Bremsen, kuppeln, einen Gang runterschalten – der Motor heult kurz auf in der steilen Kurve. Unter den Reifen knirscht der Kies, der Transporter schaukelt abenteuerlich. Immer höher steuert Bernd Hartmann den Wagen die Serpentinen hinauf. Eine Kleingartenanlage wird immer kleiner, ein See immer größer, ein zweiter taucht auf und schließlich ist in der Ferne die Skyline von Berlin mit dem Fernsehturm zu sehen.

Oben, auf dem Plateau, reißt der Wind die Worte von den Lippen. 120,70 Meter ist der südliche Gipfel der Arkenberge hoch. „Ohne Mutterboden“, sagt Philipp Heim. Mit der neu aufgetragenen Erde käme der Berg auf 122 Meter. In jedem Fall ist es Berlins höchster Berg, den der Unternehmer zu einem neuen Freizeitresort mit Sommerrodelbahn, Klettergarten, Mountainbikepark, Strandbad, Seebühne und Biotopen umgestalten will. Die Pläne sind fertig, jetzt geht es an die Umsetzung.

Planwerk Nordostraum

Philipp Heim ist Chef der Heim Deponie & Recycling GmbH aus Ulm, die sich um erneuerbare Energien, Baustoffe, Verwertung und Landwirtschaft kümmert. Seit 2001 gehört der Heim-Gruppe das 90 Hektar große Gelände der Bauschuttdeponie Arkenberge ganz im Norden von Pankow. Zu diesem Zeitpunkt war der Berg noch 40 Meter niedriger. Jahrelang landeten Ton, Bodengemische und Ziegelbruch auf den beiden Bergen. Der eine ist mit 116 Metern schon länger als Deponie geschlossen und ein grüner Hügel. Jetzt sei auch der zweite Berg mit 122 beantragten und vom Senat genehmigten Metern fertig, sagt Philipp Heim.

Die Renaturierung hat bereits begonnen. In dieser Phase musste sich der 41-Jährige Gedanken über die künftige Nutzung machen. Seit 1991 gab es immer wieder Konzepte für einen Erholungs-, Umwelt- oder Landschaftspark, die an der Finanzierung, an früheren Eigentumsverhältnissen oder Interessenkonflikten scheiterten. Die Idee, die Arkenberge zu einem Naherholungsgebiet auszubauen, wurde vom Senat schließlich 2009 im „Planwerk Nordostraum“ festgeschrieben.

Machbarkeitsstudie liegt vor

Auf diesem Grundgedanken baute Philipp Heim auf. Er nahm Kontakt zu seinem Ulmer Jugendfreund Bernd Hartmann auf, der gemeinsam mit seinem Bruder Ralph Hartman ein Büro für Gestaltung und Projektberatung aufgemacht hatte. Die Brüder bekamen den Auftrag, ein wirtschaftliches Konzept zu entwickeln. Das liegt jetzt vor und wurde bereits in einer Machbarkeitsstudie geprüft. Mit dem Ergebnis: Das Projekt wird als „empfehlenswert“ und „sehr interessant“ eingestuft, für die Realisierung und den wirtschaftlichen Erfolg sei es aber ganz wichtig, eine Hauptattraktion zu haben.

Die besondere Attraktion sehen die drei jungen Männer in der Sommerrodelbahn. Sie wird über eine Länge von einem Kilometer vom Nordgipfel hinab in Richtung See zur Talstation am Hauptplatz führen – dort, wo heute noch die Baucontainer der Firma Heim stehen.

Aktionsbereich für Sportler

In dem Konzept wurde das Gelände mit den beiden Seen und den beiden Berggipfeln in vier unterschiedliche Bereiche unterteilt. So soll der kleinere nördliche Arkenberg der Aktionsbereich sein für verschiedene Sportarten mit Bike Trails und Pumptracks. „Es gibt hier eine große Gemeinschaft, die bis zu 150 Kilometer fährt, um einen Hügel zu finden“, sagt Ralph Hartmann. Die würden sich freuen, eine neue Strecke ganz in ihrer Nähe zu finden.

Auf dem höchsten Gipfel soll es eher ruhig zugehen. Dort ist ein Gipfelhaus mit Kiosk geplant, dazu eine Aussichtsplattform mit 360-Grad-Rundblick auf den Barnim und Berlin. Am Südhang sollen Bungalows, sogenannte Umweltstudios, entstehen, mit insgesamt bis zu 150 Übernachtungsplätzen für Wochenendbesucher und Urlauber. In Zusammenarbeit mit der Beuth Hochschule für Technik sind 35 Studierende dabei nachhaltige Gebäude für zwei bis sechs Personen zu entwickeln. Die Heim-Grupp hat dafür einen Wettbewerb ausgelobt. Auf dem zweiten Gipfelfest am 10. und 11. September sollen die Ideen präsentiert werden.

Badesee mit Bar und Tretbootverleih

Auch die Seen werden sich in der Nutzung unterscheiden. Der eine bleibt ein Reservatbereich, in dem ein naturwissenschaftliches Bildungscenter geplant ist, mit Klassenräumen und einer Naturkunde- und Wetterstation. Der andere soll in einen belebten Badesee mit Strandbad, Tretbootverleih, Volleyballfeld und Bar umgestaltet werden.

An der Bahnstrecke sind einige hundert Parkplätze geplant. Auch an einen Stellplatz für Campingmobile haben die Planer gedacht. Wichtig ist natürlich auch die Anbindung des Geländes an die öffentlichen Verkehrsmittel. Noch zu DDR-Zeiten sei eine Station der S8 zwischen Blankenburg und Mühlenbeck-Mönchmühle geplant gewesen, sagt Philipp Heim. Es gebe Unterlagen, in denen der S-Bahnhalt Arkenberge eingezeichnet ist. Diese Idee will er nun wieder ins Spiel bringen. Für Spaziergänger und Radfahrer könnten die Arkenberge an das Wanderwegenetz, angeschlossen werden.

Die Kosten werden „kaum unter 15 Millionen Euro liegen“, sagt Philipp Heim. Sein Unternehmen hat als Betreiber der Deponie drei Jahre lang die Nachsorgepflicht für die Renaturierung des Berges. Parallel dazu soll das Projekt vorangetrieben werden. Die drei jungen Männer sind ungeduldig.