Kiezmöbel unerwünscht

Bis zu 10.000 Euro Bußgeld: Warum Pankow Bänke-Bauern droht

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Plötzlich ein Problem: Diese kiezige Sitzbank soll umgehend verschwinden, so verfügt es das Bezirksamt Pankow - ohne Nachbarn in Prenzlauer Berg den Grund zu nennen.

Plötzlich ein Problem: Diese kiezige Sitzbank soll umgehend verschwinden, so verfügt es das Bezirksamt Pankow - ohne Nachbarn in Prenzlauer Berg den Grund zu nennen.

Foto: Thomas Schubert

Aufkleber fordern zum Abbau von Bänken an Baumscheiben auf. Der Sitzmöbel-Kahlschlag in Prenzlauer Berg hat einen simplen Grund.

Berlin.  Sie verheißen Kiezgefühl und versprechen Kaffeepausen an der frischen Luft - aber plötzlich sind sie ein Problem: Zwei Sitzbänke an Baumscheiben in Prenzlauer Berg müssen weg. Und zwar sofort. Wer auch immer sie einst am Bürgersteig der Seelower Straße zusammengeschraubt hat, wird sie wieder entfernen müssen. Oder Strafe zahlen: Bis zu 10.000 Euro Bußgeld sind möglich - so verfügt es das Bezirksamt Pankow. Es sei eben „der gesetzliche Rahmen“ in solchen Fällen, heißt es auf Morgenpost-Anfrage.

Der gewünschte Bank-Abriss hat einen simplen Grund, der nichts damit zu tun hat, dass Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) oder ein Amtsmitarbeiter jemandem das Ausspannen auf den Sitzbrettern missgönnen. Es geht einfach nur um eine Aufforstung von verloren gegangenen Straßenbäumen - und dieser guten Sache stehen die Bänke im Weg. „Die Pflanzung der Bäume ist in den vorhandenen Baumscheiben vorgesehen. Da auf den Baumscheiben in der Seelower Straße Bänke und Beete aus Holz gebaut wurden, müssen diese entfernt werden, um die neuen Bäume wie geplant pflanzen zu können“, erklärt Anders-Granitzki die Angelegenheit.

In anderen Abschnitten der Seelower Straße sind jungen Gehölze schon in die Baumscheiben eingefügt worden, wo sie Exemplare ersetzen, die aus Sicht des Bezirksamts Pankow nicht mehr standfest waren. Nun setzen Mitarbeiter die Maßnahme auch im Abschnitt am Arnimplatz fort. Genau dort, wo Anwohner sich an Baumscheiben ihre Sitznischen gezimmert haben. Lange bevor Fällungen und Aufforstung von Straßenbäumen hier ein Thema waren.

Bank-Kahlschlag in Prenzlauer Berg: Pankow will Warnaufkleber überarbeiten

Weil niemand den Grund für den Kahlschlag kennt, herrscht helle Aufregung. In sozialen Netzwerken kursieren Fotos der Kiezmöbel mit amtlichen gelben Aufklebern und der dringenden Aufforderung, die Bänke abzureißen.

„Was für ein Blödsinn“, ärgert sich Student Tim, der am Freitag auf einem grünen Holzbrett kauert. „Haben die nichts besseres zu tun, als Leuten zu drohen, die den Kiez verschönern?“ Dass Bäume gepflanzt werden, findet Tim toll - aber man solle doch eine Lösung finden, sie einzutopfen, ohne Kahlschlag bei den Bänken.

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Die gelben Warnaufkleber sind an beiden Bänken inzwischen abgerissen - was dazu führt, dass die Verantwortlichen vielleicht gar nicht mitbekommen, was ihnen blüht. Dass wirklich 10.000 Euro fällig werden, ist übrigens eher unwahrscheinlich - der maximal mögliche Strafrahmen müsse natürlich nicht ausgeschöpft werden, beruhigt die Stadträtin.

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Bevor neue Sticker angefertigt werden, will sie mit ihren Amtsmitarbeitern noch einmal reden. „Die Aufkleber erscheinen mir insgesamt überarbeitungswürdig“, räumt Anders-Granitzki ein. „Als Amt sollten wir vor allem auch erklären, warum die Maßnahme notwendig ist.“ Bislang konnten die Bänke-Bauer von Prenzlauer Berg nur raten.

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