Die Heinz-Brandt-Schule in Weißensee ist die am stärksten nachgefragte Integrierte Sekundarschule (ISS) in ganz Berlin. In diesem Jahr bewarben sich 315 Kinder auf einen Platz an der Schule – dabei ist nur Raum für 104. Um mehr Schülerinnen und Schüler aufnehmen zu können und der großen Schulplatznot im Bezirk gerecht zu werden, will die Stadt einen Modularen Ergänzungsbau (MEB) auf dem Schulhof errichten. Damit soll die Schule fünf- statt wie bisher vierzügig werden.

Donnerstag
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Doch die Schule sowie Umweltschützer sind dagegen. Für den Bau müssten zehn Bäume gefällt werden, zudem würde sich der Schulhof durch den Neubau deutlich verkleinern. Dieser sei laut Schulleitung bereits jetzt zu klein für die etwa 500 Schülerinnen und Schüler. Trotzdem bleibt die Stadt bei ihren Plänen.
Der Gesamtelternvertreter David Kißling will dagegen vorgehen – und reichte in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am Mittwoch einen Dringlichkeitsantrag für sein Anliegen ein. Unterstützt wurde er dabei von der Grünen-Fraktion im Bezirk.
Heinz-Brandt-Schule: Elternvertreter und Grüne wollen Bäume retten
Elternvertreter Kißling und die Grünen fordern das Bezirksamt auf, ein tragfähiges Brandschutzkonzept während und nach der Bauphase vorzulegen. Außerdem soll das Bezirksamt alternative Lösungen prüfen, um den geplanten MEB in seiner jetzigen Form zu umgehen. So solle geprüft werden, ob man bereits zu 2026 weitere Schulplätze schaffen könne, indem man auf Filiallösungen zurückgreift, also die Schülerschaft auf mehrere Standorte verteilt.
Darüber hinaus sollen die Verhandlungen mit der Discounter-Kette Lidl wieder aufgenommen werden. Lidl besitzt gegenüber der Heinz-Brandt-Schule einen Standort. In der Vergangenheit wurde bereits diskutiert, ob auf dem Gelände ein zusätzliches Gebäude für die Schülerschaft gebaut werden könne. Auch ein Ankauf des Areals oder eine Enteignung standen im Raum. Man solle „alles möglich machen für Baumerhalt und Schulplätze“, heißt es in dem Antrag von Elternvertreter und Grünen. Hauptsache, die jetzigen Planungen samt Baumfällungen werden verhindert.

„Auch wenn Pankow ein aktuelles Defizit von 3000 Oberschulplätzen hat, sinken die Schüler*innenzahlen perspektivisch wieder. Das zeigt sich auch daran, dass derzeit rund 2900 Kitaplätze in Pankow nicht belegt sind“, heißt es weiter. „Jetzt parallel auf zwischen- und weiter nutzbare Gebäude zu setzen, minimiert später den Leerstand.“
Die Dringlichkeit des Antrags begründete der grüne Bezirksverordnete Oliver Jütting damit, dass eine für Anfang November geplante Brandschutzschau auf dem Schulgelände nicht stattgefunden habe. Doch nach Abstimmung der anwesenden Bezirksverordneten aller Parteien wurde der Dringlichkeitsantrag abgelehnt. Für die Elternvertretung der Heinz-Brandt-Schule bedeutet das, dass ihr Anliegen erst bei der nächsten Versammlung besprochen wird. Zu spät für die Baumfällungen?
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Schulstadtrat für Neubau an Heinz-Brandt-Schule: „Schulplatznot im Bezirk ist eklatant“
Pankows Schulstadtrat Jörn Pasternack (CDU) verteidigte die Baupläne in der Versammlung am Mittwochabend. Es seien in den vergangenen Jahren bereits sämtliche Alternativen geprüft worden. Lidl habe einen Verkauf abgelehnt. Die aktuelle Planung sei aus Baumschutzsicht die „verträglichste“, da immerhin zwei der alten Bäume erhalten bleiben könnten. Dass der MEB kommt, sei unausweichlich. „Die Schulplatznot im Bezirk ist eklatant“, so Pasternack.
Mit dem 12-Raum-Neubau sollen rund 100 zusätzliche Schulplätze geschaffen werden. Außerdem solle er Erleichterung schaffen, da die Schule bereits jetzt mit einer Überbelegung zu kämpfen habe. Die Kosten für den Ergänzungsbau belaufen sich laut Pasternack auf rund 12 Millionen Euro.

Nach Baumentscheid: Geplante Baumfällungen sorgen für Unverständnis
Die für den Bau geplanten Fällungen der gesunden Bäume sorgen insbesondere angesichts des erst jüngst beschlossenen Berliner Baumgesetzes für Unverständnis. Demnach sollen bis 2040 insgesamt eine Million gesunde Bäume in der Stadt stehen. „Dem BäumePlus-Gesetz und dem dringenden Bedarf von mehr Grünflächen und Klimaanpassung im Sanierungsgebiet ist es schwer vermittelbar, zehn große und alte Bäume zu fällen und weitere Flächen zu versiegeln“, schreiben die Antragstellenden.
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Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) spricht gar von einem „Paradebeispiel schlechter Politik“. Erst 2019 hatte der Außenbereich der Schule den Berliner Schulgartenwettbewerb gewonnen. Die teils 100-jährigen Bäume spenden im Sommer Schatten, an heißen Tagen findet auf dem Schulhof Unterricht statt. Durch einen Neubau würde der Schulhof deutlich verkleinert. „Das wäre katastrophal für unsere Schülerinnen und Schüler“, sagte Schulleiterin Miriam Pech kürzlich im Morgenpost-Gespräch.
„Als Bezirksverordneter stehe ich an der Seite der Schüler*innen und der Bäume der Heinz-Brandt-Schule. Wir brauchen mehr gute Schulplätze mit Zugang zu Sport- und Aufenthaltsflächen in Pankow und wir müssen die vorhandene Stadtnatur erhalten“, so der Grünen-Verordnete Can Aru gegenüber der Morgenpost.
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Antrag auf Baumfällungen eingereicht, aber noch nicht genehmigt
Trotz des abgelehnten Dringlichkeitsantrags sagte Aru, es sei „positiv, dass der Antrag im Sinne der Bürger*innen nun im Geschäftsgang ist und wir als BVV darüber beraten werden“. Das wird jedoch erst in der Versammlung am 10. Dezember passieren. Können die Bäume bis dahin schon gefällt sein? Ja, sagte Schulstadtrat Pasternack am Abend gegenüber unserer Redaktion. Ein Antrag auf Fällung ist bereits eingereicht, nur die Genehmigung steht noch aus. Die Fällungen könnten noch in den nächsten Wochen stattfinden – wahrscheinlicher sei jedoch ein Termin im Januar.
Aus Sicht von Pasternack ist der MEB-Bau unausweichlich, der Prozess schon zu weit fortgeschritten. Wenn zum jetzigen Zeitpunkt noch über Alternativen gesprochen werde – „da springe ich im Viereck“, so der CDU-Politiker.






