Der Weiße See im Bezirk Pankow wird gerade in der Sommersaison immer wieder zum verführerischen Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen, um hier zu baden. Erlaubt ist das jedoch nur im Strandbad. Musiklärm, Hinterlassenschaften der Feiern und eine malträtierte Natur sorgen rund um das Gewässer, aber auch in anderen Parks in Berlin-Pankow immer wieder für Verdruss. Ordnungshüter einer neuen Firma sollen jetzt auch im Bürgerpark und um Schlosspark Schönhausen dafür sorgen, dass Regeln besser befolgt und auch der Umweltschutz verbessert wird. Ab 1. Juli 2023 sollen sie auch im Mauerpark und am Falkplatz tätig werden.

„Wir wollen ganz gezielt unsere Parkregeln sowie deren Sinn vermitteln und die Akzeptanz erhöhen, um für mehr Umweltbewusstsein und Rücksicht auf Stadtnatur und die Parks zu werben“, sagt Manuela Anders-Granitzki (CDU), stellvertretende Bürgermeisterin von Pankow und als Stadträtin für Ordnung und den öffentlichen Raum zuständig.

Berlin: Parkläufer sollen auf Regeldurchsetzung am Weißen See hinwirken

Stadträtin Manuela Anders-Granitzki zeigte bei einer Aktion mit Sicherheitskräften von Ordnungsamt und Polizei bereits im vergangenen Jahr Präsenz im Park am Weißen.
Stadträtin Manuela Anders-Granitzki zeigte bei einer Aktion mit Sicherheitskräften von Ordnungsamt und Polizei bereits im vergangenen Jahr Präsenz im Park am Weißen.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Bei einer Neuausschreibung der Parkbetreuung sei die Firma Think-SI³ ausgewählt worden. Der Name soll die Rolle der Firma als Denkfabrik betonen, die sich für Sicherheit, soziale Inklusion und und soziale Intelligenz einsetzt, so das Unternehmen auf seiner Homepage. Dementsprechend will sie über die nächsten zwei bis drei Wochen zunächst die Situation analysieren und ein individuelles Einsatzkonzept für die Parks in Pankow erarbeiten. Das soll noch vor den Sommerferien mit den Verantwortlichen von Ordnungsamt und Polizei abgestimmt werden und seine Wirkung damit gleich in der Zeit des Jahres unter Beweis stellen, in der die meisten Regelübertretungen erwartet werden.

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Teil davon sollen Aktionen und Sprechstunden vor Ort sein, bei denen aufgeklärt wird und bei denen die sogenannten Parkläufer Ansprechpartner bei Problemen sein sollen. Schwerpunktthemen sollen dabei laut Bezirk vor allem die Müllbeseitigung, Musiklärm, Leinenpflicht für Hunde, das Radfahr- sowie das Bade- und Grillverbot sein. Angedacht ist im Moment eine Einsatzzeit von 12 bis 20.30 Uhr, die wegen der Nutzung der Parks in den Abendstunden vermutlich aber zeitnah über den Sommer noch ausgedehnt werden soll, heißt es vom Bezirksamt.

Konzept der Berliner Firma will Konfrontation in Pankows Parks vermeiden

Wie das Konzept im Detail funktioniert, erklärt Wiktoria Tundis, die das Projekt in Pankow koordiniert: „Wir wollen einen freundlichen Weg finden, mit den Leuten zu sprechen“, sagt die Parkmanagerin von Think-SI³. Die Teams, die die Firma dazu einsetzt, haben dazu vielfach einen migrantischen Hintergrund, sprechen bis zu sieben Sprachen. Tundis erhofft sich von dieser interkulturellen Kompetenz einen besonders guten Zugang zu den Parkbesuchern.

Am Weißen See sind die Mitarbeitenden bereits seit drei Wochen im Einsatz, haben der Firma zufolge bereits ein gutes Feedback erhalten. Die Teams wechseln bei ihrer Arbeit regelmäßig zwischen den Parks, für jede Grünanlage gebe es jedoch eine Kernbelegschaft aus zwei Kräften, die neue Kolleginnen und Kollegen mit den Besonderheiten vor Ort vertraut macht, so die Parkmanagerin.

Kommunikation statt Konfrontation: So wollen die Parkläufer der Firma Think SI³ über die Regeln in Pankower Parks aufklären.
Kommunikation statt Konfrontation: So wollen die Parkläufer der Firma Think SI³ über die Regeln in Pankower Parks aufklären.© Think SI³ / BM

„Am Weißen See sollen immer zwei Parkläufer zusammen unterwegs sein“, sagt Tundis. Insgesamt werde das Team etwa acht bis zehn Mitarbeitende umfassen. Für den Mauerpark ist wegen seiner Größe sogar geplant, dass immer zwei Teams gleichzeitig unterwegs sind. Bestreift werden die Grünflächen im Bezirk Pankow an sieben Tagen in der Woche.

Zu erkennen sein werden die Mitarbeiter von Think-SI³ an grünen Jacken mit der Aufschrift „Parkläufer“ und dem Namen der Firma. Sonderrechte wie Ordnungsamt oder Polizei haben sie nicht, schreiben also keine „Strafzettel“, sondern sollen bewusst als erste Ebene nur über mögliche Verstöße und Strafen aufklären und so als freundliche Ansprechpartner der Parkbesucher wahrgenommen werden. Nur wenn sich diese weiter uneinsichtig zeigen, sei das Hinzurufen von Ordnungsamt oder Polizei angedacht, erklärt Tundis.

Auffällige Schilder mit eindeutigen Piktogrammen sollen unmissverständlich deutlich machen, was am Weißen See verboten ist.
Auffällige Schilder mit eindeutigen Piktogrammen sollen unmissverständlich deutlich machen, was am Weißen See verboten ist.© BM | Thomas Schubert

Während die Ordnung und der Umweltschutz vor Ort verbessert werden sollen, hat das Projekt nach Aussage von Wiktoria Tundis noch eine weitere Komponente: Viele der Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund bekommen hier ihren ersten Job in Deutschland.

Der Bezirk Pankow hatte nach mehreren Badetoten im Weißen See und ausufernden Feiern zuletzt mit Schildern versucht, besser über die Regeln an dem beliebten Gewässer aufzuklären. Ein besonders großes Problem stellt dabei laut Verwaltung das Wildbaden dar. Zuletzt hatten es selbst im Winter eine Eisbade-Challenge gegeben, zu der Polizei und Ordnungsamt ausrückten.

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Think-SI³ stellt nach eigenen Angaben seit 2018 Kiez- und Parkläufer in Berlin zur Verfügung. „Mit der zunehmenden Verdichtung der Städte verlagern sich Probleme auf öffentliche Plätze, Grünanlagen und in Kieze. Unangepasste Jugendliche, Übertourismus, Obdachlosigkeit, psychisch Kranke, Alkoholiker*innen, Drogensüchtige, sowie unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit, Freizeitgestaltung und Freiheit im Allgemeinen prallen dort aufeinander“, heißt es auf der Homepage. In Berlin ist das Unternehmen zum Beispiel auch am Schlachtensee und der Krummen Lanke im Einsatz.