Ohne Frage: Es klingt wie ein vollkommen irrer Vorschlag. Der Reinickendorfer SPD-Politiker Samuel Märkt hat seinen Wahlkampf fürs Abgeordnetenhaus im September 2026 auf höchst kreative Weise eröffnet. Er hat angeregt, ein Riesenrad an den Tegeler See zu bauen. Mit Blick aufs Wasser. An die Greenwichpromenade oder auf einen Steg ins Wasser.

Fast schon rituell-rhetorisch möchte man fragen: Hat Berlin keine anderen Probleme, Herr Märkt? Die Antwort kennen wir alle: Wenn Berlin ein einziges Problem nicht hat, dann ist es das Problem, keine Probleme zu haben. Berlin ist: Bürgersteige als Müllkippen, BVG-Fahrpläne nur unverbindliche Absichtsbekundungen, mehr Obdachlosen-Zelte als neugebaute Wohnungen und eine ähnliche Anzahl von verschossenen Patronen und ordentlich abgestellten E-Scootern nach einer Nacht.

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Diese Probleme sind gravierend. Und sie bleiben riesig. Mit oder ohne Riesenrad. Was Samuel Märkt da nach einem Brainstorming mit Parteikollegen in die Öffentlichkeit getragen hat, kann man auch als leicht überzeichneten Erinnerungsruf verstehen. Daran, dass Politik sich nicht nur stärker um Missstände in einer geforderten Stadt kümmern sollte, sondern auch Zukunft für eine lebenswerte Stadt gestalten muss.

Und in Tegel gibt es da einiges zu tun. Nach der Schließung des Flughafens Tegel kehrte nicht nur Stille am Himmel im Berliner Norden ein. Sondern auch Ruhe in vielen Hotels und den Geschäften, berichten ortsansässige Unternehmer übereinstimmend.

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Wo früher Leute in Alt-Tegel in Flughafennähe abgestiegen sind, kämpft der Bezirk mit Besucherschwund. Wegen der unerträglich gedehnten Sanierung der für den Kiez essenziell wichtigen U-Bahn-Linie 6. Und auch die Entwicklung des ehemaligen Flughafengeländes mit Wohnungsneubauten und Ausbau zu einem Bildungs- und Technologie-Zentrum, zieht sich seit Jahren hin.

Die britische Hauptstadt hat mit ihrem London Eye ein echtes Markenzeichen ans Themseufer gestellt. Aber ist ein Riesenrad auch am Ufer des Tegeler Sees das Richtige? Fraglich. Im Südosten der Stadt rotiert ja schon bald wieder ein Riesenrad: jenes im Spreepark. Und seit der Pleite des Riesenrad-Fonds für das einst am Zoologischen Garten geplante „Great Wheel Berlin“ dürfte eine gewisse Skepsis vorherrschen.

Politiker Märkt beteuert trotzdem, dass er die Idee ernst meine. Aber vielleicht steht da auch nur am Ende: Wer ein Riesenrad auf einer Seebrücke fordert, bekommt am Ende vielleicht wenigstens die Seebrücke. Und das wäre ja nicht nur ganz gut. Sondern vielleicht sogar eine exzellente Wahl.