2026 startet für die Berliner Clubszene mit einer guten Nachricht: Das Jonny Knüppel in Prenzlauer Berg konnte vor dem Aus bewahrt werden. „Wir haben so viel positives Feedback bekommen. Das hat sich sehr gut angefühlt“, berichtet Clubinhaber Jakob Turtur im Gespräch mit der Morgenpost. Seit acht Jahren betreibt er mit einem Kollektiv den Club an der Lilli-Henoch-Straße auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs.

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Anfang Dezember hatte das Kollektiv auf Instagram verkündet, dass das Jonny Knüppel „finanziell am äußersten Rand“ stehe. Innerhalb kurzer Zeit sammelte der Beitrag tausende Likes, hunderte Menschen drückten in den Kommentaren ihre Solidarität und Trauer über das drohende Ende aus. Bei einer Soli-Party kurz vor Weihnachten sollten Einnahmen und Spenden gesammelt werden, um den Club zu retten.

Spenden und Support für „Jonny Knüppel“: Clubbetrieb geht weiter

Mit Erfolg: „Die Soli-Party hat uns vorerst gerettet“, erklärt Turtur gegenüber unserer Redaktion. Viele Menschen hätten mit Spenden unterstützt, Mitarbeitende umsonst Schichten gearbeitet, DJs auf ihre Gagen verzichtet. Hunderte Menschen gaben alles, damit der Club nicht schließen muss.

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Das Clubsterben ist seit Jahren eines der großen Themen der Berliner Kulturszene. Erst im November musste das SchwuZ an der Rollbergstraße in Neukölln nach 48 Jahren den Betrieb aufgeben. Für viele Menschen, insbesondere aus der queeren Community, fiel damit eine geschichtsträchtige Institution weg, die vielen als sicherer Ort zum Feiern und Tanzen diente.

Jonny Knüppel
Im Club „Jonny Knüppel“ feiern Menschen in Containern auf dem Gelände eines alten Güterbahnhofs. Jakob Turtur und Lorenz leiten den Club und sind Mieter des Areals, auf dem weitere Kollektive ansässig sind.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Das Jonny Knüppel soll nicht das gleiche Schicksal ereilen, da sind sich Clubgänger und Kollektiv einig. Die Betreiber bauen den Club, der in Containern errichtet wurde, derzeit um. Im März soll der Clubbetrieb weitergehen. „Momentan sieht es so aus, als hätten wir die nächste Sommersaison noch. Alles Weitere steht in den Sternen“, so Turtur. Denn schon jetzt ist klar: Lang wird es an der Greifswalder Straße nicht mehr weitergehen.

Baustart am Thälmann-Park erwartet: Club war „immer nur Zwischennutzung“

Grund für das absehbare Ende ist ein seit Jahren geplantes Bauprojekt. Und eine Abmachung zwischen dem Verein Disko Babel, der das Gelände verwaltet, und dem Grundstücksbesitzer, die bereits beim Einzug des Clubs getroffen wurde: Investor Christian Gérome, dem das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs gehört, plant dort gemeinsam mit der Stadt den Bau von mehreren Hundert Wohnungen. Auch eine angrenzende Drehscheibenschule soll entstehen.

„Die Wohnungsnot in Berlin hat einen höheren Stellenwert als ein Club.“

Jakob Turtur, Inhaber vom „Jonny Knüppel“ und Vorstand des Vereins Disko Babel

„Der Club war an diesem Ort immer nur als Zwischennutzung gedacht“, so Turtur, der auch Vorstand von Disko Babel ist. Als die Miete an der früheren Location in Kreuzberg beendet wurde, hatte man sich mit Gérome darauf geeinigt, dass das Jonny Knüppel sich bis zum Baustart an der Greifswalder Straße niederlassen darf. Dass das irgendwann ein Ende hat, war allen Beteiligten immer klar. „Die Wohnungsnot in Berlin hat einen höheren Stellenwert als ein Club. Wir stehen dem nicht im Weg”, betont Turtur.

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Zuletzt prüften Bezirk und Senatsverwaltung, ob bei dem Bauvorhaben der „Bauturbo“ zur Anwendung kommen könnte. Das berichtete Pankows Baustadtrat Cornelius Bechtler (Grüne) im Oktober auf Morgenpost-Anfrage. Damit könnte der Baustart deutlich schneller kommen als ursprünglich gedacht. Sobald die Baugenehmigung erteilt sei, wolle man Konkretes zum Baubeginn und der geplanten Fertigstellung des Wohnprojektes verkünden, hieß es.

„Jonny Knüppel“: Betreiber offen für Umzug und neue Location

Wann im Jonny Knüppel die letzte Party steigt, hängt also vom Baubeginn ab – „und ob wir dann irgendwo anders weitermachen können”, so Turtur. Das Jonny Knüppel beschäftigt derzeit elf Festangestellte, im Sommer sind es sogar bis zu 80 Mitarbeitende. „Wir haben ein super Team, das aufzubauen dauert lange und ist ein großes Plus.“

Logistisch stellt ein Umzug kein Problem dar: „Wir haben unseren Club in Containern gebaut – das heißt, wir können ihn quasi einfach einpacken und mitnehmen.“ Lediglich ein neuer, passender Ort zum Aufbau der Container fehlt noch. Und das Geld. Aktuell verfügt das Jonny Knüppel über keine Rücklagen, um einen Umzug zu finanzieren und den weiteren Betrieb für die Zukunft zu sichern.

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Zumindest an der Motivation mangelt es dem Kollektiv nicht. „Bock haben wir alle, denn wir glauben fest an die Berliner Musikkultur und die Szene“, sagt Turtur. „Es ist wichtig, dass es weiterhin Orte wie das Jonny Knüppel gibt, die sich nicht von kommerziellen Zielen leiten lassen.“

2015 startete das Jonny Knüppel erstmals am Schleusenufer in Kreuzberg, wo sich heute ein Sportareal von Adidas befindet. 2018 folgte dann der Umzug auf das Areal nahe der Greifswalder Straße.