Prenzlauer Berg, das ist nicht nur berühmtes Synonym für Gentrifizierung, Gründerzeitviertel und Boutiquen. Auch als Ausgehviertel ist der südlichste Pankower Ortsteil mit seinen unzähligen Restaurants und Bars bekannt und lockt Berliner wie Touristen an. An einem jedoch hat Prenzlauer Berg über die Zeit eingebüßt: manch geliebtem Club.

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Während Berlin international als pulsierende Club-Metropole verehrt und frequentiert wird, und Partyhungrige von überall her sich insbesondere in Kreuzberg, Friedrichshain, Mitte, aber auch Lichtenberg und Charlottenburg in angesagte Adressen drängen, ist – oder wurde – Prenzlauer Berg hier auffällig ruhig. Der Ortsteil ist wie viele seiner Einwohner, die sich einst als Studenten und junge Akademiker niederließen und Familien gründeten, aus der Sturm-und-Drang-Phase erwachsen, könnte man meinen. So manch legendäre Institution jedenfalls hat dicht gemacht oder ist weggezogen. Die Morgenpost erinnert sich an einige der größten Clubs im Prenzlauer Berg von damals – und wirft einen Blick auf die Club-Kultur von heute.

Knaack-Klub: Wo schon Rammstein spielten

Der Knaack Klub an der Greifswalder Straße bleibt für viele auch lange nach der Schließung der Inbegriff der Club-Szene in Prenzlauer Berg. Nach dem Widerstandskämpfer Ernst Knaack benannt, deckte der mehrgeschossige Club mit seinen zuletzt vier Tanzflächen sämtliche Musikgenres von Rock bis Techno ab und lockte ein vielfältiges Publikum an. Bereits 1952 eröffnet und seit 1973 ein Jugendclub mit Discothek gewesen, wandelte sich der Knaack-Klub nach der Wende zur Discothek westlichen Vorbilds mit mehreren Dancefloors. Hinzu kam eine Fläche für Konzerte, auf der vor ihrem großen Durchbruch neben vielen anderen Interpreten, vor allem aus dem Rock-Genre, auch heutige Superstar-Bands wie Rammstein und Die Toten Hosen spielten. Ruhiger ging es in der Dizzy Lounge bei Billard und Karaoke zu. Der Anfang vom Ende kam 2009, als Mieter eines neu errichteten Wohnhauses wegen Lärmbelästigung vor Gericht gingen. Das letzte Event gab es an Silvester 2010, da die Betreiber keine Möglichkeit sahen, den Betrieb bei weitaus geringerem Lärmpegel aufrechtzuerhalten. Als „Knaack Kulturhaus“ soll die Institution an der Eberswalder Straße eines Tages wiedereröffnen – nur ist noch völlig unklar, wann.

Eingangsbereich vom Knaack-Klub: Hier drängte sich bis zur Schließung im Jahr 2010 das wartende Partyvolk.
Eingangsbereich vom Knaack-Klub: Hier drängte sich bis zur Schließung im Jahr 2010 das wartende Partyvolk.© Steffen Pletl | Steffen Pletl

Magnet Club: Umgezogen, umbenannt, geschlossen

In den ehemaligen Räumlichkeiten eines DDR-Bekleidungsherstellers eröffnete im Jahr 2001 der Magnet Club in der Greifswalder Straße mit zwei Floors und Außenbereich und wurde schnell zur Anlaufstelle für Fans von Rock, Indie, Elektro und Hip-Hop. 2010 musste der Club einem Biomarkt weichen und in die Falckenstraße in Kreuzberg ziehen. Er behielt zwei Tanzflächen, wurde aber größer. 2015 schließlich übernahmen neue Betreiber sowohl den Magnet Club als auch den benachbarten Comet Club. Sie wurden zusammengelegt und zu Musik & Frieden umbenannt. Dieser Nachfolger schloss seine Tore im Jahr 2022.

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Mensch Meier: Linksalternativer Club mit Razzia-Skandal

2015 erschien das in einer ehemaligen Lagerhalle beheimatete Mensch Meier auf Prenzlauer Bergs Party-Landkarte. In der Storkower Straße, in einem Industriegebiet an der Grenze zu Lichtenberg, zuhause, lag der Schwerpunkt des Clubs mit seinen drei Dancefloors musikalisch auf Techno und House. Betrieben von Partymachern des Fusion-Festivals und dem „Verein zur Förderung von kulturellem Tatendrang“ hatte der Club seine politischen Wurzeln linksaußen und veranstaltete, ähnlich wie das About Blank, immer wieder Soli-Partys, beispielsweise zu Themen wie ziviler Seenotrettung. Für Aufregung sorgte eine Polizei-Razzia im März 2019, um mögliche Schwarzarbeitsverhältnisse zu prüfen. Hierbei kam es zu Tumulten und Verletzten unter Besuchern und Polizisten, die anfangs in Zivil unterwegs waren. Die Folgen der Corona-Pandemie wurden dem Mensch Meier zum Verhängnis. Im Januar 2024 fand hier die letzte Party statt, ehe der benachbarte Anomalie Art Club die Räumlichkeiten übernahm.

Clubs in der Kulturbrauerei: Kesselhaus, Soda, Frannz Club, Alte Kantine

Absolutes Club- und Party-Zentrum in Prenzlauer Berg ist heute zweifellos die Kulturbrauerei im Kollwitzkiez. In den Mauern des Industriearchitektur-Denkmals sind neben Kino, Theater und Gastronomie eine ganze Reihe Clubs und Veranstaltungsstätten ansässig, darunter mit dem 1999 eröffneten Soda Club eine der größten Diskotheken Berlins: Ein durchmischtes und im Zweifel eher junges Publikum tanzt hier auf fünf Floors zu sämtlichen Genres. Im Frannz Club wird auf drei Tanzflächen zu verschiedenen Musikrichtungen zelebriert. An jedem ersten und dritten Samstag im Monat findet hier übrigens mit der „Schönen Party“ ein Event mit älterem Publikum statt – die meisten Gäste sind dann zwischen 30 und 60 Jahre alt. Komplettiert wird das Club-Angebot in der Kulturbrauerei vom rau-industriellen Kesselhaus, in dem hauptsächlich Musik-Events locken, sowie der Alten Kantine mit Tanzpartys, aber auch Varietéveranstaltungen, Diskussionen und Ausstellungen.

Aus der Reihe getanzt: Während der Popkomm 2008 fand im Soda Club in Prenzlauer Berg auch mal ein Salsa-Abend statt.
Aus der Reihe getanzt: Während der Popkomm 2008 fand im Soda Club in Prenzlauer Berg auch mal ein Salsa-Abend statt.© picture alliance/ ZB | al_ae

Dunckerclub: Etablierte Adresse für Rock- und Gothic-Fans

Einen scharfen Kontrast zu den Berliner Mainstream- und Techno-Clubs bietet der in einem über hundert Jahre alten und unter Denkmalschutz stehenden Gebäude beheimatete Dunckerclub in Prenzlauer Berg. Die kleine, schon 1983 als DDR-Jugendclub gestartete Adresse in der gleichnamigen Dunckerstraße, mit Platz für bis zu 250 Gäste, ist vor allem eine beliebte Anlaufstelle für Rock- und Hard-Rock-Fans, mit seinen seit 1993 stattfindenden Montagsveranstaltungen aber auch für die Gothic- und Deathrock-Szene. Neben Club-Nächten finden hier Konzerte statt.

Anomalie Art Club: Kunstvolles Multitalent

Der Anomalie Art Club in der Storkower Straße versteht sich als vielfältige Event-Location für elektronische Musik, Kunstausstellungen und Filmveranstaltungen. Anfang 2024 wurden die Räumlichkeiten des benachbarten Mensch Meier übernommen und die Fläche damit beträchtlich erweitert. Im Anomalie Art Club mit seinen eindrucksvollen visuellen Designs geben sich internationale Techno-DJs die Klinke in die Hand, bei schönem Wetter finden ab und an Raves im großen Außenbereich statt. Aufgrund der Vielzahl an Events aus verschiedenen Bereichen sollte vor dem Besuch unbedingt ein Blick auf das Programm geworfen werden.

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