Reinickendorf
Prozess in Berlin

17-Jährige schwänzt Schule – Berliner Mutter vor Gericht

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Michael Mielke

Eine Schülerin aus Reinickendorf schwänzt immer wieder den Unterricht. Jetzt musste sich ihre 37-jährige Mutter wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht vor Gericht verantworten.

Janina T.* ist nicht anwesend im Saal 768 des Moabiter Kriminalgerichts. Obwohl die 17-Jährige zu den wichtigsten Personen in diesem Prozess vor einer Strafrichterin zählt. Janina T. hat zwischen September 2010 und September 2013 immer wieder den Unterricht in der Jean-Krämer-Schule in Reinickendorf geschwänzt. Angeklagt ist am Donnerstag nun ihre Mutter. Die 37-jährige Carmen T.* muss sich wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht verantworten.

Carmen T. will aussagen. Die gelernte Pflegerin für Menschen mit Behinderung spricht hastig. An jedem Satz der alleinerziehenden Mutter – sie hat noch einen siebenjährigen Sohn – ist Überforderung zu hören: Probleme mit Janina habe es seit ihrem 13. Lebensjahr gegeben, sagt sie vor Gericht. Anfangs habe sie stundenweise in der Schule gefehlt, später habe sich das Schwänzen über Wochen hingezogen.

„Ich habe alles versucht, meine Tochter zu bewegen, in die Schule zu gehen“, sagt Carmen T., die seit fünf Jahren von Hartz IV lebt. Nicht selten habe sie die Tochter bis zur Schule begleitet „und gewartet, dass sie das Gebäude betritt“. Janina sei dann später wieder abgehauen.

In ihrer Verzweiflung, sagt Carmen T., habe sie sich ans Jugendamt gewandt. Einige Wochen versuchte eine Familienhelferin, sich zu kümmern – ohne Erfolg. Sogar ein Familienrichter habe sich mit dem Fall beschäftigt. Auch der habe resigniert.

Carmen T.: „Ich weiß nicht, wo sie ist“

Die als Zeugin geladene ehemalige Klassenlehrerin von Janina bestätigt vor Gericht, hier sei „das Kind in den Brunnen gefallen“. Auch ihr sei es nicht gelungen, mit der Schülerin richtig ins Gespräch zu kommen. Äußerlich habe man ihr nichts angemerkt: „Wenn sie mal kam, war sie immer gut gekleidet, hatte sich das Gesicht zurecht gemacht.“

In einem Gespräch habe sie gesagt, sie wolle das Abitur machen und Rechtsanwältin werden. „Ich war mir nicht sicher, ob sie mich nicht nur durch den Kakao ziehen wollte“, so die Lehrerin. „Was haben Sie als Ursache für das Schwänzen gesehen?“, fragt die Richterin. Die Lehrerin: „Auf den Schulversäumnisanzeigen habe ich immer ‚Null-Bock-Mentalität‘ angekreuzt.“

Der Prozess wird am 16. Dezember fortgesetzt. Die Richterin möchte eine weitere Lehrerin hören. Ob Janina dann mitkommt, ist zu bezweifeln. „Sie ist gestern nicht nach Hause gekommen, und ich weiß nicht, wo sie ist“, sagt Carmen T.

*Namen geändert