Integration

Integrationskonzept des Berliner Senats verzögert sich

Berlins Integrationsbeauftragter Andreas Germershausen räumt ein, dass der Beteiligungsprozess aufwendiger als gedacht sei.

Florian Schempp unterrichtet in einer Willkommensklasse einer Friedenauer Schule Deutsch

Florian Schempp unterrichtet in einer Willkommensklasse einer Friedenauer Schule Deutsch

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance / dpa

Berlin. Das neue Integrationskonzept des Senats lässt auf sich warten. „Wir sind später dran als geplant“, räumt der Integrationsbeauftragte Andreas Germershausen ein. „Der Beteiligungsprozess gestaltet sich aufwendiger als gedacht, was aber auch positiv zu sehen ist“, sagte er der Berliner Morgenpost. Voraussichtlich werde er das Konzept nun im September vorlegen.

Germershausen war im Juli vergangenen Jahres damit beauftragt worden. Das Konzept sollte eigentlich schon im Juni dieses Jahres stehen. Neun Fachgremien beschäftigten sich bis Februar intensiv mit der Novellierung des Masterplans Integration und Sicherheit von 2016. Neben Behördenvertretern – etwa aus allen beteiligten Senatsverwaltungen und den Bezirken – sind auch zahlreiche Flüchtlings- sowie Willkommensinitiativen und soziale Träger beteiligt. In dem Konzept sollen Berlins Leitlinien und Ziele im Umgang mit Geflüchteten festgeschrieben werden. „Es soll aufzeigen, wie ihre Integration und Partizipation gelingen kann“, beschreibt Germershausen den Auftrag.

Der Integrationsbeauftragte kam in den vergangenen Monaten mit mehr als 2000 Akteuren und Bürgern bei einer Veranstaltungsreihe in den Bezirken zusammen. „Es gab dabei keine Auftritte von Wutbürgern, keine Störer, keine Randale, keine Pöbeleien“, resümiert Germershausen. Die Stimmung unter den Helfern habe sich gedreht. Viele hatten sich nach dem Flüchtlingsansturm 2015 von den Behörden alleingelassen gefühlt. Die Willkommenskultur schlug daraufhin in Frust um. „Inzwischen sind die offiziellen Stellen grundlegend besser aufgestellt“, unterstrich der Integrationsbeauftragte. Die Hauptarbeit liege nun wieder bei der Verwaltung, und das Ehrenamt könne da andocken. „Es geht inzwischen nicht mehr darum, dass wir Sprachkurse brauchen, sondern um die Frage, wie man erreichen kann, dass Frauen mit Kindern Sprachkurse häufiger wahrnehmen.“ Bei dem Dialog in Berlin-Mitte stand die schwierige Wohnsituation von Flüchtlinge im Vordergrund, in Steglitz-Zehlendorf gesundheitliche Fragen, in Reinickendorf und Spandau ging es um unklare Zuständigkeiten bei Behörden, zudem wurde problematisiert, dass sich die Kitas mit den Flüchtlingskindern alleingelassen fühlen.

„Gefordert werden unter anderem noch mehr Informationen und eine bessere Übersicht über die Ansprechpersonen“, so Germershausen, „gemeinsame Wohnungsbauten für Studenten und Geflüchtete.“

Inzwischen haben in Berlin laut Arbeitsagentur rund 10.000 Flüchtlinge einen sozialversicherungspflichtigen Job gefunden. Der Integrationsbeauftragte setzt sich dafür ein, dass noch häufiger Flüchtlinge mit Duldungsstatus ausgebildet werden. Der Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt für Personen mit nicht geklärter Bleibeperspektive sei schwierig. Germershausen vertritt die Ansicht: „Menschen, die noch keinen Aufenthaltstitel erhalten, aber voraussichtlich mehrere Jahre bleiben werden, müssen auf jeden Fall Zugang zu Ausbildung und Arbeit bekommen.“ Er warnt: „Sonst kaufen wir uns dasselbe Problem ein, das wir jahrzehntelang mit den Geduldeten in den 1990er- und 2000er-Jahren hatten.“ Der Senat wolle Integration vom ersten Tag an, „nicht erst nach Klärung des Aufenthaltsstatus“, betont er.

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