Gipfel eines Baum-Streits

Denkmal-Posse: Hier fahren ausgebuddelte Bäume spazieren

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Szenen eines skurrilen Kiezstreits: Unter Protest von Anwohnern buddeln Fachkräfte im Namen des Bezirks Pankows zwei Rotdorne aus und karren sie 50 Meter weiter in ein kleines Wäldchen.

Szenen eines skurrilen Kiezstreits: Unter Protest von Anwohnern buddeln Fachkräfte im Namen des Bezirks Pankows zwei Rotdorne aus und karren sie 50 Meter weiter in ein kleines Wäldchen.

Foto: Thomas Schubert / Berliner Morgenpost

Aus Denkmalschutzgründen sind zwei Bäume namens Oskar und Helene in Prenzlauer Berg umgezogen. Anwohner kontern den Bezirk.

Berlin.  Sie heißen Oskar und Helene. Sie sind von Anwohnern gestiftet - aber dürfen in den Vorgärten der Welterbe-Siedlung in Prenzlauer Berg nicht wachsen. Das ist die kurze Geschichte von zwei jungen Rotdorn-Bäumen, um die sich seit Monaten eine Posse entspinnt. Nun hat das Schauspiel seinen Gipfel erreicht: Oskar und Helene sind fort. Ausgebuddelt von kräftigen Männern im Namen des Pankower Grünflächenamts. Spazieren gefahren mit einer Schubkarre in einen kleinen Park, an dem sie tatsächlich Wurzeln schlagen dürfen. Mit amtlichem Segen.

Wozu diese Mühe? Warum durften die beiden Bäumchen im Vorgarten der Welterbe-Häuser in der Gubitzstraße nicht stehen bleiben? Die Antwort des Bezirksamts Pankow ist seit Beginn des Baumstreits immer die gleiche: Weil die fast 100 Jahre alte Wohnstadt Carl Legien als Unesco-Welterbe gilt, muss der ursprüngliche Zustand, wie ihn Architekt Bruno Taut für seine Siedlung vorsah, gewahrt bleiben. Und der ursprüngliche Zustand sieht einen freien Blick auf die hellen Fassaden und bunten Fensterrahmen vor - ohne Bäumchen wie Oskar und Helene. Auch wenn sich die Bürgerinitiative „Der grüne Carl“ eine Bepflanzung der kahlen Vorgärten wünscht. Und obwohl andere Bäume, die hier dem Stadtbild widersprechen, unberührt bleiben.

„Prinzipienreiterei“ sei das, ärgert sich Carel Mohn als Sprecher der Initiative. „Dieser Akt ist unverhältnismäßig und unnötig“, kommentiert er den Umzug von Oskar und Helene gegen den Bürgerwillen. Es gebe im Bezirk einen Konsens, in einer Zukunftswerkstatt darüber zu sprechen, wie Denkmal- und Naturschutz zusammen funktionieren können. Nun würden aber Tatsachen geschaffen. Mit dem Effekt, dass Zeit und Geld aufgewendet werden für etwas, das Bürger nicht wollen, meint Mohn. Im Bezirksamt Pankow verweist man wiederum auf ein deutliches Entgegenkommen. Wie berichtet, hatte das Amt zunächst verlangt, dass die Bürger ihre illegal gepflanzten Bäumchen selbst fällen - unter Androhung eines Bußgelds von bis zu 10.000 Euro.

Bezirk Pankow hatte zunächst die Fällung der beiden Bäume verlangt

Nach anhaltenden Protesten hat die zuständige Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) die veralteten Warnaufkleber, die solch drakonische Strafen verkünden, abgeschafft - und meldete einen Kompromiss. Die Bäumchen müssen demnach nicht sterben, sonder ziehen nur um, in ein kleinen Hain, nur 100 Meter von den Vorgärten der Gubitzstraße entfernt. Anders-Granitzki hatte gehofft, das Umsetzen der Rotdorne in einer gemeinsamen Pflanzaktion mit den Bürgern zu vollziehen.

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Stattdessen begleiteten die Gruppe das Ausbuddeln im Vorgarten mit einer Protestkundgebung und hämischen Bemerkungen. „Das Grauflächenamt schlägt zu“, sagte eine Mutter zu ihrem Sohn, während drei Männer ihre Spaten in die Erde rammten. Fast eine Stunde Arbeit pro Baum.

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Wenn es nach den Anwohnern geht, werden sie irgendwann zurückkehren müssen, um ihr Werk rückgängig zu machen. Denn bei der Zukunftswerkstatt in nächsten Jahr will das Bezirksamt Pankow den Denkmalstatus der Vorgärten des Welterbekiezes endgültig klären. Dass die Bürger die Rückkehr von Oskar und Helene fordern werden, gilt als sicher.