Deutschkurse für Flüchtlinge

Deutschkurse: Probleme vor allem für geflüchtete Frauen

In 35 Flüchtlingsheimen werden Sprachkurse angeboten, eine Kinderbetreuung für Mütter gibt es aber längst nicht überall.

In 35 Berliner Flüchtlingsunterkünften bieten Volkshochschulen Deutschkurse an.

In 35 Berliner Flüchtlingsunterkünften bieten Volkshochschulen Deutschkurse an.

Foto: imago stock / imago/JOKER

Berlin. In 35 Berliner Flüchtlingsunterkünften bieten Volkshochschulen Deutschkurse an. Allerdings wird nicht überall Müttern ermöglicht, tatsächlich an den Kursen teilzunehmen, denn in einigen Heimen gibt es während der Kurszeiten keine Kinderbetreuung. Das geht aus der Antwort der Senatssozialverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Abgeordneten Thomas Seerig hervor.

Geflüchtete, die nicht berechtigt sind, vom Bund finanzierte und angebotene Sprachkurse zu besuchen oder die dort keinen Platz finden, haben in Berlin die Möglichkeit, einen vom Senat bezahlten Deutschkurs an einer Volkshochschule (VHS) zu absolvieren. Um die Integration zu fördern, fänden die landes­finanzierten Deutschkurse in der Regel in den VHS-Räumen statt, erläutert Sozialstaatssekretär Daniel Tietze in seiner Antwort. An allen Berliner Volkshochschulen würden zudem spezielle Frauenkurse angeboten, um insbesondere diesen Geflüchteten beim Erwerb der deutschen Sprache zu helfen.

95 Not- und Gemeinschaftsunterkünfte

Deutschkurse direkt in Unterkünften unterstütze der Senat nur bei „konkreten Bedarfssituationen“, so Tietze. Diese hätten nicht alle Einrichtungen geltend gemacht. In Berlin gibt es insgesamt 95 Not- und Gemeinschaftsunterkünfte sowie Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge.

Die Senatsverwaltung für Frauen und Gleichstellung unterstütze die landesfinanzierten Sprachkurse. Sie finanziere die Beaufsichtigung der Kinder, teilte Tietze mit. Diese Kinderbetreuung gibt es aber offenbar nicht in allen Heimen. In der Antwort auf die FDP-Anfrage wird nur für 13 der 35 Heime angegeben, dass sie vorhanden oder zumindest geplant sei. Für vier Unterkünfte heißt es, es gebe keine Kinderbetreuung. Für 18 Heime, also für jedes zweite, wurden keine Angaben gemacht.

Laut Tietze gebe es in allen Gemeinschaftsunterkünften, die einen Vertrag mit dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) abgeschlossen haben, eine „zeitlich begrenzte Kinderbetreuung“. Bei einigen Einrichtungen seien aber „keine geeigneten Raumkapazitäten für zusätzliche Kinderbeaufsichtigung während der Sprachkurse“ vorhanden.

LAF-Sprecher Sascha Langenbach sagte, in allen Unterkünften werde eine Kinderbetreuung angeboten, oft verstärkt durch ehrenamtliche Helfer. Gerade geflüchteten Frauen seien in aller Regel sehr an den Deutschkursen interessiert.

Zu den Heimbetreibern, zu denen in der Antwort des Senats keine Angaben gemacht werden, gehört auch die private Tamaja GmbH. Sie betreibt unter anderem das Containerdorf am ehemaligen Flughafen Tempelhof. Eine Sprecherin verwies auf Anfrage der Berliner Morgenpost auf die dort grundsätzlich angebotene Kinderbetreuung, eine weitere Betreuung speziell für die Sprachkurse sei daher nicht notwendig.

Hingegen erklärte die Awo Mitte, sie könne in ihren Unterkünften an der Freudstraße in Spandau und der Groscurthstraße in Pankow keine Kinderbetreuung während der Kurszeiten gewährleisten. Das gebe die Personaldecke nicht her. Andere Träger hätten ähnliche Probleme, sagte eine Assistentin der Geschäftsleitung. Das eigentliche Problem seien fehlende Kitaplätze.

FDP-Politiker Seerig ist unzufrieden mit der Antwort

Eine Sprecherin der Prisod GmbH sagte der Morgenpost, es gebe eine ganztägige Betreuung für Kinder ab drei Jahren. Kleinere Kinder würden die Mütter ohnehin ungern in andere Hände geben. Stillkinder würden die Frauen mit in die Kurse nehmen, das sei meist unproblematisch. Generell sei die Lage in jeder Unterkunft unterschiedlich.

FDP-Politiker Seerig zeigte sich unzufrieden mit der Antwort der Sozialverwaltung. „Der Senat bezeichnet den schnellen Spracherwerb für Flüchtlinge als zentralen Punkt. Er kümmert sich aber nicht darum, dass Frauen die Möglichkeit vor Ort bekommen, indem für Kinderbetreuung gesorgt ist. Dies geht an den Notwendigkeiten vorbei“, sagte Seerig der Berliner Morgenpost.

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