Es ist eine Heimkehr mit Überraschungseffekt. Urlauber, die bei ihrer Abfahrt in der Mendelssohnstraße nichts Böses ahnten, finden nun bei der Ankunft keinen Parkplatz mehr. Ein Bagger reißt die Betonpiste, die bisher als Abstellfläche für etwa 100 Autos diente, in Stücke und bereitet den Boden für ein Bauprojekt, von dem viele Anwohner der Hochhäuser bisher nichts wussten.
Wie das Bezirksamt Pankow vier Tage nach dem Beginn der Arbeiten mitteilte, erhält hier die Helene-Haeusler-Schule einen Ergänzungsbau. Eine Sonderanfertigung, die erstmals in Berlin aus vorgefertigten Modulen zusammengesetzt wird. „Es wirkt wie eine Nacht-und-Nebel-Aktion“, ärgert sich Frank Z. – einer von denen, die sich fragen, wo sie ihr Auto abstellen sollen. Weder er noch seine Nachbarn hätten im Vorfeld erfahren, was hier geschieht. „Es gab nicht einmal ein Bauschild.“
Im Bezirk Pankow müssen 16 neue Schulen entstehen
Torsten Kühne, CDU-Stadtrat für Immobilien und Schule, hält dagegen. Schon seit 2016 habe er regelmäßig in der Bezirksverordnetenversammlung, im Schulbeirat und im Bezirkselternausschuss über das Projekt informiert. „Aufgrund der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Grundstücke im öffentlichen Eigentum lässt sich die Erweiterung der Helene-Haeusler-Schule nur auf der angrenzenden Parkplatzfläche realisieren“, erklärt Kühne auf Anfrage.
Im Rahmen eines Entwidmung der Parkfläche sei die Öffentlichkeit zweimal benachrichtigt worden – zuletzt durch einen Bericht im Amtsblatt. Zum Baubeginn verweist Kühne nun erneut auf den deutlich wachsenden Bedarf an Schulplätzen und den Mangel an Platz. „Im Bezirk Pankow besteht auch ein Defizit bei Schulplatzversorgung im Bereich der Förderschulen für geistige Entwicklung. Dies führt bereits heute zu starken Belastungen an den bestehenden Förderschulen, auch für die Helene-Haeusler-Schule“, heißt es in seiner Mitteilung.
33.780 Schüler an öffentlichen Schulen
Aktuell lernen laut Bezirksamt Pankow 33.780 Schüler an den öffentlichen Schulen. Bis zum Schuljahr 2026/27 sei laut aktuellen Prognosen mit über 44.000 Schülern zu rechnen. Mit Problemen rechnet man schon für das Schuljahr 2022/23, wenn über 40.000 Schüler einen Schulplatz brauchen werden. Im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive sind deshalb 16 neue Lernorte für den Bezirk in Planung.
Hinzu kommen 30 bis 40 Schulstandorte, die erweitert werden müssen. Im Fall der Haeusler-Schule sieht Stadtrat Kühne schon seit Langem Handlungsbedarf und sagt: „Derzeit werden hier 151 Schüler trotz begrenzter Raumkapazitäten unterrichtet. Die zügige Errichtung eines Modularen Erweiterungsbaus ist damit zwingend erforderlich.“ Finanziert wird das Projekt mit Kosten in Höhe von sechs Millionen Euro über den Investitionsfonds (Siwana) des Landes Berlin.



