Eine grüne Bodenfräse arbeitet sich durch den Untergrund, während ein Schaufelbagger dazu ansetzt, einen Baum zu greifen: Schweres Gerät hat in dieser Woche eine bislang natürlich eingewachsene Fläche in der Nähe des Deponiebergs Arkenberge im Bezirk Berlin-Pankow durchpflügt. Offenbar ohne Genehmigung des Bezirksamtes, wie der Tagesspiegel zuerst berichtete.

Jürgen Erdmann, regelmäßig in dem Gebiet unterwegs, wurde von Bekannten auf die Arbeiten aufmerksam gemacht. „Am Mittwoch fuhren die Bagger noch“, sagt der passionierte Naturfotograf. Betroffen sei eine Fläche von bis zu 500 mal 200 Metern südlich der Straße Arkenberge bis zum Wanderweg am Seeufer. An das Landschaftsschutzgebiet Blankenfelde grenzend und selbst als Biotop verzeichnet, habe sich die Natur dort rund 50 Jahre zu einem Lebensraum diverser Tiere entwickeln können, in dem geschützte Arten wie Nachtigall und Zauneidechse leben.

„Die Bilder zeigen eine Spur der Verwüstung, die dort mit schwerer Technik angerichtet wurde“, sagt Jürgen Erdmann über die Fotos, die er der Berliner Morgenpost zur Verfügung gestellt hat. Dadurch, dass die Baumstümpfe ebenfalls weggefräst wurden, sei es nun nicht mehr möglich, Standort, Art und Alter zu ermitteln. Zurückgeblieben seien auf der Fläche nur noch einige alte, große Solitärbäume. Das meldete er dem Bezirksamt in Pankow.

Unterhalb der Hänge des Deponiebergs ist großflächig Vegetation beseitigt worden.
Unterhalb der Hänge des Deponiebergs ist großflächig Vegetation beseitigt worden.© BM | Jürgen Erdmann

Arkenberge: Konzept für Berlins höchsten Berg ist umstritten

Nach Aufschriften auf einem Teil der Fahrzeuge zu urteilen, ist der Eigentümer der Flächen, die Heim-Gruppe, selbst dort tätig geworden. Nach Informationen auf der Homepage des Unternehmens, einer Bau- und Recyclingfirma, gehört ihr der Deponieberg (mit knapp 122 Metern die höchste Erhebung Berlins) und die umliegenden Grundstücke inklusive zweier Seen mit insgesamt 85 Hektar. Diesen Angaben zufolge hatte sie die Deponie und einen Recyclingbetrieb in Marzahn von der insolventen Berliner Tief- und Verkehrsbau übernommen.

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„Die Ziele sind hochgesteckt, denn aus dem ehemaligen Deponieberg soll in einigen Jahren das Freizeit- und Naherholungsgebiet Arkenberge werden“, heißt es auf der Homepage. Entsprechende Pläne waren dem Bezirk vorgestellt worden, stießen dort in der vorgelegten Form jedoch auf Ablehnung. Ursprünglich angedacht hatte der Investor unter anderem eine Sommerrodelbahn, Strandbad und eine Aussichtsplattform mit Blick sowohl in den Naturpark Barnim in Brandenburg bis zum Fernsehturm in der City.

Bezirk Pankow verhängt Baustopp

Auf Kritik, sein Konzept sei für die Natur zu unverträglich, reagierte der Investor nach Jahren des Streits zuletzt kompromissbereit. Mit Berlins Ex-Bausenator Peter Strieder (SPD) als Sprecher, kündigte die Heim-Gruppe im vergangenen Herbst an, 2023 ein naturnahes Nutzungskonzept vorzulegen. Geschützte Flächen sollten dabei explizit erhalten bleiben.

Nun ist es offenbar anders gekommen: Im Tagesspiegel sagt eine Sprecherin der zuständigen Bezirksstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU): „Die Ziele und die Maßnahmen auf den Flächen sind nicht mit unserem Umwelt- und Naturschutzamt abgestimmt.“ Erforderliche Genehmigungen seien nicht eingeholt worden. Deswegen sei ein unverzüglicher Baustopp verhängt worden. Welche Schäden entstanden sind, sollte Ende der Woche bei einem Vor-Ort-Termin erörtert werden.

Nur größere Bäume sind in dem Bereich zumindest teilweise verschont worden.
Nur größere Bäume sind in dem Bereich zumindest teilweise verschont worden.© BM | Jürgen Erdmann

Eine Anfrage der Berliner Morgenpost vom Freitagmittag zu den Ergebnissen der Begehung beantwortete die das Bezirksamt Pankow bis zum Abend nicht. Auch die Heim-Gruppe regierte am Freitag nicht auf eine Rückrufbitte.

Neben Fotograf Erdmann äußern sich auch andere Anlieger verärgert über den Kahlschlag. Dagmar Moriano, die sich mit der Interessengruppe „Hunde in Arkenberge“ für das nahe gelegene Auslaufgebiet einsetzt, sagt: „Wir wären bei dem Termin gern dabei gewesen.“ Das sei von der Behörde jedoch abgelehnt worden, da es sich um einen reinen „Arbeitstermin“ handele.

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Für Moriano ist es unverständlich, dass im Bezirk an anderer Stelle der Natur geschadet werde, während dies den Hundehaltern vorgeworfen wird. Wie berichtet, plant das Bezirksamt eine Verlegung des Areals, um es als Ausgleichsfläche für Bauvorhaben andernorts nutzen zu können.

Jürgen Erdmann fürchtet nun, dass die Heim-Gruppe ohne eine Einigung mit dem Bezirk für die Nutzung als privatwirtschaftlich betriebener Naherholungspark umschwenken und das Areal ausschließlich zur Gewinnung regenerativer Energie nutzen könnte, ohne Nutzungsmöglichkeit für die Öffentlichkeit. Pankow würde damit eine weitere beliebte Grünfläche in der stark wachsenden Stadt verlieren.