Vorsichtig lenkt eine Rentnerin ihren Rollator um die Bauabsperrung vor dem Blumenladen – ein routiniertes Ausweichmanöver. Denn die rot-weißen Baken blockieren das Gehwegpflaster an diesem labilen Punkt in Pankows Straßennetz nun schon seit Monaten. Eine Absicherung von Verkehrsflächen, die tatsächlich dem Schutz der Passanten dient.
Fast wie bei Senklöchern am Toten Meer besteht hier, an der Hermann-Hesse-Straße in Niederschönhausen die Gefahr, dass der Bürgersteig unter den Füßen von Flaneuren wegbricht. Nur, dass es sich anders als beim Toten Meer nicht um ein natürliches Phänomen durch Wasserverlust handelt, sondern um Schäden an unterirdischen Schächten.
Inzwischen sind diese „Senklöcher“ in Pankow ein Politikum. Auf Anfrage der SPD-Fraktion zur langwierigen Sperrung von Gehwegen an insgesamt acht Stellen des Kiezzentrums, berichtet Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) von einer Maßnahme, gegen die der Bezirk machtlos ist.
„Bei den Absperrungen handelt es sich ausnahmslos um Sicherungsmaßnahmen der Deutschen Telekom an ihren Anlagen. Teilweise sind die dortigen Schachtbauwerke derart veraltet und einsturzgefährdet, dass aus Gründen der Verkehrssicherheit und zum Schutz der Fußgänger großräumige Absperreinrichtungen vorgenommen werden mussten“, erklärt die Stadträtin das Phänomen.
Und sie bestätigt, dass es sich bei der Behebung der Schäden an den Schächten um ein langwieriges Unterfangen handelt. Bis zu vier Monate seien einige der Sperrungen bereits vorhanden. Ein Langzeitprojekt der Telekom an acht Punkten um den Pastor-Niemöller-Platz, bei dem auch die Verwaltung den Überblick verliert. „Wann welcher Schacht zu welchem Zeitpunkt abgesperrt wurde ist aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar“, heißt es.
„Senklöcher“ auf Pankows Wegen: Verrottende Weihnachtsbäume hinter Baken

Zuletzt hatte die Bauherrin dem Bezirk Pankow eine Behebung der Schäden bis zum Ende der elften Kalenderwoche zugesagt. Doch ein Ortsbesuch am Montag zeigt: Auf der Hermann-Hesse-Straße zwingen die Sperrgebiete auf Bürgersteigen Rentner mit Rollatoren auch weiterhin zu Ausweichmanövern. Weil die veralteten und brüchigen Telekom-Schächte an dieser Stelle besonders tief liegen, braucht es an jeder der Problemstellen besonders großflächige Baugruben – mit entsprechend weniger Platz für Passanten neben den Gruben.
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Hinter einer der rot-weißen Baken hat sich inzwischen auch eine Abfalldeponie mit verrottenden Weihnachtsbäumen und Verpackungsmüll gebildet. Was darauf schließen lässt, wie lange der brüchige Gehweg schon auf seine Stabilisierung wartet.
Bis zu vier Monate Sperrung: Pankow nimmt Telekom in der Pflicht
Doch eine Beschleunigung der Vorgänge schien der Pankower Verwaltung unmöglich – weil sie für die Kabelschächte keine Zuständigkeit besitzt. „Das Bezirksamt hat darauf keinen Einfluss, da die Deutsche Telekom als Sondernutzer hier als alleiniger Bauherr und Auftraggeber in Erscheinung tritt“, begründet Stadträtin Anders-Granitzki die abwartende Haltung ihrer Abteilung. „Somit obliegt es ausschließlich dem Sondernutzer, Einfluss auf zeitliche Bauabläufe zu nehmen oder diese den aktuellen Geschehnissen anzupassen.“
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