„Toooor“, jubelt der Fußballer in einem marineblauen Trikot. Und das kurz vor Abpfiff. Nun geht es für die sieben Spieler aus dem Team „Al Fawar“ ins Elfmeterschießen gegen „Rudi’s Resterampe“, der Treffer führte nämlich zum Ausgleich. Ein aufgeregtes Sprachenwirrwarr aus Deutsch und Arabisch fegt über den Platz, plötzlich weiß jeder Spieler, in welche Ecke des Tors der Gegner den Ball gleich schießen wird – und ruft das seinem Torwart zu. Für den Moment hat das allerdings nur „Rudi’s Resterampe“ genutzt: Sie haben das Elfmeterschießen gewonnen. Am Ende jedoch hat ihnen ein anderer Verein den Turniersieg weggeschnappt.

Der Verein hat sich schon im Jahr 2013 gegründet

Veranstaltet wird das Fußballturnier von dem Verein „Willkommen in Reinickendorf“. Der Verein, der 2013 gegründet wurde, hat rund 700 Mitglieder, die in Reinickendorf Flüchtlinge und Asylbewerber unterstützen. „Refugees-Welcome-Cup“ haben die Organisatoren rund um Dana Saky und Servan Deniz das Turnier genannt. Die Idee dahinter ist ganz einfach: „Integration durch Sport“, erklärt Deniz. Seit Jahren schon organisiert er das Turnier, das auch vom Landessportbund in Berlin mitgetragen wird.

So haben sich rund 500 Fußballspieler, Schiedsrichter, Ehrenamtler und Sozialarbeiter am Sonnabend bei schwülheißem Wetter auf dem Sportplatz an der Königshorster Straße im Märkischen Viertel getroffen. 32 Mannschaften mit jeweils sieben Spielern treten gegeneinander an. Teilweise haben sich die Teams erst kurz vor dem Turnier zusammengefunden – die letzte Anmeldung flatterte am Sonnabendmorgen um 1 Uhr bei „Willkommen in Reinickendorf“ ein.

Geflüchtete und Reinickendorfer sollen miteinander in Kontakt kommen

„In Flüchtlingsunterkünften gibt es keine Fußballvereine“, erklärt Deniz. Teilweise spielen aber auch Mannschaften aus Berliner Fußballvereinen beim „Refugees-Welcome-Cup“ mit. „Wir wollen so erreichen, dass Geflüchtete und Reinickendorfer miteinander in Kontakt kommen“, sagt Deniz. Das ist die Idee hinter dem Projekt. Mit Erfolg: Im vergangenen Jahr hatten sich 25 Mannschaften angemeldet, sieben weniger als in diesem Jahr. „Und die meisten Teams sind heute nicht zum ersten Mal mit dabei.“

Kleine Rangelei nach Schiedsrichterentscheidung

Während es bei vielen Spielen sportlich fair zuging, kam es wegen eines Vorrundenspiels zu verbalen Auseinandersetzungen und Rangeleien. Ein Team des Arbeiter-Samariter-Bundes war laut Veranstalter nicht mit einer Entscheidung eines Schiedsrichters einverstanden. „Im Eifer des Gefechtes gab es dann eine Versammlung vor dem Tisch der Turnierleitung und dort Rangeleien und Wortgefechte, woraufhin wir die Mannschaft vom Turnier ausschließen mussten und einen Platzverweis aussprachen“, erzählt Deniz am Montagmorgen auf Nachfrage.

„Die Männer haben das alles nicht eingesehen, und wir waren uns auch nicht sicher, ob wir dazu berechtigt waren, Platzverweise auszusprechen, also haben wir die Polizei gerufen.“ Vor den Beamten hätten sich dann die Beteiligten die Hand gegeben und letztendlich habe die Mannschaft den Platz freiwillig verlassen. „Heute rief auch die Heimleitung der jungen Männer an und hat sich entschuldigt“, sagt Deniz. Er hat durchaus Verständnis für die hitzige Stimmung. „Sie kamen von weit her, sind übermotiviert gewesen, mussten dann wieder den Heimweg antreten - und dann hat sich die Wut entladen.“

Turniersieg wird wie ein Weltmeistertitel gefeiert

„Für die Jungs ist das Turnier was ganz Besonderes. Und die Gewinner freuen sich jedes Jahr, wie wenn sie die Weltmeisterschaft gewonnen hätten“, erzählt Deniz. Er ist sich sicher: Das liegt nicht an den Pokalen oder zusätzlichen Preisen, die es zu gewinnen gibt. „Das macht die Jungs einfach stolz, dass sie so ein großes Turnier in ihrer neuen Heimat gewinnen.“

Keine Zuschauer am Spielfeldrand

Zuschauer zieht das Turnier bisher kaum an. „Wir würden gern so etwas wie eine Fanmeile mit verschiedenen Ständen, einer Hüpfburg und Torwandschießen haben“, sagt Deniz, der hauptberuflich als Büroleiter für den Berliner Abgeordneten Hakan Taş (Linke) arbeitet. Allein die Organisation dafür sei aber zu zeitaufwendig. „Aber das kann ja nächstes Jahr noch kommen.“ Er hofft, dass dann auch mehr Reinickendorfer den Fußballern zuschauen werden.

Neben dem großen Fußballturnier, das jedes Jahr stattfindet, organisiert „Willkommen in Reinickendorf“ auch kleinere Fußballspiele in Flüchtlingsunterkünften. „Wir versuchen aber auch zum Beispiel dabei zu helfen, dass Geflüchtete in Vereine aufgenommen werden“, sagt Deniz. Darüber hinaus bieten die „Willkommen in Reinickendorf“-Mitglieder Deutschkurse an und betreiben in zwei Flüchtlingsunterkünften Informationsstellen.

Mehr zum Thema: