Am Rande des Bürgerparks befindet sich eingefriedet das Gelände des ehemaligen Friedhofs Pankow 1. Nach seiner Schließung wurde der älteste Gemeindefriedhof Teil des Bürgerparks. Die repräsentativen Gräber wurden aber erhalten und sogar ergänzt durch Grabsteine anderer Pankower Friedhöfe. Noch gibt es viele Spuren der alten Begräbnisstätte zu entdecken. Erhalten Sie hier alle wichtigen Infos zu dem Lost Place.

Das sind die Fakten zum Friedhof Pankow I im Überblick:

  • Adresse: Wilhelm-Kuhr-Straße/Ecke Kreuzstraße, 13187 Berlin-Pankow
  • Geschichte: Eröffnung als Pankows erster Gemeindefriedhof 1841, Umbau 1908; 1971 wurde der Friedhof geschlossen und zu großen Teilen beräumt
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09046074 (Gartendenkmal, Grabsteine und Einfriedung)
  • Führungen: keine
  • Status: Lost Place. Wurde als Friedhofspark dem Areal des Bürgerparks angegliedert und 2020/2021 saniert

Wo liegt der Friedhof Pankow I genau?

Der ehemalige Friedhof Pankow I liegt im südöstlichen Teil des Bürgerparks nördlich des Eingangstors an der Wilhelm-Kuhr-Straße entlang der Kreuzstraße im Ortsteil Pankow des gleichnamigen Bezirks. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Standort am besten vom S-Bahnhof Wollankstraße (S1, S25, S26) zu erreichen. Vom Bahnhof sind es etwa sieben Minuten zu Fuß bis zum ehemaligen Friedhof. Noch schneller geht es zum Park, wenn man die Bus- und Tramhaltestelle Bürgerpark Pankow (Tram M1, Bus 107, 155, 250) oder die Haltestelle Wilhelm-Kuhr-Straße (Bus 255) nutzt.

Lost Places in Pankow
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    Gibt es Gräber berühmter Persönlichkeiten auf dem Friedhof?

    Der Friedhof wurde nach der Schließung 1971 und dem Ablauf der Pietätsfrist weitestgehend beräumt. Es gibt aber noch erhaltene Grabsteine auf den Flächen – beispielsweise für den Königlichen Gartenbaudirektor Wilhelm Perring (1838–1906) und Pankows Schmiedemeister Louis Schmidt (1836–1914). Augenfälligstes Monument ist aber das Mausoleum des Bürgerpark-Besitzers Hermann Killisch von Horn (1821–1886) sowie die Familiengrabanlage des als "Millionenschulze" in Pankow bekannt gewordenen Unternehmers Wilhelm Schulze (1808–1885).

    Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Friedhofs Pankow I:

    Ausgangslage: Die Gemeinde braucht mehr Platz für ihre Toten

    Bürgerpark Pankow: Der ehemalige Friedhof liegt an der Wilhelm-Kuhr-Straße
    Bürgerpark Pankow: Der ehemalige Friedhof liegt an der Wilhelm-Kuhr-Straße© Thomas Schubert

    Bis ins 19. Jahrhundert fanden Beerdigungen verstorbener Pankower in der Regel auf dem Kirchhof der Pfarrkirche "Zu den Vier Evangelisten" statt. Als die Bestattungsfläche innerhalb der Umfassungsmauer nicht mehr ausreichte, errichtete die Gemeinde 1841 den ersten kommunalen Friedhof Pankows an der heutigen Wilhelm-Kuhr Straße. Die bestehenden Gräber an der Kirche wurden umgebettet, um Platz für eine Erweiterung der Pfarrkirche zu schaffen.

    Der Friedhof lag am Rande einer ehemaligen Papiermühle, deren Grundstück Hermann Killisch von Horn 1856 erworben hatte, um für sich und seine Familie einen Landsitz einzurichten. 1907 erwarb die Gemeinde Pankow unter Bürgermeister Wilhelm Kuhr das riesige Areal und begann das Grundstück als Park für die Öffentlichkeit herzurichten – der heutige Bürgerpark Pankow entstand.

    Friedhof Pankow I: So war der Friedhof angelegt

    Für den 1886 verstorbenen Hermann Killisch von Horn wurde in der südwestlichen Ecke des gut 4600 Quadratmeter großen Friedhof 1904 ein repräsentatives Mausoleum errichtet und die Gebeine des Unternehmers dorthin umgebettet. Leicht versteckt liegt das Mausoleum – ein Sandsteinkuppelbau des Pankower Architekten Christian Friedrich Malingriaux – heute hinter Ranken, Efeu und Bäumen. Die Denkmalsfassade ist übersät mit Spuren von Maschinengewehreinschüssen, die aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen.

    Ursprünglich war das Friedhofsgelände durch einen Holzzaun eingefriedet. In Folge von Umbauarbeiten erhielt das Areal 1908 einen geschwungenen, eisernen Schmuckzaun zu den südlich und östlich angrenzenden Straßen. Entlang der westlichen Friedhofsmauer befanden sich Grabkammern, die zumeist mit hölzernen Doppelsärgen belegt waren. Auf dem Friedhof gab es außerdem am nördlichen Ende des Hauptweges eine Kapelle, die 1865 erbaut worden war und 1936 renoviert wurde. Sie ist heute verloren, da sie in der DDR-Zeit in den 1950er-Jahren abgerissen wurde.

    Friedhof Pankow I: Kämpfe im Zweiten Weltkrieg

    Wenige Reste eines historischen Friedhofs im Bürgerpark im Stadtbezirk Pankow, Foto 2006
    Wenige Reste eines historischen Friedhofs im Bürgerpark im Stadtbezirk Pankow, Foto 2006© picture-alliance/ ZB | Soeren Stache | picture-alliance/ ZB | Soeren Stache

    30 Jahre lang blieb die Begräbnisstätte der einzige Gemeindefriedhof Pankows, bis 1871 das Bevölkerungswachstum der Landgemeinde die Eröffnung eines zweiten Friedhofs an der heutigen Gaillardstraße notwendig machte. Gut weitere 30 Jahre später, im Jahr 1905, wurde Pankows bis heute größter kommunaler Friedhof eröffnet – der Friedhof Pankow III am Volkspark Schönholzer Heide.

    Die Attraktivität des kleineren Parkfriedhofs verlor damit um die Jahrhundertwende für Neubestattungen an Bedeutung. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude im angrenzenden Bürgerpark durch Luftangriffe stark in Mitleidenschaft gezogen, und in den Friedhofsgebäuden verschanzten sich in den letzten Kriegstagen Soldaten der Wehrmacht oder des Volkssturms. Von den erbitterten Kämpfen zeugen bis heute die Kriegsschäden am Mausoleum.

    2014 beschrieb der Historiker und Heimatkundler Christian Bormann in seinem Blog Pankower Chronik das Innere des Mausoleums. Dort befanden sich zu diesem Zeitpunkt zwei Doppelsärge und daneben eine versteckte Bodenklappe, die zu einer unterirdischen Kammer des Mausoleums führte. Am Boden der Kammer stieß Bormann auf verstreute Gebeine aus den oberirdischen Särgen sowie Militärgegenstände verschanzter Soldaten, die man achtlos in die Bodenklappe geworfen hatte.

    Friedhof Pankow I: Schließung des Friedhofs in der DDR-Zeit

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    130 Jahre nach seiner Eröffnung wurde der ersten Friedhof Pankows 1971 geschlossen. Längst hatten andere Grabstätten die Aufgaben des alten Gemeindefriedhofs übernommen und in der Bestattungsplanung des Kiezes spielte das Gelände keine Rolle mehr. Nach der Entwidmung des Friedhofsgeländes wurde die Gräber zu großen Teilen auf dem Grundstück beräumt.

    Mehrere Grabsteine aus dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts und einige Grabanlagen mit schmiedeeisernen Gittern blieben dabei erhalten. Mit der Umgestaltung in den 1970er-Jahren entstand die Grünanlage auf dem historischen Friedhof, deren Fläche dem Bürgerpark zugeschlagen wurde.

    Friedhof Pankow I: Nach der Wende kamen die Grabräuber

    Kurz nach der Maueröffnung wurde die Grabanlage der Familie Schulze auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs Pankow I Anfang 1990 von Grabräubern heimgesucht, die sich von der Begräbnisstätte Schätze in Form von wertvollen Grabbeigaben erhofften. Die Annahme schien nicht unbegründet: Denn der als "Millionenschulze" im Kiez bekannte Wilhelm Schulze hatte im 19. Jahrhundert ein Vermögen gemacht, als er bei Fundamentarbeiten auf seinem Grundstück auf Kies stieß, den damals heiß begehrten Baustoff abbauen ließ und gewinnbringend veräußerte.

    Wieviel die Räuber mitgehen ließen, ist nicht bekannt. Stattdessen aber was sie hinterließen: Mannshohe Erdlöcher im Park, von denen man auf die reich mit Kacheln geschmückten Grabkammern der Familie blicken konnte. Die Aushübe wurden später wieder befüllt und mit gepflanztem Farn verdeckt.

    Friedhof Pankow I: Sanierung des Lost Place

    Der entwidmete Friedhof vor den Toren des Bürgerparks Pankow erfährt eine denkmalgerechte Restaurierung. Dafür verschwinden die Streben nach und nach in der Werkstatt.
    Der entwidmete Friedhof vor den Toren des Bürgerparks Pankow erfährt eine denkmalgerechte Restaurierung. Dafür verschwinden die Streben nach und nach in der Werkstatt.© BM | Thomas Schubert

    Mit dem Ende der Nutzung als Friedhof endete auch die Erhaltung und Restaurierung durch die Friedhofsverwaltung. Einzelne Grabmonumente wurden zwar von Zeit zu Zeit von Angehörigen weiter von Wildwuchs und Efeu befreit und das Gesamtensemble steht als Gartendenkmal unter Denkmalschutz, aber im Laufe der Jahre waren verschiedene Teile des alten Friedhofs durch Witterungseinflüsse stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

    Seit dem Frühjahr 2020 fanden auf dem Friedhof umfangreiche Sanierungsarbeiten statt. Unter anderem wurden die Einfriedungsmauer und die historische schmiedeeiserne Zaunanlage restauriert. Stück für Stück erneuerte man bis 2021 die Einfriedung des Friedhofs im Bereich der Wilhelm-Kuhr-Straße, der Kreuzstraße, der Grabbeallee und des Mausoleums nach historischen Plänen. Die Wege des einstigen Friedhofs wurden denkmalgerecht saniert und ein Natursteinweg mit Granit erneuert.