Bildungspolitik

Zahl der Schulschwänzer ist in Berlin wieder gestiegen

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Regina Köhler

Foto: Arno Burgi / dpa

Damit Schüler nicht mehr so häufig dem Unterricht fernbleiben, plant der Senat strengere Regeln: Lehrer müssen Fehltage umgehend melden. Und bei einer Anzeige soll auch das Jugendamt informiert werden.

In Berlin ist die Zahl der Schulschwänzer erneut gestiegen. Im Schuljahr 2012/13 fehlten 3500 Schüler an mehr als zehn aufeinanderfolgenden Tagen unentschuldigt. Dabei handelt es sich um Schüler der siebten bis zehnten Klassen. Am häufigsten schwänzen demnach Schüler der Sekundarschulen den Unterricht. Hinzu kommen 289 Grundschüler der Klassen fünf bis sechs.

Das geht aus der aktuellen Statistik der Senatsbildungsverwaltung hervor. 630 Oberschüler fehlten sogar mehr als 40 Tage unentschuldigt. In den Gymnasien wurden weiterhin die geringsten Fehlquoten ermittelt.

Im Vorjahr wurden 2903 Schulversäumnisanzeigen gestellt. Derartige Anzeigen müssen die Schulen dann machen, wenn ein Kind oder Jugendlicher an mehr als zehn aufeinanderfolgenden Tagen unentschuldigt fehlt.

„Schulschwänzen ist eine Gefährdung des Kindeswohls“

Der SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck sieht dringenden Handlungsbedarf. Auf seine Initiative hin verabschiedete die SPD–Fraktion kürzlich einen Antrag zur konsequenten Durchsetzung der Schulpflicht. Die CDU unterstützt diesen Plan, der klare Regeln vorsieht. Die strengeren Vorschriften sollen verbindlich für alle Bezirke gelten. „Schulschwänzen ist eine Gefährdung des Kindeswohls, deshalb ist schnelles Handeln wichtig“, sagt Langenbrinck.

Die Forderungen der SPD: Bereits nach fünf nicht zusammenhängenden unentschuldigten Fehltagen innerhalb eines Schuljahres soll eine sogenannte Schulversäumnisanzeige gestellt werden. Diese Praxis soll in allen Bezirken gleichermaßen gehandhabt werden. Wichtig sei außerdem, dass mit einer solchen Anzeige sofort auch das Jugendamt und der schulpsychologische Dienst informiert werden, so die SPD-Fraktion. „Die zuständigen Behörden müssen besser zusammenarbeiten“, ist der Abgeordnete Langenbrinck überzeugt.

Auch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sieht in der „konstant hohen Zahl“ der Schulschwänzer ein großes Problem. „Wir müssen auch die Eltern stärker in die Pflicht nehmen“, sagt Scheeres. Jedes Elternteil sei dafür verantwortlich, dass sein Kind in der Berliner Schule ankomme und am Unterricht teilnehme. Die Schule wiederum habe die Pflicht, Eltern sofort zu informieren, wenn ein Kind nicht zum Unterricht erscheine. „Vom ersten Tag an“, so die Bildungssenatorin.

Ab erstem Fehltag müssen Lehrer Kontakt mit Eltern aufnehmen

Scheeres setzt vor allem auf Prävention. An den Sekundarschulen gehöre dazu das Angebot des „produktiven Lernens“, erklärt sie. Mit einem besonders hohen Praxisanteil trage diese Unterrichtsform dazu bei, bei den Schülern eine Perspektive für einen künftigen Beruf zu entwickeln. „Das bindet Jugendliche an die Schule“, sagt Scheeres.

Dieses Angebot werde dazu führen, dass die Zahl der Schulschwänzer abnehme. Sie weist darauf hin, dass Lehrer seit dem vergangenen Schuljahr noch schneller reagieren müssen. Schon vom ersten Fehltag an müssen die Pädagogen Kontakt mit den Eltern der betreffenden Schüler aufnehmen. Vorher bestand diese Pflicht erst nach drei Fehltagen. Der Schulleiter der Liebig-Sekundarschule in Neukölln, Reinald Fischer, bestätigt, dass das Fach „produktives Lernen“ dazu beitrage, dass Schüler seltener die Schule schwänzten.

Erst in der vergangenen Woche hatte ein Berliner Gericht eine 44 Jahre alte Mutter zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt, weil ihr Sohn permanent der Schule fernblieb. Das Gericht warf der Frau vor, äußerst grob ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht verletzt zu haben. Sie hatte auf zahlreiche Schreiben der Schule ihres 17 Jahre alten Sohnes und auch auf Mahnungen der zuständigen Behörden nicht reagiert.