Stadtklima

Pankow will Elisabeth-Aue schützen

Das Bezirksamt lässt neues Konzept für Freiflächen und Parks erstellen, die für Erhalt des Stadtklimas wichtig sind.

Die Elisabeth-Aue (Archivbild).

Die Elisabeth-Aue (Archivbild).

Foto: Amin Akhtar

Berlin. Über eine Karte von Pankow verlaufen dicke, blaue Striche. Vom Stadtrand hinunter in den Süden ziehen sich krumme Bahnen und verschmelzen dort in einem Trichter. Diese blauen Striche, erklärt Stadtplaner Dennis Born vom Planungsbüro „Gruppe F“, das sind Kaltluftschneisen. Durch diese Korridore weht ein kühler Zug von den Feldern bei Blankenburg und Buch hinunter nach Alt-Pankow und Prenzlauer Berg.

„Solche Schneisen schützen uns im Sommer vor tropisch Nächten“, sagt Born. Und fährt mit der Hand über die Karte, um zu zeigen, welchen Weg der unsichtbare Hauch durch die Häuserschluchten nimmt. Und wenn man in diese Schneise Häuser setzen würde? Dann wäre es mit dem kühlen Luftzug vorbei. Es entstünden „klimaschwächende Bereiche.“

Im Namen des Bezirksamts Pankow erforschen Born und seine Kollegen derzeit, welche Freiflächen im Nordosten Berlins für das Stadtklima Bedeutung haben, welche Grünanlagen unverzichtbare Erholungsorte für die Anwohner bleiben müssen. Das Ergebnis: ein sogenanntes landschaftsplanerisches Rahmenkonzept. Pankow will diese Untersuchung anstellen, bevor der Druck, immer mehr Wohnungen auf immer weniger verbleibenden Freiflächen zu errichten, zu groß wird.

„Die Sicherung von Freiflächen ist unabdingbar, um die Gesundheit der Pankower zu fördern.“, warnt der zuständige Stadtrat Daniel Krüger (parteilos, für AfD) vor einer zu dichten Bebauung. Ganz oben im Trichter der Pankower Kaltluftschneisen: Die Elisabethaue – jener Acker, den der rot-schwarze Senat einst als mögliches Siedlungsgebiet und Baufläche für bis zu 5000 Wohnungen erkannt hatte. Ein Feld, das nach dem Willen des rot-rot-grünen Senats nun aber ein Feld bleiben soll. Mit dem neuen Rahmenkonzept, das der Bezirk Pankow für seine 13 Ortsteile erstellen will, könnte der Status der Elisabethaue als Oase des Stadtklimas jetzt noch einmal untermauert werden.

Zwölf „Handlungsräume“ wurden ausgewählt

Nach und nach wird jetzt jedes Pankower Quartier mit seinen Biotopen kartographiert und die Versorgung der Einwohner mit Erholungsflächen erfasst. Die erste Untersuchung hat das „Büro F“ für Niederschönhausen, Französisch Buchholz, Rosenthal und Wilhelmsruh bereits vorgelegt. 20 Grüne Wege in diesen Ortsteile sollen demnach ausgebaut werden, lautet die Empfehlung. Dazu haben die Planer zwölf grüne „Handlungsräume“ ausgewählt, die der Bezirk besser pflegen und ausbauen soll – darunter den Dorfanger Rosenthal, den Nordgraben, die Parks von Buchholz und den Friedhof Nordend.

Obwohl Anwohner sich in diesen Teilen des Bezirks üppig von Grünflächen umgeben fühlen, ist die Realität laut des Rahmenkonzepts eine andere. „Es gab hier bei unseren Befragungen häufig das Feedback: Wir fühlen uns gut versorgt“, berichtet Born. Tatsächlich wird in den dichter bebauten Ortstkernen von Niederschönhausen, Rosenthal, und Französisch Buchholz die Vorgabe von sechs Quadratmetern Grünfläche pro Kopf in einer Entfernung von höchstens 500 Metern kaum erreicht. Nur 5,4 Prozent des Untersuchungsgebiets erkennt das Konzept als Grünfläche an.