Ein Team der Berliner Clubkommission hat eine Gesamtstrategie für das Berliner Nachtleben entwickelt. Mit dutzenden Interviews, mit Karten und Fakten zur Berliner Nachtökonomie. Und einem dicken Forderungskatalog.

„Das ist der Startpunkt für künftige Entwicklungsschritte“, betonte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) bei der Präsentation der Strategie am Freitagabend im Club der Visionäre. Ihre Senatsverwaltung hatte die Studie in Auftrag gegeben und mit 50.000 Euro gefördert. Damit sei nun zum ersten Mal strukturiert an das Thema herangegangen worden, betonte Giffey.

Clubkommission fordert Forum zur Berliner Nachtökonomie

Zehn Handlungsempfehlungen haben die Autoren der Studie formuliert, ihnen sind jeweils mehrere Forderungen zugeordnet. Die Forderungen im Überblick:

  1. Gründung eines Forums der Nachtökonomie: Mit finanzieller Unterstützung soll ein Gremium zur Förderung der Nachtökonomie entstehen.
  2. Öffentlich-private Partnerschaft zur Immobiliennutzung: Es soll Netzwerkveranstaltungen geben, Zwischennutzungen sollen erleichtert werden.
  3. Verbesserung von Arbeitsbedingungen: Die Einrichtung eines Awareness-Beauftragten wird vorgeschlagen. Awareness-Beauftragte sind Ansprechpartner, wenn es etwa um Diskriminierung oder sexuelle Übergriffe geht. Einzelne Clubs haben diese Ansprechpartner bereits.
  4. Förderung kleiner Spielstätten: Alternative Veranstaltungsorte sollen her, Fördermittel für bestehende Kulturbetriebe sollen erhöht werden. Auch ein Talentfonds wird vorgeschlagen, der durch eine Abgabe von Unternehmen der Nachtökonomie entstehen soll.
  5. Schutz vor Lärmkonflikten: Der Schallschutzfonds soll ausgebaut und Lärmbeschwerden besser analysiert werden.
  6. Vielfalt in der Musik- und Veranstaltungsbranche: Eine Monopolisierung soll vermieden, kleine und unabhängige Unternehmen stattdessen gefördert werden.
  7. Liaison „Nachtleben“ bei der BVG: Die Stelle soll für eine bessere Kommunikation und mehr Sicherheit sorgen, außerdem sollen Infrastruktur und Serviceleistungen im Nachtverkehr verbessert werden.
  8. Förderung eines nachhaltigen Tourismus: Künstlerinnen und Künstler sollen zu Stadtbotschafterinnen und Stadtbotschaftern werden.
  9. Gesetzesänderungen zur Nachtökonomie: Es sollen Sondergebiete entstehen, in denen es größere Freiheiten für Akteure der Nachtökonomie gibt.
  10. Gesellschaftliche Verankerung der Nachtökonomie: Es soll Informationskampagnen für Anlieger und Besucher geben, um Verständnis und Respekt zu fördern.

Was von diesem breiten Forderungskatalog tatsächlich umgesetzt werden kann, soll laut Giffey nun ausgehandelt werden. „Wir müssen schauen, was wir realisieren können“, sagte sie.

Lutz Leichsenring, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der Clubkommission, verwies zudem darauf, dass es für eine tiefere Analyse der Nachtökonomie an aktuellen Zahlen fehle. Tatsächlich stützt sich die Strategie teils auf veraltete Erhebungen. So verweisen die Autoren auf eine Studie, wonach der Umsatz des internationalen Clubtourismus in Berlin im Jahr 2017 bei 1,48 Milliarden Euro gelegen habe.

„Die Clubkultur ist ein super wichtiger Faktor“, betonte Giffey. Für viele Unternehmen sei entscheidend, was zwischen 17 Uhr am Nachmittag und neun Uhr am Morgen in der Stadt passiere. Denn dass sei die Zeit, für die sich auch heiß begehrte Fachkräfte interessierten.

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