Hier finden längst keine Neubestattungen mehr statt: Seit der Schließung des Friedhofs II in Pankow werden nach und nach die Grabstätten aufgelöst und die Grabsteine türmen sich auf dem teils verwilderten Gelände. Die denkmalgeschützte Friedhofskapelle befindet sich in einem beklagenswerten Zustand und Besucher schlagen sich zum Teil durch das Dickicht, um die Gräber ihrer Angehörigen zu besuchen. Erfahren Sie hier alle wichtigen Infos zu dem Lost Place.

Das sind die Fakten zum Friedhof Pankow II im Überblick:

  • Adresse: Friedhof Pankow II, Gaillardstraße 8-12, 13187 Berlin–Pankow
  • Geschichte: 1872 eröffnet und bis 1891 auf die heutige Größe erweitert; Errichtung der denkmalgeschützten Friedhofskapelle 1876; 2004 Schließung des Friedhofs
  • Führungen: Keine
  • Status: Lost Place
  • Denkmalnummer: Objekt-Nr. 09085268 (Friedhofskapelle)
  • Planung: Das Friedhofsgelände kann frühestens nach Ablauf der Totenruhe und Pietätsfrist 2034 entwidmet werden. Erst anschließend kann eine Neubebauung erfolgen.

Wo liegt der Friedhof Pankow II genau?

Der Friedhof Pankow II befindet sich im Berliner Ortsteil Pankow des gleichnamigen Bezirks. Der Haupteingang des Friedhofes liegt an der Gaillardstraße 8-12.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Begräbnisstätte am besten vom S-Bahnhof Wollankstraße (S1, S25, S26, Bus 250, 255, M27) zu erreichen. Von dort sind es etwa 500 Meter Fußweg bis zum Friedhof. Noch kürzer ist es von den Bushaltestellen Pradelstraße (Bus 250, 255, M27), Gaillardstraße (Bus 250, M27) oder Brehmestraße (Bus 250).

Gibt es Gräber berühmter Persönlichkeiten auf dem Friedhof?

Auf dem Friedhof Pankow II befanden sich die Grabstätten einiger berühmter Berliner Bürgerinnen und Bürger. Die meisten der Gräber sind aber inzwischen beräumt.

Bemerkenswerte Bestattungen auf diesem Friedhof waren neben den Erbbegräbnissen der Familien Eisenhardt und von Żernicki-Szeliga unter anderem die Gräber für Bürgermeister Carl Hoff (1843–1894), den Prediger Otto Leopold Class (1809–1895), den Theaterschriftsteller Rudolf Kneisel (1832–1899), die Schulreiterin Lina Rosenstock (1875–1895), den preußischen Offizier Emilian von Żernicki-Szeliga (1826–1910) und für den Dichter Uwe Greßmann (1933–1969).

Lost Places in Pankow
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    Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Friedhofs Pankow II:

    Ausgangslage: Zweiter Friedhof für die wachsende Gemeinde

    Nachdem die Einwohnerzahl Pankows Ende des 19. Jahrhunderts stark angestiegen war und der erste Friedhof der Landgemeinde zu klein wurde, kaufte Pankow das Grundstück für den zweiten Gemeindefriedhof im Jahr 1872 und erbaute 1876 auf dem Gelände eine Leichenhalle.

    Friedhof Pankow II: So war der Friedhof angelegt

    In den Jahren 1880 bis 1891 wurde der Friedhof auf seine heute Größe erweitert. Mit der Eingemeindung Pankows nach Berlin 1920 wurde das knapp 11.000 Quadratmeter große Areal zum städtischen Friedhof Pankow II. Schmuckstück des Friedhofs ist die im Jahr 1876 errichtete Friedhofskapelle. Sie wurde von einem unbekannten Architekten im Baustil Schinkels entworfen und im Jahr 2000 unter Denkmalschutz gestellt.

    Auf dem Grundstück Gaillardstraße wurde außerdem ein Armenhaus gebaut, in dem auch der Totengräber Unterkunft fand. Ab dem 1970er-Jahren wurde es als städtisches Altersheim genutzt. Heute befindet sich eine Einrichtung für betreutes Wohnen in dem Gebäude.

    Friedhof Pankow II: Städtischer Friedhof zu DDR-Zeiten

    Durch die Einrichtung des dritten Städtischen Friedhofs am Bürgerpark in Pankow im Jahr 1905 und die Einbettung durch Wohnhäuser büßte der Friedhof in der Gaillardstraße am Beginn des 20. Jahrhunderts schlagartig an Attraktivität ein. Die älteren Gräber auf dem Friedhof wurden nach Ablauf der gesetzlichen Ruhefrist beräumt.

    Heute befinden sich auf dem Friedhof ausschließlich Urnenstellen. Die ältesten Urnengrabsteine und Platten, die sich noch auf dem Gelände ausfindig machen lassen, stammen aus den 1930er-Jahren. Die meisten von ihnen rühren aber aus späteren DDR-Zeiten – wie die eingemeißelten Grabinschriften verraten.

    Friedhof Pankow II: Schließung im Jahr 2004

    Der zweite Pankower Gemeindefriedhof an der Gaillardstraße wurde 2004 geschlossen. Den Beschluss hatte die Bezirksverordnetenversammlung getroffen, weil zu diesem Zeitpunkt weniger Friedhofsflächen in Pankow benötigt wurden. Neben dem Friedhof II wurden in den Jahren 1981 und 1988 die landeseigenen Friedhof Pankow VI und XI und im Jahr 2007 der Friedhof Pankow V geschlossen. Die Gräber auf dem Friedhof an der Gaillardstraße stehen zwar für die vorgeschriebene Ruhefrist noch weiter zur Pflege zur Verfügung, aber mit der Schließung wurde der Ort zunehmend vernachlässigt.

    Friedhof Pankow II: Gräberstätte wird zu einem Lost Place

    Seit fast 20 Jahren ist der Friedhof an der Gaillardstraße nicht mehr in Betrieb. Das hat seine Spuren hinterlassen: Der Zustand der Anlage ist dürftig. Das Eingangsschild ist kaputt, die denkmalgeschützte Friedhofskapelle nach einem Brand in desolatem Zustand. Das Gebäude ist seit längerem mit einem Bauzaun notdürftig gesichert. Ein Hinweisschild warnt Besucher: „Achtung! Einsturzgefahr“.

    Auf den Freiflächen stapeln sich abgeräumte Grabsteine und liegen teils achtlos aufgehäuft beieinander. Aber auch die Gräber, die noch besucht werden, sind zwischen Wildwuchs und Picknickresten immer schwerer zu erreichen. Das Gelände wird zunehmend als Hundeauslaufgebiet benutzt. Ein „würdiges Totengedenken“, beklagte der SPD-Abgeordnete Sebastian Meisgeier, sei hier nicht möglich.

    Wie lange wird der Friedhof noch bestehen?

    Mindestens bis 2034 muss der Friedhof aufgrund der Totenruhe weitergeführt werden. Sollten Nachbestattungen durchgeführt werden müssen, verlängert sich die Frist entsprechend. Nach Ablauf der Totenruhe und Pietätsfrist ist eine Neunutzung des Geländes möglich. Der Friedhofsträger darf den Friedhof entwidmen, wenn sämtliche Ruhezeiten abgelaufen sind. Wegen des Rechts auf Nachbeisetzung kann der Friedhof theoretisch noch bis spätesten 2060 bestehen.