Klinikum Buch

Patientenakten von 25.000 Menschen bei Umzug vergessen

Alte Akten lagen jahrelang in einem leerstehenden Gebäude. Der Datenschutzbeauftragter prüft den Vorfall.

Mitarbeiter des Klinikums Buch fanden Patientenakten. Nun ermittelt die Polizei

Mitarbeiter des Klinikums Buch fanden Patientenakten. Nun ermittelt die Polizei

Berlin. Das Klinikum Buch hat in einem stillgelegten Gebäudeteil Patientenakten gefunden, die in die Hände von Unbefugten gelangt sein könnten. Wie ein Sprecher am Dienstag mitteilte, war das Helios-Klinikum einem Hinweis nachgegangen, dass bei einem Umzug vor mehreren Jahren nicht alle Patientenakten mitgenommen wurden und noch immer in dem leerstehenden Gebäudeteil lagern. Als Mitarbeiter den Verdachten prüften, entdeckten sie tatsächlich Dokumente.

Akten stammen wohl aus dem Jahr 2001

„Es handelt sich dabei offenbar um Patientenakten, die nach ersten Informationen aus der Zeit vor dem Verkauf des städtischen Klinikums Buch an Helios im Jahr 2001 stammen. Mit dem Erwerb des Klinikums durch Helios gelangten auch die betreffenden Akten in den Verantwortungsbereich des Helios Klinikums Berlin-Buch“, erklärte der Klinik-Sprecher.

Wine Sprecherin der Landesdatenschutzbeauftragten am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur sagte, handele sich um Unterlagen von 25.000 Menschen. Demnach handelt es sich um Akten über Patienten und medizinische Behandlungen aus DDR-Zeiten, aber auch aus der Zeit nach Wende und deutscher Einheit. Die Vorgänge würden nun geprüft.

„Beim Umzug des alten Klinikums Buch an seinen heutigen Standort sind offenbar Akten in einem alten Gebäude zurückgelassen worden. Das bedauern wir sehr und werden den Sachverhalt so schnell wie möglich aufklären,“ erklärt Dr. Sebastian Heumüller, Geschäftsführer des Klinikums. Nach bisheriger Einschätzung sei beim Übergang des Krankenhauses und beim Umzug alles Erforderliche veranlasst worden, um sicherzustellen, dass keine schutzwürdigen Informationen in den alten Gebäuden zurückbleiben. Dazu zählten unter anderem gründliche Begehungen des Geländes und die entsprechende Dokumentation in Übergabeprotokollen, erklärte Heumüller. „Leider mussten wir nun feststellen, dass offenbar ein Aktenschrank übersehen wurde“, räumte er ein.

Der Klinik gehört das Gebäude nicht mehr

Das fragliche Gebäude befindet sich nicht im Eigentum von Helios, sondern gehört dem Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). Zwar sei der Bau durch Alarmanlagen und Zäune gesichert und werde von einem Wachdienst kontrolliert. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass widerrechtlich auf das Gelände gelangt beziehungsweise in das Objekt eingedrungen wurde“, heißt es aber von Helios. Man habe den Berliner Datenschutzbeauftragten eingeschaltet, um den Fall zu untersuchen. Auch die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Heumüller versprach, den Vorfall so schnell wie möglich mit den Behörden zu klären.

Wie inzwischen bekannt wurde, handelt es sich bei dem stillgelegten Gebäude um ein ehemaliges Krankenhaus der DDR-Staatssicherheit in der Hobrechtsfelder Chaussee, das im Jahre 2007 geräumt wurde. Die betroffenen Patientenakten reichen bis in die 1960er Jahre zurück und enthalten Namen, Geburtsdaten, Diagnosen, Angaben zu Operationen und die Namen der zuständigen Ärzte. Nach dem Mauerfall wurden die Behandlungseinrichtungen der Stasi Teil des Klinikums Buch. Diese Einrichtung wurde wiederum 2001 an Helios verkauft.

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