Willkommensklassen

Viele Flüchtlinge lernen nicht schnell genug Deutsch

| Lesedauer: 3 Minuten
Gudrun Mallwitz
Florian Schempp unterrichtet in einer Willkommensklasse einer Friedenauer Schule Deutsch

Florian Schempp unterrichtet in einer Willkommensklasse einer Friedenauer Schule Deutsch

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance / dpa

Viele Flüchtlinge schaffen es in den Willkommensklassen nicht, in einem Jahr genügend Deutsch für eine Weiterqualifizierung zu lernen.

Berlin.  Minderjährige Flüchtlinge werden an Berliner Schulen in Willkommensklassen unterrichtet. Sie bleiben dort, bis sie so gut Deutsch sprechen, dass sie dem regulären Unterricht folgen können oder in die Berufsvorbereitung wechseln können. Derzeit werden laut Senatsbildungsverwaltung knapp 8800 Schüler in 748 Willkommensklassen unterrichtet. Das Modell gilt als einer der wichtigsten Bausteine der Berliner Integrationspolitik.

Doch dabei gibt es offenbar bislang nicht benannte Probleme. „Sorgen bereitet uns ein Teil von jungen Menschen ab 16 Jahren, die in den Willkommensklassen an den Oberstufenzen­tren unterrichtet werden“, sagt der Berliner Integrationsbeauftragte An­dreas Germershausen der Berliner Morgenpost. „Ein Teil der Geflüchteten schafft es nicht, innerhalb eines Jahres so gut Deutsch zu lernen, um dann in eine Anschlussqualifizierung wechseln können.“ Zahlen nennt er nicht.

Verstärkt Sprachförderung durch Volkshochschulen

Es sei nun geplant, dass die Volkshochschulen (VHS) ab September verstärkt Sprachförderung für diese Gruppe anbieten, kündigte Germershausen an. Die Jugendlichen, die nicht mehr schulpflichtig sind, sollen dort Sprachkompetenz B1 erwerben. Sie umfasst die Fähigkeit, Hauptinformationen in Deutsch zu verstehen, wenn klare Standardsprache verwendet wird, und ermöglicht den Einstieg in die Berufsvorbereitung. „Das Problem in den Willkommensklassen ist von den zuständigen Akteuren – der Senatsbildungsverwaltung, dem Bundesamt für Flüchtlingsangelegenheiten bis zur Regionaldirektion der Arbeitsagentur – erkannt worden und muss gelöst werden“, betonte der Integrationsbeauftragte.

In dem Problem liegt durchaus sozialer Zündstoff: Ohne Perspektive drohen junge männliche Flüchtlinge womöglich abzurutschen. Der Alexanderplatz entwickelt sich seit einigen Jahren immer mehr zum Treffpunkt junger Flüchtlinge, die Gewalt eskalierte häufig zwischen den Gruppen. Inzwischen ist die Polizei mit der Alex-Wache ständig am Ort, auch Sozialarbeiter sind eingesetzt.

Schwierigkeiten auch bei Unterbringung in Wohnungen und auf dem Arbeitsmarkt

Eine Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung verwies auf Anfrage darauf, dass viele Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund traumatisiert in Deutschland ankommen. „Dadurch können sich auch in Willkommensklassen Lernschwierigkeiten oder Verhaltensstörungen offenbaren.“ Die Schulen böten allein Angekommenen oder Eltern dieser Kinder zusätzliche Unterstützungsangebote. „Neu zugewanderte Jugendliche im Alter zwischen 15 und 16 Jahren, in Ausnahme auch 17-Jährige mit geringen oder keinen Schulkenntnissen, die in Willkommensklassen länger als ein Jahr verblieben sind, werden im Bildungszentrum Tempelhofer Weg unterrichtet“, so die Sprecherin. Aufgrund der positiven Bilanz werde das Bildungszentrum im kommenden Schuljahr fortgeführt.

Die größte Herausforderungen bei der Integration sieht der Beauftragte nicht nur bei den Sprachbarrieren, sondern auch bei der schwierigen Unterbringung der Geflüchteten in Wohnungen sowie bei der Eingliederung in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Der Senat hat beschlossen, für die Unterbringung weitere modulare Unterkünfte (MUF) zu schaffen. Damit werden die Geflüchteten künftig gleichmäßiger über alle Bezirke verteilt. Germershausen fordert, dass dann auch die Migrationsberatungsstellen ausgebaut werden: „Wenn die MUF stehen, brauchen wir vor allem in Bezirken mit bislang weniger Geflüchteten ebenfalls Beratungsstellen.“

Mehr zum Thema:

Integrationskonzept des Berliner Senats verzögert sich