„Am Sandhaus“

Neues Quartier in Pankow: Zweite Chance für die Stasi-Klinik

| Lesedauer: 6 Minuten
Willkommen in Pankows Norden: Am neuen Angers in der Straße Am Sandhaus erstrecken sich künftig Neubaublöcke der Howoge und der Deutschen Wohnen. Auch eine Krankenhaus-Ruine besitzt ungeahntes Potenzial.

Willkommen in Pankows Norden: Am neuen Angers in der Straße Am Sandhaus erstrecken sich künftig Neubaublöcke der Howoge und der Deutschen Wohnen. Auch eine Krankenhaus-Ruine besitzt ungeahntes Potenzial.

Foto: Stadtentwicklung Berlin

Erst sollte das Stasi-Krankenhaus in Buch dem Bauprojekt weichen. Nun gibt es eine klimafreundliche Option für 2600 Wohnungen.

Berlin. Still, abgeschieden, mitten im Wald: Das Krankenhaus der DDR-Staatssicherheit im äußersten Norden Pankows besaß ideale Standort-Eigenschaften, lag praktischerweise auf dem Weg zur Eliten-Siedlung in Wandlitz. Kriterien, die jetzt auch für das nördlichste Zukunftsquartier Berlins von Interesse sind: Beim Bau des Stadtviertels Buch – Am Sandhaus mit über 2600 Wohnungen prüft der Senat nun ernsthaft, die Ruine des Stasi-Krankenhauses zu erhalten. Und sie als Loft für Mietwohnungen neu zu nutzen.

Dies bedeutet eine Abkehr vom ursprünglichen Plan, der den völligen Abriss und kompletten Neubau mit modernen Häusern vorsah. „Das Stasi-Krankenhaus suchte die Abgelegenheit. Wegen diesem Vorteil wird geprüft, die alte Struktur der Klinik zu transformieren für den Wohnungsbau“, sagt dazu Lars Loebner, der Leiter Wohnungsbau-Referats im Berliner Senat. Ein Mann, der das Sandhaus-Projekt gegen Widerstände im Bezirk vorantreibt und immer auf die Effizienz des flächensparenden Bauens am Pankower Stadtrands pocht.

Quartier Am Sandhaus im Norden Pankows: Howoge prüft Krankenhaus-Umbau

Bei dem Verzicht auf den Abriss der Stasi-Krankenhaus-Ruine gehe es um Nachhaltigkeit, um die Nutzbarmachung von „grauer Energie“. Also den Aufbau auf vorhandene Baukörper, um CO2 zu sparen. Damit wird die Sache nicht nur effizient, sondern auch klimafreundlich. Laut Loebner ist die landeseigene Wohngesellschaft Howoge – neben dem Privatinvestor Deutsche Wohnen der Hauptakteur bei der Errichtung des Sandhaus-Quartiers – dabei, den Erhalt der Klinik-Ruine zu untersuchen. „Das Verfahren ist noch nicht zu Ende, aber die Überlegung ist spannend“, sagt Loebner.

Mit der neuesten Projektvorstellung im Pankower Bauausschuss rückt das riesige Wohnungsbauprojekt auf den früheren Rieselfeldern an der Bucher Moorlinse und im Wald am Stasi-Krankenhaus wieder ein Stück näher. Der aktuelle Fahrplan lautet so: Schon ab Herbst soll mit dem fertigen Masterplan das Bebauungsplanverfahren starten – der entscheidende Schritt, um den Bau der über 2600 Wohnungen mit Howoge, Deutsche Wohnen und weiteren Investoren festzuzurren. Sobald der Plan steht, plant der Senat ab 2026 und 2027 „schrittweise Baubeginne“ entlang der heutigen Straße Am Sandhaus.

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Damit liegen Senat und Bezirksamt Pankow allerdings hinter früheren Kalkulationen, die einen sehr schnellen Start schon ab Ende 2023 vorsahen. Doch nach und nach zeigen sich die Tücken bei der Beplanung des gewaltigen, 190 Hektar großen Stadtrand-Areals. Es braucht nicht nur eine zusätzliche Grundschule mit vier Zügen, sondern auch den Aufbau einer neuen Bus-Linie, die bis zu 6000 neue Bewohner des Kiezes zum S-Bahnhof Buch transportieren muss.

Fahrradparkhaus für Pankow: Senat plant Platz für 800 Velos am S-Bahnhof Buch

Und schließlich benötigt der Sandhaus-Kiez laut Loebners Team auch ein neues Fahrradparkhaus an diesem wichtigen Knotenpunkt. Ein wahrscheinlicher Standort für diese Garage mit Gesamtkapazitäten für bis zu 800 Fahrrädern: Die heutige Brache des Güterbahnhofs Buch. Aber es befinden sich auch Alternativen in der Prüfung, heißt es von der Projektverantwortlichen Susanne Glöckner. Bei der Verkehrsplanung steht und fällt alles damit, dass die neuen Bewohner in einem „autoarmen Quartier“ leben werden.

Wer doch einen eigenes Auto braucht, muss von den neuen Quartiersgaragen aus die letzte Meile nach Hause per Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen. Diese autoarme Konzeption ist laut Lars Loebner auch der Grund, warum der neue Kiez trotz Stadtrand-Lage dicht bebaut wird und möglichst nah am S-Bahnhof liegt. Nur so lohnen sich neue Verkehrsangebote. Aber darum äußert sich Fred Bordfeld (Linke), der Vorsitzende des Pankower Bauausschusses, skeptisch zum Vorhaben.

Zweifel in der CDU: „Reicht eine neue Kiezbuslinie für 6000 Menschen?“

„Ich verstehe nicht, wie man zu dem Schluss kommt, dass man so nah an die Natur und die Moorlinse heranrücken muss“, wundert sich Bordfeld über den invasiven Eingriff. Genau wie der Grünen-Natur-Experte Axel Lüssow befürchtet Bordfeld weiterhin Einschnitte bei einem heutigen Öko-Abenteuerspielplatz, der künftig mit Wohnhäusern umzingelt wird.

In Pankows CDU-Fraktion schrillen die Glocken mit Blick auf die gewaltigen Wohnungsbau-Potenziale im Bezirk, die der Senat fast alle über die so genannte Stettiner Bahn mit den S-Bahnlinien 2 und 8 erschließen will. Gerade am Fokus aufs Fahrrad als Zubringer hat Bau-Experte Lars Bocian Zweifel und stellt zwei kritische Fragen: „Radanlagen sind gut – aber was geschieht im Winter? Reicht eine neue Kiezbuslinie zum S-Bahnhof für 6000 Menschen?“

Pankows Zukunftsquartier Am Sandhaus wird erst in den 2030er-Jahren fertig

„Diesen Nachweis werden wir erbringen müssen“, entgegnet Loebner. Er verteidigt das jetzige Konzept mit seiner „einfachen, aber robusten Erschließung“. Der Plan der Senatsverwaltung für Mobilität sei es, den S-Bahn-Takt und die Angebote auf der Stettiner Bahn nach und nach zu erhöhen, während die Pankower Neubaugebiete an der Trasse schrittweise entstehen.

Alles läuft darauf hinaus, neuen Autoverkehr im Norden Pankows zu vermeiden, indem man die Verknüpfung mit dem S-Bahnhof kurz und effektiv gestaltet. Nur dann würden die Bewohner auf eigene Pkw verzichten – so die Logik des Sandhaus-Projekts. Ein Vorteil sieht Loebner in der langen Zeitschiene zur Fertigstellung: Erst bis Mitte der 2030er-Jahre wird das Zukunftsquartier vollendet sein. Gut möglich, dass Wohnen im transformierten Stasi-Krankenhaus eine Option sein wird, schon früher, als einer der ersten Mieter am Bucher Moor die Abgeschiedenheit im Grünen zu spüren. In Nachbarschaft mit Bienen, Wasserbüffeln und Wildpferden. Aber ohne die Bonzen der DDR.

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