Wenn Verteidiger den vermeintlich guten Charakter ihres Mandanten allzu stark hervorheben, steht es meist nicht gut mit ihren Argumenten. Dieser Eindruck ergab sich am Donnerstag auch beim Plädoyer der Verteidiger des 26-jährigen Robert H., der als einer der Drahtzieher bei der Ermordung der 21-jährigen Pferdewirtin Christin R. gilt. „Ihr Mandant sei „ein höflicher respektvoller Mensch“, hieß es in den Plädoyers der Verteidiger. Kein Zeuge habe ihn „als hinterhältig, böse oder gewalttätig erlebt“.
Robert H. und seine ebenfalls wegen Mordes angeklagte Mutter Cornelia H. sollen für Christin R. mehrere Versicherungspolicen mit einer Gesamtsumme von rund 2,5 Millionen Euro abgeschlossen haben – mit dem Ziel, das Geld nach Christin R.s Tod zu kassieren. Die Staatsanwaltschaft hatte für Mutter und Sohn wegen Mordes und zweifachen versuchten Mordes eine lebenslängliche Freiheitsstrafe beantragt, verbunden mit der Einschätzung der besonderen Schwere der Schuld.
Robert H.s Verteidiger kritisierten den Antrag gegen ihren Mandanten und sprachen von schwerwiegenden Ermittlungsfehlern. Tenor: Die Polizei habe Robert H. sehr schnell als Haupttäter ausgemacht und nicht ordentlich weiter ermittelt. Und die Staatsanwaltschaft habe ihr Verfahren fast ausschließlich auf die Aussage der Kronzeugin Tanja L. gestützt. „Eine junge Frau, die alles tut, um ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen.“
Mordversuch: Kaliumchlorid im Sektglas
Auch Tanja L., wie Christin R. eine Geliebte von Robert H., muss sich wegen Mordes und Mordversuches verantworten. Allerdings soll die 29-Jährige auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen ihres umfangreichen Geständnisses nur zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt werden.
Mit dem ersten mutmaßlichen Mordversuch hatte Tanja L. noch nichts zu tun: Cornelia H. hatte Christin R. am 9. April 2012 unvermittelt ein Messer in den Rücken gestochen. Das Verfahren wurde damals eingestellt. Der zweite Mordversuch ereignete sich im Mai 2012. Tanja L. mischte Kaliumchlorid in das Sektglas von Christin R. Es funktioniert nicht. Kaliumchlorid wirkt nur tödlich , wenn es intravenös verabreicht wird.
Sie habe das für Robert H. getan, erklärte Tanja L. vor Gericht. Sie habe „ihn geliebt, auf eine gemeinsame Zukunft gehofft“ und sich gleichzeitig von ihm „unter Druck gesetzt“ gefühlt. „Ich habe nicht gewagt, mich zu widersetzen oder zu widersprechen.“ Tanja L. will dann auch auf Drängen von Robert H. über ihren Bruder den Mörder gesucht und gefunden haben: den 24-jährigen Steven Mc A., der Christin R. für 500 Euro im Beisein von Robert H. auf einem Parkplatz in Lübars erdrosselt haben soll.
Robert H. hatte vor Gericht die Vorwürfe bestritten. „Ich habe Christin nicht umgebracht oder geplant, sie umzubringen“, sagte er. „Ich habe sie geliebt, wollte mit ihr eine Familie gründen.“ Um die auf Christin R. abgeschlossenen Versicherungsverträge habe er sich nicht gekümmert. „Heute ist mir klar, dass ich in etwas hineingeraten bin, dass mich verdächtig macht.“ Der Prozess wird fortgesetzt.



