Reinickendorf
Lübars

Mord an Pferdewirtin - Viermal Lebenslänglich für Angeklagte

Wegen Mordes und Anstiftung zum Mord an einer 21-jährigen hat das Landgericht gegen vier Angeklagte lebenslange Haftstrafen verhängt. Es seien „abscheuliche Taten auf sittlich niedrigster Stufe“.

Die Eltern von Christin R. fassten sich an und kämpften mit den Tränen, als Richter Ralph Ehestädt am Donnerstag die Urteile gegen die Mörder ihrer Tochter verkündete: Lebenslänglich und die Einschätzung der besonderen Schwere der Schuld für den Angeklagten Robin H., 26, und dessen Mutter Cornelia H., 57. Lebenslänglich auch für Sven L., 25, der den Mörder beauftragt haben soll. Und ebenfalls Lebenslänglich für den mutmaßlichen Auftragskiller Steven Mc A., 24. Nur Tanja L., 29, die Schwester von Sven L., erhielt eine zeitlich begrenzte Strafe von 14 Jahren und sechs Monaten. Sie wurde zwar ebenfalls wegen gemeinschaftlichen Mordes und versuchten Mordes verurteilt, hatte aber bei der Polizei und später auch vor Gericht Geständnisse abgelegt und kam in den Genuss der strafmildernden Kronzeugenregelung.

Die Pferdewirtin Christin R. war am 21. Juni 2012 auf einem Parkplatz im Ortsteil Lübars erdrosselt worden. Als Motiv nannte Ehestädt Habgier: Cornelia und Robin H. hatten nach Meinung des Gerichts für die 21-Jährige mehrere Risikolebensversicherungen über rund 2,4 Millionen Euro abgeschlossen – zugunsten von Robin H. Anschließend folgten zwei Mordversuche und schließlich der vollendete Mord am 21. Juni 2012.

Schlüssige Indizienkette

Ehestädt sprach von „abscheulichen Taten auf sittlich niedrigster Stufe“. Grundlage für das Urteil seien eine Indizienkette und die Aussagen von Sven L. , Steven Mc A., aber vor allem von Tanja L., so der Richter. „Wir halten das, was sie hier sagte, für absolut glaubwürdig“. So sollen Robin und Cornelia H. im Herbst 2011 beschlossen haben, Christin R. umzubringen. Die junge Frau und der fünf Jahre ältere Robin H. lernten sich im Frühjahr 2011 auf einem Reiterhof in Oranienburg kennen. Christin R. absolvierte dort ihre Ausbildung zur Pferdewirtin und verliebte sich in Robin H..

Ehestädt beschrieb ausführlich die damalige finanzielle Situation von Mutter und Sohn. Selbst kleine Rechnungen für Strom, Autoversicherung oder für den Tierarzt seien von ihnen trotz Mahnungen nicht bezahlt worden. Dennoch hätten beide weiter an dem Plan gearbeitet, den Lebenstraum von Robin H. zu erfüllen: einen eigenen Pferdehof. Zunächst sollte ein Anwesen für 600.000 Euro gekauft werden. Als dieser Plan mangels Finanzen und Kreditzusagen scheiterte, wurde ein anderer Hof für monatlich 2800 Euro gepachtet. Zu diesem Zeitpunkt soll für Mutter und Sohn schon klar gewesen sein, dass der Plan mit dem eigenen Pferdehof nur über die Auszahlung der Risikolebensversicherungen funktionieren würde. Nach Meinung des Gerichts gab es dann den ersten Mordversuch am 4. April 2012 – Cornelia H. attackierte Christin R. mit einem Messer. Als sich die junge Frau erfolgreich wehrte, sprach Cornelia H. von Verwirrung. Das Verfahren wurde eingestellt.

Kaliumchlorid im Glas

Den zweiten Mordversuch unternahm Tanja L., die sich wenige Tage zuvor in Robin H. verliebte und von ihm nach Meinung des Gerichts „als Werkzeug eingesetzt wurde“. Sie kippte am 8. Juni 2012 in ein Trinkglas von Christin R. Kaliumchlorid. Das wirkt aber nur tödlich, wenn es intravenös verabreicht wird.

Auch der Anschlag am 21. Juni 2012 schien zunächst zu scheitern. Christin R. kam zu dem abgelegenen Parkplatz in Lübars mit einer Freundin. Robin H., der die Nacht zuvor noch bei Christin R. verbrachte, hatte sie per Handy jedoch ein zweites Mal zum Parkplatz gelockt, davon geht zumindest das Schwurgericht aus. Dort soll Steven Mc A. gelauert und Christin R. für ein Handgeld von 500 Euro erdrosselt haben. Beauftragt hatte ihn nach Meinung der Kammer Sven L.. Dieser soll zuvor von seiner Schwester Tanja L. aufgefordert worden sein, einen Auftragsmörder zu finden.

Richter spricht von „unbedingtem Vernichtungswillen“

„Da hatte sich eine Gruppe von normalen, durchschnittlichen, unscheinbaren, Menschen zusammengetan“, um ein furchtbares Verbrechen zu begehen, sagte Ehestädt. „Mit einem unbedingten Vernichtungswillen, völlig unbeeindruckt von zuvor missglückten Mordversuchen.“ Bei Robin und Cornelia H. habe es sich „um die treibenden Kräfte gehandelt“. Beide hätten vor und zwischen den Mordanschlägen nachweislich immer wieder im Internet nach Möglichkeiten gesucht, einen Menschen umzubringen. Unter Stichworten wie „Zyankali“, „Herztod“ und „K.O.-Tropfen“.

Es sei typisch für Robin H., dass er das Töten selbst nicht ausgeführt habe, sagte Ehestädt. Und an Robin H. gewandt: „Sie sind intrigant, erzählen gern Lügengeschichten, können mit Frauen umgehen, Menschen manipulieren. Sie legen nicht selbst Hand an.“ Cornelia H. beschrieb der Richter als „dreist und berechnend“, sie sei zwar nicht vorbestraft, habe aber schon vor dieser Mordtat „eine Tendenz zu kriminellen Handlungen gehabt“. Sie und ihr Sohn hätten mit zutiefst egoistischen Motiven die Arglosigkeit von Christin R. ausgenutzt und dabei auch noch drei andere Menschen mit hineingezogen, so Ehestädt. „Mit ungehemmter Geldgier und einer kaum zu übertreffenden Gefühlskälte ist hier das Leben einer jungen Frau ausgelöscht worden, die eigentlich noch alles vor sich hatte“, so der Richter.

Die Anwälte der zu lebenslanger Haft Verurteilten kündigten an, gegen das Urteil in Revision zu gehen.

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