„Was lange währt, wird endlich gut. Ich glaube, jetzt ist es gut geworden.“ Johannes Wieczorek, Staatssekretär für Mobilität und Verkehr, teilte diesen Optimismus am Dienstag im Roten Rathaus mit Bausenator Christian Gaebler (SPD). Gemeinsam stellten sie der Hauptstadtpresse den neuesten Stand zum „größten zusammenhängenden Wohnbauprojekt in Berlin vor“, wie Gaebler sagte. Die Rede ist vom Blankenburger Süden in Pankow.

Donnerstag
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Ab 2029 sollen 8600 Wohnungen landeseigener und privater Unternehmen in einem Entwicklungsgebiet von 160 Hektar Größe realisiert werden. Das Mega-Projekt ist damit das wuchtigste der sechs geplanten Zukunftsquartieren des Bezirks, die mit insgesamt 24.700 Wohneinheiten Berlins akutem Wohnraummangel entgegenwirken soll. Viele Fragen zum Blankenburger Süden blieben bisher offen. Und viele sind es auch weiterhin, da die 2016 begonnen Vorplanungen bis Herbst andauern sollen, erst danach Bebauungspläne erarbeitet werden. Und doch nimmt der Zukunftskiez klarere Konturen an.
Großprojekt Blankenburger Süden in Pankow: Von Süd nach Nord
Los gehen sollen die Bauarbeiten für den ÖPNV-Ausbau sowie das nutzungsgemischte, klimagerecht und nachhaltig gestaltete Quartier im Jahr 2029. Es soll über ökologisch hochwertige Grün- und Freiräumen, Straßenbahnbetriebshof, Bildungseinrichtungen, Grün-, Sport- und Freizeitflächen verfügen. Außerdem im Zentrum über einen großen Anger, ein Stadtteilzentrum und diverse Einkaufsmöglichkeiten, eine Bibliothek, Musikschule und Volkshochschule.
Der Wohnungsbau beginnt auf Teilfläche eins, am Ortskern Heinersdorf auf dem Gelände der Alten Gärtnerei, mit 600 Wohnungen. Sie sollen schon nach 1,5 bis zwei Jahren bezugsfertig sein. Weiter gehen soll es Richtung Norden im Gewerbegebiet Heinersdorf, Teilfläche zwei, mit durchmischter Nutzung, Gewerbe und Wohnen, und bis zu 4000 Wohnungen. Und schließlich sollen Bagger und Kräne die ehemaligen Rieselfelder bis hin zum Blankenburger Pflasterweg, Teilfläche drei, erreichen, spätestens 2032. Auch hier sollen 4000 Wohnungen entstehen.
Das gegenüber dem Senatsbeschluss aus dem Jahr 2021 überarbeitete Strukturnutzungskonzept solle „Auflockerung und eine bessere Quartiersmischung insgesamt“ ermöglichen, versprach Gaebler. Ursprünglich seien 8000 Wohnungen alleine auf den Rieselfeldern vorgesehen gewesen, das Gewerbegebiet sollte gänzlich Gewerbegebiet bleiben. Doch die privaten Eigentümer dort setzten sich mit der Forderung nach einem gemischten Quartier durch.
Die Geschosswohnbauten sollen in verschiedenen Höhe entstehen. Sieben- bis Achtgeschosser, „auch mal ein Hochpunkt mit zehn Geschossen“, so der Bausenator. Man wolle nicht zu viele Flächen versiegeln, dafür höher und dichter bauen. Wie viel in Holzbauweise, entscheide sich durch weitere Ausschreibungen, so Gaebler, der von „50 Prozent, vielleicht sogar mehr“ ausgeht.

Schule an Heinersorfer Straße weiterhin eingeplant
„Geplant sind zwei vierzügige Grundschulen, eine integrierte Sekundarschule, ein sechszügiges Gymnasium und ein Förderzentrum für geistige Entwicklung“, erklärt Gaebler. Auf Nachfrage bestätigt er, dass dazu auch die Schule an der Heinersdorfer Straße gehört, deren Bau wegen klammer Kassen verschoben wurde. „Wenn wir uns langsam nach Norden vorgearbeitet haben, ist es 2033/34, bis dahin kann die Schule auch gebaut werden“, so der Bausenator. Ob es sein könne, dass es anfangs zu wenig Schulplätze geben wird? „Nein, das heißt es nicht, jedenfalls nicht zwingend.“
Bezahlbares Wohnen auf Grundlage der WBS-Förderung in drei Stufen (7 Euro / 9,50 Euro / 11,50 Euro pro Quadratmeter nettokalt) soll in einem großen Teil der Wohnungen ermöglicht werden. Für das Gewerbegebiet mit seinen privaten Eigentümern gilt das für 30 Prozent der Wohneinheiten. Auf den ehemaligen Rieselfeldern, dessen 4000 Wohnungen von landeseigenen Gesellschaften gebaut werden, sogar für 50 Prozent.
Verkehr rund ums Mega-Quartier: 3,3 Kilometer Straßenbahn-Verlängerung
Staatssekretär Johannes Wieczorek skizzierte im Roten Rathaus das Verkehrskonzept. 80 Prozent des Verkehrs sollen ÖPNV, Fuß- und Radwege ausmachen, nur 20 Prozent der Autoverkehr. „Die Idee ist, dass motorisierter Individualverkehr sich in oberirdischen Quartiersgaragen abbildet. Wer da hinzieht, weiß, dass er nicht vor der eigenen Haustür parken kann, sondern einen kleinen Fußweg in Kauf nehmen muss.“
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Zentral ist die Verlängerung der Straßenbahnlinie M2, über die Anwohnende lange gestritten haben. „Es gab Aufregung um die Frage, wie die Straßenbahn zum Bahnhof Blankenburg kommt“, sagt Gaebler. Eine Streckenführung durch die Erholungsanlage Blankenburg sei vom Tisch. Wo genau es lang gehe, müsse man sehen. Nun gehe es ums „Feintuning“, darum, wo genau Haltestellen und Kehranlage stehen sollen. Klar ist: Die Trasse, zu der parallel auf gleicher Länge ein Radweg gebaut werden soll, wird circa 3,3 Kilometer lang sein und „überwiegend als besonderer Bahnkörper“ verlaufen, also abseits des sonstigen Straßenverkehrs.
Mit der U10 über Alexanderplatz nach Buch?
Sie soll über den Ortskern Heinersdorf ins Gewerbegebiet und in das Quartierszentrum auf dem ehemaligen Rieselfeld bis zur Heinersdorfer Straße führen, und „perspektivisch da sein“, wenn die Bauarbeiten auf der letzten Teilfläche starten. Wieczorek wünscht sich zum Einzug der ersten Mieter „die Straßenbahn vor der Haustür“.
Die Verlängerung diene auch als Zuführungsstrecke für den neuen Straßenbahn-Betriebshof auf dem Quartiersgelände. „Der wird von BVG benötigt, um zunehmende Verkehrsleistung durch zusätzliche Strecken, dichtere Takten und größere Fahrzeuge erbringen zu können“, so der Staatssekretär.
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„Das Nutzungskonzept berücksichtigt auch eine mögliche Verlängerung der Bahnlinie U9 von Osloer Straße über Pankow-Heinersdorf bis Blankenburger Süden“, sagt Wieczorek außerdem. Perspektivisch werde gar an die U10 gedacht, „die zu einem späteren Zeitpunkt aus Richtung Alexanderplatz und Weißensee nach Buch führen kann.“ 2023 kam von der damaligen Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) der Vorstoß, den Bau dieser Linie prüfen zu lassen.





