Solch ein Zufallstreffer glückt nicht alle Tage: Das Ordnungsamt Pankow hat einen Mann erwischt, der Werbekärtchen mit Kaufannoncen an Autofenster heften wollte. Wie die Abteilung von Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) am Freitag mitteilte, stellten Einsatzkräfte bei dem Kärtchenverteiler 1659 Exemplare der kleinen, laminierten Anzeigen sicher, wie sie täglich in riesigen Mengen in Umlauf gelangen.

Nun erwartet den Mann, der bereits am 11. Januar in der Kissingenstraße unterwegs war und den man auf frischer Tat stellen konnte, ein Ordnungswidrigkeitenverfahren. Und ein saftiges Bußgeld, das bis zu 10.000 Euro betragen kann.

Ordnungsamt sagt Werbekärtchen-Verteilern den Kampf an

Mit massenhaft ausgelegten Visitenkarten wollen Autokäufer Geschäfte anbahnen - nun nehmen Bezirke die Hintermänner dieser Aktionen ins Visier.
Mit massenhaft ausgelegten Visitenkarten wollen Autokäufer Geschäfte anbahnen - nun nehmen Bezirke die Hintermänner dieser Aktionen ins Visier.© dpa-tmn | Jens Schierenbeck

Theoretisch könnten sich Kaufinteressenten ihre Autofenster-Kärtchen bei Berliner Bezirken genehmigen lassen – in der Praxis ist dies aber ausgeschlossen. Denn die „Zero Waste Strategie“ des Landes Berlins zielt auf konsequente Müllvermeidung und Recycling ab. „Die verteilten Werbekarten entsprechen diesem Leitgedanken nicht, da die zumeist laminierten Karten nicht in den Papier-Stoffkreislauf zurückgeführt werden können und zudem regelmäßig den öffentlichen Raum verunreinigen“, betont die Abteilung von Anders-Granitzki in ihrer Stellungnahme.

Warum Auto-Werbekärtchen in Berlin keine Zukunft haben

„Eine Inverkehrbringung laminierter Werbekärtchen ist schon allein daher grundsätzlich nicht genehmigungsfähig“, betont die Stadträtin in der Erklärung – die auch über ein verschärftes Vorgehen gegen Kärtchenverteiler in Pankow Auskunft gibt. Denn der Bezirk schließt sich einer Initiative aus Charlottenburg-Wilmersdorf an, wo das dortige Ordnungsamt eine Kampagne gegen Verschmutzung von Straßen durch weggeworfene Kärtchen vorantreibt.

Bis zu 50 Ordnungswidrigkeiten pro Jahr ließ der City-West-Bezirk zuletzt verfolgen. Und ermuntert Autohalter dazu, Visitenkarten mit Kaufannoncen dem Ordnungsamt aktiv zu melden. Allerdings fällt es auch dann nicht leicht, die Hintermänner solcher Kampagnen zu stellen, weil die meist auf anonyme Prepaid-Telefonprodukte setzen. Wirklich rechtssicher funktioniert ein Bußgeld-Verfahren nur, wenn man einen Verdächtigen auf frischer Tat ertappt – wie es nun in der Pankower Kissingenstraße der Fall war.

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Ordnungsamt Pankow plant trickreiches Vorgehen

Weil die Suche nach dem Zufallsprinzip kein effektives Vorgehen ermöglicht, zieht die Abteilung von Stadträtin Anders-Granitzki eine raffiniertere Strategie in Betracht: Das Bezirksamt will tatsächlich selbst Verkäufe von Autos „vortäuschen“. So heißt es aus Pankow: „Das Ordnungsamt behält sich vor, zukünftig Testverkäufe anzubahnen, um Verursacher zur Rechenschaft zu ziehen.“

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