahrzeichen innerhalb der Me­tropole Berlin trägt seit jeher den Namen Zitadelle und gehört den Bürgern unserer Stadt“, teilte er mit. „Anderslautende Meldungen werden daran auch zukünftig nichts ändern.“

Ob sich der frisch verordnete Beiname überhaupt durchsetzt, bleibt ohnehin abzuwarten. Bei Facebook jedenfalls postet der Bezirk bisher noch unverändert unter „zitadelle spandau“. Und die Tourismusvermarkter von „Visit Berlin“ machen auf ihrer Internetseite, dem „offiziellen Reiseportal“ weiter auf die „Zitadelle Spandau“ aufmerksam.

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