Staatsanwalt Dieter Horstmann wirkte auch bei seinem Plädoyer zeitweise immer noch fassungslos, als er von der Tat berichtete: Von dem Tod einer 21-Jährigen, der perfide geplant war und brutal vollstreckt wurde. Es ging um Geld, nur um Geld. Drahtzieher sollen der 26 Jahre alte Robin H. und dessen 57 Jahre alte Mutter Cornelia H. gewesen sein.

Für beide beantragte Horstmann am Montag wegen Mordes und Mordversuchs lebenslängliche Freiheitsstrafen, verbunden mit der Einschätzung der besonderen Schwere der Schuld. Die gleiche Strafe soll auch der 24 Jahre alte Steven Mc A. bekommen, der die Pferdewirtin Christin R. den Ermittlungen zufolge am 21. Juni 2012 auf einem Parkplatz im Berliner Ortsteil Lübars erdrosselte.

Staatsanwalt Horstmann war bei seinem Plädoyer sicher, dass in der 20-monatigen Beweisaufnahme vor einem Moabiter Schwurgericht die Anklage bis auf wenige Details bestätigt werden konnte. Danach waren Cornelia und Robin H. mit der Führung eines Pferdehofes im havelländischen Friesack in eine finanzielle Schieflage geraten.

Messerstich in den Rücken

Christin R. arbeitete auch auf diesem Pferdehof, galt als Freundin von Robin H. Im Oktober 2011 sollen Cornelia und Robin H. dann zu planen begonnen haben, für Christin R. Lebensversicherungen abzuschließen, bei denen Robin H. im Todesfall der jungen Frau der Begünstigte sein würde. Es waren mehrere Versicherungspolicen mit einer Gesamtsumme von rund 2,5 Millionen Euro. Und zu diesem mörderischen Komplott gehörte dann auch, die junge Frau zu ermorden.

Staatsanwalt Horstmann sprach von zwei Versuchen und einer vollendeten Tat. Der erste Versuch sei am 9. April 2012, einem Ostermontag, unternommen worden. Das junge Paar ging damals zunächst mit Christins Eltern essen. Anschließend kehrte die junge Frau allein auf den Reiterhof nach Friesack zurück und traf dort auf Robin H.s Mutter. Es folgte ein kurzes Gespräch.

Dann stach Cornelia H. der arglosen Christin R. unvermittelt mit einem Messer in den Rücken. Die Klinge drang fünf Zentimeter tief ein. Das Messer traf jedoch keine lebenswichtigen Organe. Christin R. wehrte sich, schlug und trat und konnte Cornelia H. so von weiteren Attacken abhalten.

Erstes Verfahren gegen Mutter eingestellt

Als sie kurz darauf ihren vermeintlichen Freund Robin H. anrief, log dieser, er sei mit seinem Auto in einen Unfall mit einem Radfahrer verwickelt. Wenn das geregelt sei, würde er gleich kommen. Staatsanwalt Horstmann wertete das „als Versuch, Zeit zu schinden, in der seine Mutter vielleicht nochmals Gelegenheit bekommen könnte, die Pferdewirtin zu töten“.

Später brachte er die Freundin ins Krankenhaus. Die Polizei wurde alarmiert. Bei den Beamten behauptete Cornelia H., sie habe sich in einer psychischen Ausnahmesituation befunden und aus Panik zum Messer gegriffen. Ankläger Horstmann hält das für „vorgetäuscht“. Damals jedoch wurde ihr geglaubt und das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingestellt.

Nur eine Angeklagte mit umfassendem Geständnis

Der zweite Mordversuch ereignete sich im Mai 2012. Robin H. soll dafür die 29 Jahre alte Tanja L. ausgesucht haben. Die junge Frau war nach eigenen Angaben unsterblich in den smarten Robin H. verliebt. Er habe sie „umgarnt und manipuliert“, sagte Horstmann.

Tanja L. war die Einzige, die vor Gericht ein umfassendes Geständnis ablegte. Das habe die Aufklärung dieses Falles sehr erleichtert, so der Anklagevertreter. Deswegen solle sie auch in den Genuss der sogenannten Kronzeugenregelung kommen. Das würde bedeuten, dass sie trotz ihrer Beteiligung an einem Mord und einem versuchten Mord nur eine zeitlich begrenzte Strafe bekommt. Horstmann forderte für die Fleischfachverkäuferin 15 Jahre.

Tanja L. beschrieb vor Gericht sehr glaubwürdig, wie sie von Robin H. schon kurz nach Beginn ihrer Liaison überredet wurde, sich an der Ermordung von Christin R. zu beteiligen. Er hatte ihr Kaliumchlorid gegeben, das sie der 21-Jährigen, die sie aus dem Reitstall kannte, ins Glas mischen sollte.

Tanja L. tat das auch. Es sei jedoch ein vergeblicher Versuch gewesen, sagte Staatsanwalt Horstmann. Kaliumchlorid kann zwar zum Herzstillstand führen und soll im Körper schwer nachweisbar sein. Robin H. und seine Mutter hätten bei ihren Internetrecherchen über Giftmorde jedoch übersehen, dass Kaliumchlorid nur intravenös tödlich wirken kann. „Wenn man es trinkt, ist es einfach nur eine Salzlösung“, so Horstmann.

Für 500 Euro zum Mord bereit

Nach diesem zweiten vergeblichen Versuch sollen sich Cornelia und Robin H. den Ermittlungen zufolge dann darauf geeinigt haben, einen anderen Mörder zu suchen. Beauftragt mit der Suche wurde auch Tanja L. Sie sprach mit ihrem Bruder Sven L., der damals mit dem späteren mutmaßlichen Auftragskiller Steven Mc A. zusammen wohnte.

Und Steven Mc A. erklärte sich bereit, den Mord für 500 Euro zu begehen. Er soll sich auf Facebook das Foto seines Opfers angeschaut und gesagt haben: „Die sieht ja aus wie meine Ex.“ Es sei für ihn daher kein Problem, sie zu töten. Weil Sven L. den direkten Auftrag gegeben haben soll, gilt er für die Staatsanwaltschaft als Anstifter und soll ebenfalls zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt werden.

Christin R. mit einem Seil erwürgt

Tanja L. sagte vor Gericht, dass sie sich auf Weisung von Robin H. in der Nacht zum 21. Juni 2012 mit Christin R. auf dem Parkplatz vor dem Freibad in Lübars getroffen habe. Unter dem Vorwand, sich ein Pferd kaufen zu wollen. Christin R. kam dann auch, hatte aber ein Freundin dabei. Tanja L. brach die Sache ab, telefonierte nach eigenen Angaben mit Robin H. Er habe sehr mürrisch reagiert und Tanja L. aufgefordert, Christin R. in dieser Nacht noch einmal zu einem Treffen zu überreden. Doch ein Anruf brachte nichts, das spätere Opfer ging nicht ans Telefon.

Daraufhin schickte Robin H. der Pferdewirtin eine E-Mail mit dem Hinweis, dass jemand sie dringend anrufen wolle. Das funktionierte. Diesmal kam Christin R. allein. Sie war noch immer arglos und – wie Tanja L. – noch immer schwer verliebt in Robin H. „Er hat mit ihr ja sogar noch die letzte Nacht verbracht. Mit dem Wissen, dass die junge Frau in der Nacht darauf ermordet werden soll“, sagte Horstmann.

Steven Mc A. hatte vor Gericht zugegeben, dass er tatsächlich als Auftragskiller nach Lübars gekommen sei. Dort hätte aber Robin H. die Initiative ergriffen und Christin R. umgebracht. Die Staatsanwaltschaft folgte jedoch den „durchweg glaubhaften Aussagen“ der Angeklagten Tanja L.

Sie hatte zu Protokoll gegeben, dass sie mit Christin R. gesprochen habe, Steven Mc A. plötzlich maskiert aus einem Gebüsch gesprungen und die 21-Jährige mit einem Seil gewürgt habe. Sie habe um ihr Leben gekämpft. Und er habe auf ihrem Oberkörper gekniet und gesagt: „Wie lange lebt denn diese Schlampe noch?“ Als Christin R. tot war, soll Steven Mc A. den Leichnam vor den Eingang eines Kleingartens gezerrt haben.

Der Prozess wird am 20. November 2014 mit weiteren Plädoyers fortgesetzt.