Stadtentwicklung

Pankow hat noch Platz für 55.000 Wohnungen

Das Bezirksamt legt neue Zahlen vor. Der Schwerpunkt beim Wohnungsbau liegt im Blankenburger Süden und Buch. Es gibt erste Details.

Unendliche Weiten: Die ehemaligen Rieselfelder am Blankenburger Pflasterweg in Pankow sollen Platz für 6000 Wohneinheiten bieten. Fortbewegen soll man sich möglichst ohne Auto: nur 0,3 Parkplätze pro Wohnung sind geplant.

Unendliche Weiten: Die ehemaligen Rieselfelder am Blankenburger Pflasterweg in Pankow sollen Platz für 6000 Wohneinheiten bieten. Fortbewegen soll man sich möglichst ohne Auto: nur 0,3 Parkplätze pro Wohnung sind geplant.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Nachdem Pankow Anfang des Jahres die Marke von 410.000 Einwohnern gerissen hat, liegen nun aktuelle Prognosen vor, wie viele neue Wohnungen im Bezirk maximal entstehen können: Genau 54.991 Einheiten sind es laut der letzten Ermittlung von Anfang 2019. Gerechnet auf durchschnittlich zwei Bewohnern pro Einheit bedeutet das: Bis zu 110.000 weitere Menschen könnten, wenn es nur nach baupolitischen Gesichtspunkten geht, in Pankow ein Zuhause finden.

Pankow: Kein Konsens für den Bau von 11.001 Wohneinheiten im Berliner Norden

Doch die Wohnpotenzialanalyse, die auf eine Anwohneranfrage der Pankower Anwältin Sandra von Münster schriftlich veröffentlicht wurde und der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegt, zeigt auch, dass es verschiedene Einschätzungen bei Bezirksamt und Senat gibt. Von den 54.991 Einheiten, die im so genannten Wohnungsbauinformationssystem des Landes Berlin gelistet sind, liegen 11.001 in „Dissensflächen“, teilte das Bezirksamt Pankow mit. Damit gäbe es immerhin Konsens für 43.990 Einheiten, was einer deutlichen Steigerung gegenüber dem zuletzt maßgeblichen Wohnbaukonzept für Pankow aus dem April 2016 entspräche. Damals lag die Zahl bei 39.119.

Als Beispiele für die veränderten Prognosen zum Baupotenzial in Pankow zieht die Abteilung Stadtentwicklung den Ortsteil Buch heran, wo die Zahl seit 2016 von 3100 auf inzwischen 4017 Einheiten stieg. Maßgeblich dürften hier die Flächen der früheren DDR-Regierungskrankenhäuser sein, wo der Senat ein neues Quartier prüft. Einen sprunghaften Anstieg verzeichnet auch die Bezirksregion Blankenburg, Heinersdorf, Märchenland: von 4600 auf 5800 Wohnungen.

Senat legt Dokumentation für Werkstattverfahren zum Blankenburger Süden vor

Hier liegt eben jenes 430 Hektar große Gebiet, in dem der Berliner Senat ein Projekt vorantreibt, das die Größenordnung des Kurt-Schumacher-Quartiers am Flughafen Tegel – hier sind rund 5000 Wohnungen im Gespräch – noch übersteigen könnte. Für den Blankenburger Süden auf den Rieselfeldern südlich des Blankenburger Pflasterwegs läuft derzeit ein Werkstattverfahren mit vier Planerteams, das Anfang November begann und bisher unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlief. Nun aber gibt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit einer ausführlichen Dokumentation viele Informationen preis, die bislang im Verborgenen lagen.

In der 90 Hektar großen Kernfläche des Blankenburger Südens soll demnach ausdrücklich ein autoarmes Quartier entstehen, das auch Möglichkeiten des Klimaschutzes neu denkt. Nur 0,3 Parkplätze pro Wohnung sind eingeplant. Verbesserungen, die auf weitere Teile Pankows abstrahlen, soll es in den Bereichen Einzelhandel, Dienstleistung, Kultur, Sport und Freizeit geben, kündigt die Stadtentwicklungsverwaltung in der Online-Dokumentation an. Das Gewerbe nimmt 40 Hektar ein und verteilt sich auf zwei Standorte.

Im Blankenburger Süden entstehen nicht nur viele Häuser, sondern auch zusätzliche Grünflächen und Parks. „Die Grün- und Freiräume sind das Rückgrat des neuen Quartiers und verbinden sich mit den benachbarten Freiräumen wie den Dorfkernen, den Gräben, der Malchower Auenlandschaft und den Gartenstrukturen“, heißt es.

70 Prozent der Wohnungen im günstigen und mittleren Segment

Konkreter als bisher sind auch die Angaben zur Art der Wohnungen. Mindestens 50 Prozent werden durch städtische Wohnungsbaugesellschaften und mindestens 20 Prozent durch Genossenschaften realisiert. Dieses Konzept und die Tatsache, dass auf landeseigenen Flächen gebaut wird, bringt Kostenvorteile, die künftige Mieter spüren sollen. Rund 50 Prozent der bis zu 6000 Wohnungen kommen mit geförderten Mieten auf den Markt, die anderen 50 Prozent bedienen „ein mittleres Preissegment“. Der Blankenburger Süden bietet also alles – nur keinen Luxus.

Fest steht, dass es im größten in Planung befindlichen Quartier Berlins insgesamt drei neue Schulen geben soll: Eine Grundschule an der Heinersdorfer Straße mit einer benachbarten sechszügigen Integrierten Sekundarschule. Dazu eine Gemeinschaftsschule mit einer sechszügigen Sekundarstufe I und zweizügiger Stufe II. Insgesamt sollen den mehr als 10.000 neuen Bewohnern 500 bis 600 Kitaplätze zur Verfügung stehen. Außerdem stellt Berlin für das riesige Quartier ein neues Bürgeramt, eine Jugendfreizeiteinrichtung, eine Bibliothek und ein Nachbarschaftszentrum in Aussicht.

Neue Vorschläge für den Trambetriebshof in Blankenburg

In der direkten Nachbarschaft waren in den letzten Wochen eher Verlustängste zu bemerken. Denn bisherige Untersuchungen hatten nahegelegt, einen Straßenbahnbetriebshof auf dem Gelände der Erholungsanlage Blankenburg zu platzieren, wo laut des Siedlungsvereins auch ohne den Hof bereits 200 der mehr als 1000 Parzellen gefährdet sind. Denn mit der Vorzugsvariante für eine Verlängerung der Straßenbahnlinie M2 zwischen Alexanderplatz und Blankenburg – laut der Online-Dokumentation des Senats das „Rückgrat“ für die Mobilität des Quartiers – werden Einschnitte in der Erholungsanlage wohl kaum zu vermeiden sein.

Immerhin stellte nun Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) in Aussicht, dass für den geplanten Betriebshof, der den zusätzlichen Tramverkehr erst möglich macht, neue Überlegungen im Spiel sind. „Ende März werden weitere Standortvorschläge präsentiert“, sagte er den Bezirksverordneten.

Ein wichtiger Termin findet schon vorher statt: Am Freitag, 14. Februar, lädt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ab 17 Uhr in der Veranstaltungshalle „Von Greifswald“ an der Lilli-Henoch-Straße 10, 10405 Berlin ein. Dann sollen die Planerteams einen ersten Zwischenstand des Werkstattverfahrens zum Blankenburger Süden präsentieren. Mit Hilfe der Beiträge aus dem Publikum vollenden die vier Planerteams ihre Testentwürfe für das Quartier dann bis zum April.