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Alles neu bis 2027: So läuft das große Mauerpark-Facelift

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Wege ohne Pfützen, mehr Platz zum Spielen, Toben und Rasten im Birkenwäldchen: Der Berliner Mauerpark erhält eine Auffrischung in vier Etappen. 

Wege ohne Pfützen, mehr Platz zum Spielen, Toben und Rasten im Birkenwäldchen: Der Berliner Mauerpark erhält eine Auffrischung in vier Etappen. 

Foto: Grün Berlin

16 Millionen Euro lässt sich Berlin die Auffrischung der „alten“ Mauerpark-Hälfte kosten. Diese Details machen das Projekt spannend.

Berlin.  Eigentlich müsste man um Trommler, Karaoke-Sänger, Grill-Fans, Touristen, Träumer in Hängematten und tollende Kinder herumbauen. Der Mauerpark ist ein Unikat. Eine der am stärksten besuchten Grünanlagen Deutschlands. Ein schrille Experimentierzone, gespickt mit Orten, die das lebensfrohe, freisinnige Berlin verkörpern. Nun braucht dieses Unikat 28 Jahre nach seiner Eröffnung eine Kur. 16 Millionen Euro Kosten veranschlagt Berlin für die Erneuerung der alten Parkhälfte bis 2027.

Dank einer grundlegenden Erneuerung soll sie endlich mit dem 2020 neu eröffneten zweiten Parkteil im Westen der ursprünglichen Anlage „zusammenwachsen“, wie es sich Staatssekretär Markus Kamrad erhofft. 70 neue Bäume, 300 Heckenpflanzen und 2100 Sträucher werden nicht nur für Berliner auf Erholungssuche Wurzeln schlagen, sondern auch zum Schutz von Stadttieren dienen. Völlig neu sind Errungenschaften, die den eher derben Charakter des Mauerparks glätten könnten: barrierefreie Wege, vollwertige Toiletten, sogar W-Lan. Womöglich auch ein Bodenfilter gegen Graffiti-Gift.

Doch das verlangt Zeit, Mühe und Entbehrungen. An einem düster-grauen Dezembertag hat nun Teil eins der in vier Etappen aufgeteilte „behutsamen Sanierung“ begonnen. Gearbeitet wird schrittweise von Nord nach Süd, jetzt bemerkbar an der Sperrung des Birkenwäldchens und der Bereiche am Moritzhof.

Mauerpark-Sanierung: Urheberschutz verbietet grobe Veränderungen

Ende 2024 springt die Großbaustelle über zum Falkplatz und zur völlig zertrampelten Liegewiese, die endlich einen robusten Rollrasen erhält. Ein Rasen, der in Zukunft so viel aushalten soll wie das Grün auf einem Fußballplatz. Und danach, in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts, packen die Baufirmen im Namen der Landesfirma Grün Berlin auch die charakterprägenden Örtlichkeiten an: Das Amphitheater, die Heimat des Mauerpark-Karaoke. Den Sonnenhügel, geschunden und halb kahl von jahrelanger Übernutzung. Die frühere Hinterlandmauer mit ihrer populären Graffiti-Galerie. Zuletzt erhält auch das Hundeauslaufgebiet ganz in Süden frischen Glanz.

Grobe Veränderungen sind hier wie dort Tabu, wie Christoph Schmidt, der Vorstandsvorsitzende von Grün Berlin, betont. Man müsse die Arbeiten so ausführen, dass der Urheberschutz des Park-Architekten Professor Gustav Lange gewahrt bleibt. „Es braucht hier Feingefühl wie bei einer Restaurierung, wo man an einem wertvollen Oldtimer schraubt“, stellt Alexander Puell von den Freunden des Mauerparks einen Vergleich an.

Moritzhof, Liegewiese, Karaoke-Theater: Teile des Mauerparks nacheinander gesperrt

Für den Verein sind zwei Dinge wichtig: Es soll künftig eine günstigere Balance entstehen zwischen Kulturattraktionen wie dem Karaoke einerseits und der Stadtnatur auf der anderen Seite. Dass am Moritzhof für einen zusätzlichen Spielplatz sieben Pappeln weichen müssen, sollte umso mehr dazu animieren, dass der Mauerpark an anderer Stelle Wildnis in die Großstadt zaubert, fordert Puell.

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Und der zweite wichtige Punkt: Saisongerechte Bauarbeiten – „es wird einen Unterschied machen, ob man den Karaoke-Bereich im Sommer fertig baut oder im Winter“, hofft Puell auf möglichst wenig Einschränkungen. Schließlich muss der Mauerpark rund sieben Millionen Besuchern im Jahr Unterhaltung und Erholung bieten, wie auch Christoph Schmidt weiß. Wer den Mauerpark sanieren will, braucht einen Plan, wie er einen der populärsten Anziehungspunkte Berlins „liftet“. Wie er Besucherströme so lenkt, dass es bei bis zu 40.000 Besuchern an Sonntagen nirgends zur Überfüllung kommt.

Pankow erhofft sich weniger Vandalismus-Schäden durch robustes Mobiliar

Zugleich will die große Parksanierung mehr leisten, als kaputte Bänke auszutauschen und abgerissene Schaukeln wieder anzuhängen. „Es wird ein Leuchtturmprojekt für urbane Resilienz“, verkündet Staatssekretär Christian Gaebler – und meint damit die Anpassung von Stadtflächen an den Klimawandel. Das heißt für den Mauerpark: Weniger Asphalt und Beton, robustere Baumarten, effizientere Bewässerungssysteme. Kurzum: mehr vom eigentlichen Parkcharakter. Ob seltene Vogel- und Insektenarten sich in Hörweite von Straßenmusikern niederlassen werden? Hier, im früheren Todesstreifen, an der Schnittstelle von Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen, wird es erprobt.

Resilienz kann aber noch etwas anderes heißen, stellt Pankows Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) heraus: „Die Parkeinrichtung soll lange halten“, spielt sie auf robuste Stadtmöbel an, die man nicht ständig austauschen muss. Was im Mauerpark bepflanzt oder verschraubt wird, soll nicht nur hübsch aussehen, meint die Stadträtin. Es muss auch ein wildes Lebensgefühl verkraften, den extremen Spagat zwischen zwei höchst verschiedenen Besuchergruppen meistern: „Denen die Ruhe suchen – und denen die Ruhe gar nicht mögen.“

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